{"id":55100,"date":"2026-10-02T11:50:03","date_gmt":"2026-10-02T11:50:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.donbosco.press\/?p=55100"},"modified":"2026-10-02T11:50:11","modified_gmt":"2026-10-02T11:50:11","slug":"das-leben-des-jungen-domenico-savio-zogling-des-oratoriums-des-heiligen-franz-von-sales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/don-bosco\/das-leben-des-jungen-domenico-savio-zogling-des-oratoriums-des-heiligen-franz-von-sales\/","title":{"rendered":"Das Leben des jungen Domenico Savio, Z\u00f6gling des Oratoriums des heiligen Franz von Sales"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eIch bin also der Stoff; Sie sollen der Schneider sein.\u201c Mit diesen Worten vertraute sich am 2. Oktober 1854 in Becchi ein zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge Don Bosco an. Domenico Savio kam am 29. Oktober nach Valdocco und blieb dort weniger als drei Jahre: Er starb am 9. M\u00e4rz 1857. Eine kurze Zeit, und doch lang genug, damit das Korn reifen und in die Scheune des Herrn eingebracht werden konnte. In Don Boscos Schilderung erscheint er nicht als ein Junge, dem der Alltag fremd ist, sondern als ein Gef\u00e4hrte, der das Lernen, das Gebet, die Freundschaft und das Spielen zu einem Weg der Heiligkeit machte. Sein \u201eIch will heilig werden\u201c spricht noch heute jeden Jungen an: \u201eWenn er es geschafft hat, warum nicht auch ich?\u201c Wir pr\u00e4sentieren den vollst\u00e4ndigen Text in der vierten Ausgabe (1878), der letzten, die der Autor pers\u00f6nlich betreut hat.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Leben des jungen Domenico Savio, Z\u00f6gling des Oratoriums des heiligen Franz von Sales<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828403\">KAPITEL I. Heimat \u2013 Charakter dieses jungen Menschen \u2013 Seine ersten Tugendakte<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828404\">KAPITEL II. Sein sittliches Verhalten in Murialdo \u2013 Sch\u00f6ne Z\u00fcge der Tugend \u2013 Sein Schulbesuch in diesem Weiler<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828405\">KAPITEL III. Er wird zur ersten Kommunion zugelassen \u2013 Vorbereitung \u2013 Sammlung und Vors\u00e4tze dieses Tages<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828406\">KAPITEL IV. Schule in Castelnuovo d\u2019Asti \u2013 Eine erbauliche Begebenheit \u2013 Kluge Antwort auf einen schlechten Rat<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828407\">KAPITEL V. Sein Verhalten in der Schule von Castelnuovo d\u2019Asti \u2013 Worte seines Lehrers<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828408\">KAPITEL VI. Schule in Mondonio \u2013 Er ertr\u00e4gt eine schwere Verleumdung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828409\">KAPITEL VII. Meine erste Bekanntschaft mit ihm \u2013 Bemerkenswerte Begebenheiten bei dieser Gelegenheit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828410\">KAPITEL VIII. Er kommt in das Oratorium des heiligen Franz von Sales \u2013 Seine erste Lebensweise dort<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828411\">KAPITEL IX. Lateinstudium \u2013 Bemerkenswerte Vorf\u00e4lle \u2013 Verhalten in der Schule \u2013 Er verhindert eine Schl\u00e4gerei \u2013 Er entgeht einer Gefahr<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828412\">KAPITEL X. Sein Entschluss, heilig zu werden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828413\">KAPITEL XI. Sein Eifer f\u00fcr das Heil der Seelen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828414\">KAPITEL XII. Begebenheiten und sch\u00f6ne Formen seines Umgangs mit den Gef\u00e4hrten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828415\">KAPITEL XIII. Sein Geist des Gebetes \u2013 Verehrung der Mutter Gottes \u2013 Der Marienmonat<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828416\">KAPITEL XIV. Sein h\u00e4ufiger Empfang der heiligen Sakramente der Beichte und der Kommunion<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828417\">KAPITEL XV. Seine Bu\u00df\u00fcbungen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828418\">KAPITEL XVI. Abt\u00f6tungen aller \u00e4u\u00dferen Sinne<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828419\">KAPITEL XVII. Die Gesellschaft von der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828420\">KAPITEL XVIII. Seine besonderen Freundschaften \u2013 Seine Beziehung zu dem jungen Camillo Gavio<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828421\">KAPITEL XIX. Seine Beziehung zu dem jungen Giovanni Massaglia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828422\">KAPITEL XX. Besondere Gnaden und au\u00dfergew\u00f6hnliche Begebenheiten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828423\">KAPITEL