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Am 31. Januar 1936 nahm die vatikanische Basilika das Denkmal für den heiligen Johannes Bosco auf. Ein Meer von Jugendlichen füllte an diesem Tag die Kirchenschiffe. Im Jahr 2026 jährt sich zum neunzigsten Mal ein Ereignis, das der Welt ein kraftvolles Bild hinterlassen hat: der Vater der Jugend, der vom sichtbarsten Punkt der Basilika aus zwei Jungen das Grab des Petrus zeigt. Eine in Marmor gemeißelte Geste, die weiterhin spricht.
Der Besucher, der heute das Mittelschiff von St. Peter durchquert und kurz vor dem Erreichen des Konfessionsaltars den Blick nach rechts hebt, sieht sich von einer Figur beobachtet, die jeder Salesianer mit geschlossenen Augen erkennen würde. Es ist Don Bosco. Nicht allein: Er hält zwei Jungen neben sich, und sein rechter Arm ist zur Mitte der Basilika ausgestreckt, zum Grab des Apostels Petrus. Dieser Arm ist seit genau neunzig Jahren dort und hat nie aufgehört, dorthin zu weisen.
Es lohnt sich, auf jenen Wintermorgen des Jahres 1936 zurückzublicken – es war der achtundvierzigste Todestag des Heiligen –, als die große Marmorgruppe enthüllt und gesegnet wurde.
Zwanzigtausend Herzen unter der Kuppel
Auf dem Papier handelte es sich um einen kurzen und schlichten Ritus: eine Segnung. Tatsächlich erlebte die Basilika einen ihrer denkwürdigen Tage. Wer dabei war, verglich diese Atmosphäre mit Ostern 1934, dem Tag, an dem Pius XI. Don Bosco in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen hatte: dieselbe Begeisterung, dasselbe Menschenmeer, dieselbe festliche Stimmung.
Die Anwesenden übertrafen zwanzigtausend Personen. Die Hälfte davon waren Jugendliche: zehntausend Schüler der römischen Institute, aufgereiht in fünf langen Reihen entlang des Hauptschiffs, die gekommen waren, um denjenigen zu ehren, der die Erziehung zu seinem Lebensinhalt gemacht hatte. Um sie herum, unter den Seitenbögen, drängten sich die Schüler der salesianischen Häuser Roms und der Castelli Romani, zusammen mit Ehemaligen, Mitarbeitern und den Töchtern Maria Hilfe der Christen; die Seitenschiffe quollen über von Pilgern und einfachen Gläubigen, die ohne Einladung aus Zuneigung herbeigeeilt waren.
Auch unter den Autoritäten fehlte niemand. In der ersten Reihe saßen Kardinal Carlo Salotti, der der Sache Don Boscos jahrelange Arbeit gewidmet hatte, der Nuntius in Italien, Monsignore Borgoncini Duca, zahlreiche Bischöfe, der Gouverneur der Vatikanstadt und die Familienangehörigen des Papstes. Besonders beeindruckend war die lange Reihe der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten: Italien, Argentinien, Peru, Brasilien, Belgien, Ungarn, Venezuela, Nicaragua und noch weitere Nationen. Als hätte die ganze Welt ihre Delegierten entsandt, um zu bezeugen, dass das Werk dieses piemontesischen Priesters nun nicht mehr nur einem einzigen Land gehörte. Inmitten aller, sichtlich bewegt und von allen Seiten gesucht, der Bildhauer: Pietro Canonica, einer der berühmtesten Namen der italienischen Kunst jener Zeit.
Um halb zwölf trat Kardinal Eugenio Pacelli ein – Staatssekretär, Erzpriester der Basilika und Protektor der Salesianischen Gesellschaft; drei Jahre später sollte er Pius XII. werden. Die Chöre der vier salesianischen Institute Roms, fast zweihundert Stimmen unter der Leitung von Don Raffaele Antolisei, erfüllten die Basilika mit Musik. Dann der erwartete Moment: Die Sampietrini ließen das große Tuch, das die Nische verbarg, zu Boden gleiten. Als der weiße Marmor ans Licht trat, erhob sich ein Jubel aus den Kirchenschiffen, der nicht verstummen wollte: Minutenlang bejubelten zwanzigtausend Stimmen ihren Heiligen.
Das Wort der Salesianischen Familie
Als endlich wieder Stille einkehrte, trat der Generalprokurator Don Francesco Tomasetti vor. Der Generalobere Don Pietro Ricaldone hatte nicht teilnehmen können, und so fiel es ihm zu, der gesamten Salesianischen Familie eine Stimme zu geben. Seine Ansprache verdient es, in voller Länge noch einmal gelesen zu werden, denn sie fasst – besser als jeder spätere Kommentar – den Sinn jenes Tages zusammen:
„Eure Hochwürdigste Eminenz,
Über drei Dinge freuen sich die Salesianer heute in dem Moment, in dem der heilige Johannes Bosco seinen Platz unter den großen Ordensgründern einnimmt, die, in Marmor verewigt, von Zeit zu Zeit den Glanz des größten Tempels der Christenheit mehren.
Sie freuen sich darüber, dass Eurer Eminenz das Amt zugefallen ist, das Denkmal ihres Vaters mit dem Segen des Himmels einzuweihen, denn sie verehren in der Person Eurer Eminenz den Kardinalprotektor ihrer Kongregation.
Es ist ferner ein Grund zu unaussprechlicher Freude, dass die Güte des Heiligen Vaters geruht hat, Don Bosco einen so herausragenden Platz in der Basilika zuzuweisen. Das Auge des Betrachters wird zu der Nische gelenkt, die ihn seinem Blick darbietet, indem es über zwei aufeinanderfolgende Visionen aufsteigt: am Fuße des Pfeilers die Majestät des Apostelfürsten und in der Mitte die strahlende Gestalt des engelgleichen Pius IX.: der heilige Petrus, dessen Leben Don Bosco dem Volk mit Glaubenseifer und erbaulicher Aufrichtigkeit des Stils erzählte, und Pius IX., der den Heiligen väterlich liebte und von ihm kindlich wiedergeliebt wurde.
Ein dritter Grund zur Freude gesellt sich zu den beiden vorherigen, und zwar, dass der Bildhauer mit der unübertrefflichen Meisterschaft seiner Kunst das Bild Don Boscos in der Haltung festgehalten hat, die der Natur seines Apostolats am besten entsprach. Da ist er, wie er die Jugend der zivilisierten Länder und der Missionsgebiete liebevoll an sich drückt und, auf den Konfessionsaltar weisend, sie in diese Richtung drängt und zu sagen scheint: »Kinder, dort ist das Heil, denn dort ist Petrus, und ‚ubi Petrus ibi Ecclesia‘«. In dem Papsttum feindlich gesinnten Zeiten hielt er dem Stellvertreter Jesu Christi die Treue, in dem er den Meister, den Führer, den Wohltäter der Menschheit aufzeigte.
Angesichts des Schauspiels, dessen Zeugen wir sind, kann ich nicht umhin, noch eine Bemerkung zu machen. Don Bosco hatte sein ganzes Leben lang einen großen Traum: Zum Wohl der Seelen und für die Größe seines Vaterlandes sehnte er stets die glückliche Verbindung zwischen dem Königreich Italien und dem Heiligen Apostolischen Stuhl herbei, kraft derer nun, durch den Willen derer, die die Geschicke der Nation lenken, S. E. der Minister für Nationale Bildung verfügt hat, dass die studierende Jugend Roms, stellvertretend für die gesamte italienische und ausländische Jugend, hier zusammenkommen solle, um dem Heiligen Erzieher die Ehre zu erweisen.
Lebhaftester Dank sei Seiner Eminenz Kardinal Salotti und den Exzellentesten Vertretern aller Nationen beim Heiligen Stuhl dafür ausgesprochen, dass sie mit ihrer Anwesenheit diese Zeremonie feierlicher gestalten wollten, gleichsam um die Universalität der Mission Don Boscos in der Welt zu bezeugen.
Ein besonderer Dank gelte auch den Ordenskongregationen, die in brüderlicher Solidarität am Fest der bescheidenen Salesianischen Kongregation teilgenommen haben.
Möge nun der Segen Eurer Eminenz all diese Gründe der Freude weihen und vom Himmel erflehen, dass die Erinnerung an ein so glückliches Ereignis im Gedächtnis der Anwesenden ewig lebe und heilsam an die zukünftigen Generationen weitergegeben werde.“
Der Applaus brandete wieder tosend auf. Kardinal Pacelli legte die Stola an und erteilte den rituellen Segen. Noch mehr Musik, noch mehr Gesänge – aber das wahrhaftigste Gebet an jenem Tag stand nicht in den Partituren: Es vibrierte in den Augen der Tausenden von Jugendlichen, die ihren Blick nicht von diesem lächelnden Gesicht dort oben abwenden konnten.
Zweiundzwanzig Tonnen Väterlichkeit
Halten wir nun vor dem Werk inne. Canonica bearbeitete einen einzigen narrativen Block aus weißem Marmor – die kostbare Qualität „Vittoria“, die in den Steinbrüchen von Massa abgebaut wird – mit einem Gesamtgewicht von zweiundzwanzig Tonnen. Die Figur des Heiligen allein erreicht vier Meter achtzig; mit dem Sockel, der noch einen guten Meter hinzufügt, füllt die Gruppe die fast sieben Meter hohe Höhlung der Nische vollständig aus.
Aber Zahlen sagen wenig. Das wahre Gelingen des Werkes liegt woanders: Canonica verzichtete darauf, die Fotografien des Heiligen zu kopieren – die er durchaus gut kannte – und lehnte die üblichen Andachtsposen ab. Stattdessen versuchte er, die Seele Don Boscos im Marmor zu verdichten: die Tiefe des Denkers, die Intuition des Apostels, der weit blickt, und zugleich jene lächelnde Güte, die ihm alle bescheinigten. Das Ergebnis überzeugte Kritiker und Volk: Wer Don Bosco zu Lebzeiten gekannt hatte, fand ihn vor der Statue wieder.
Und dann sind da die beiden Jungen, die kein dekoratives Detail sind, sondern der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Denkmals. Der Ältere ist Domenico Savio, der Lieblingsschüler des Oratoriums, der ebenfalls für die Ehre der Altäre bestimmt war: In ihm nimmt die gesamte Jugend Gestalt an, die Don Bosco und seine Söhne in den Schulen, in den Oratorien, auf den Höfen der halben Welt erzogen haben. Der Jüngere ist Zeffirino Namuncurá, Sohn des letzten großen Kaziken von Patagonien, dem Land, in das Don Bosco seine ersten Missionare entsenden wollte: In ihm ist die Jugend der Völker dargestellt, denen die Salesianer jenseits der Grenzen Europas begegnet sind. Zusammen sagen die beiden nur eines: dass es für das Herz Don Boscos weder Grenzen noch Abstammungsunterschiede gibt, denn jeder Jugendliche, aus welchen Breitengraden auch immer, wurde durch dasselbe Blut Christi erlöst.
Die beredteste Nische der Basilika
Neununddreißig Gründer und Gründerinnen von Ordensfamilien wachen von den Wänden von St. Peter. Don Bosco kam als dreiunddreißigster dorthin. Dennoch sucht seine Platzierung ihresgleichen, und das nicht zufällig: Es war Pius XI. persönlich, der „Papst Don Boscos“, der ihm genau diesen Punkt der Basilika vorbehalten wollte.
Man muss sie von unten betrachten, um zu verstehen. Der Pfeiler, an dem sich die Nische öffnet, ist derselbe, an den sich die berühmte Bronzestatue des sitzenden heiligen Petrus lehnt, jene mit dem von den Küssen von Generationen von Pilgern abgenutzten Fuß. Über der Statue erstrahlt das Mosaikporträt von Pius IX., dem Papst, der die entstehende Salesianische Gesellschaft billigte und der mit Don Bosco eine Freundschaft pflegte, die von gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung geprägt war. Und noch weiter oben, an der Spitze dieser Treppe der Blicke, steht Don Bosco. Petrus, Pius IX., Don Bosco: drei Namen, verbunden durch einen Faden, der sich durch das gesamte Leben des Heiligen zieht, übereinander angeordnet wie die Stufen eines einzigen Aufstiegs.
Es gibt noch mehr. Die meisten Statuen der Gründer leben sozusagen innerhalb ihrer eigenen Nische. Don Bosco nicht: Sein ausgestreckter Arm tritt ideell aus dem Marmorraum heraus und hakt sich in das Herz der Basilika selbst ein, den Papstaltar, unter dem der Apostel ruht. Es ist, als ob das Denkmal sich weigerte, eine Zierde zu sein, und den Anspruch erhöbe, eine Aufgabe zu erfüllen: zu lehren. Den beiden Jungen, die er an sich drückt – und jedem Jugendlichen, der seit neunzig Jahren zu ihm aufblickt –, wiederholt Don Bosco stimmlos die Überzeugung, die jede seiner Entscheidungen leitete: Bleibt mit Petrus vereint, denn wo Petrus ist, da ist die Kirche, und da ist das Heil. In einem Jahrhundert, in dem das Papsttum Zielscheibe von Feindseligkeiten aller Art war, war diese Treue sein Banner. Der Marmor hat sie verewigt.
Die Vorahnung einer Nacht
Eine letzte Erinnerung, bewahrt von Don Rua, verleiht der ganzen Geschichte einen fast prophetischen Beigeschmack. Im Februar 1858, während seiner ersten Romreise, überschritt Don Bosco zum ersten Mal die Schwelle von St. Peter. Er blieb lange sprachlos; und unter so vielen Wundern war es genau das, was seinen Blick fesselte: die Statuen der Gründer – und die noch unbewohnten Nischen, die auf jemanden zu warten schienen.
Jahre später hörten ihn die Jugendlichen des Oratoriums einen sonderbaren Traum erzählen: Er hatte sich, ohne zu wissen wie, genau in dieser Marmorhöhlung wiedergefunden, hoch oben, gefangen in der unermesslichen Stille des Tempels. Verängstigt hatte er um Hilfe gerufen, und der Schrei hatte ihn geweckt. Wie oft hatte er sich bei seinen Romaufenthalten hinabgebeugt, um den Fuß des bronzenen Petrus zu küssen, und seine Stirn daran gelehnt, wie es die Demütigen tun! Niemand hätte damals – er selbst als Erster – diesen unruhigen Traum zu deuten gewusst. Die Geschichte sollte ihn entschlüsseln, am 31. Januar 1936.
Seit neunzig Jahren bewohnt Don Bosco also das Haus des Petrus. Und jeder, der eintritt, in welcher Sprache er auch betet, erhält von ihm denselben stillen Auftrag: Schaut dorthin, wo der Apostel ruht. Dort ist das Zentrum. Dort bleibt man Familie.

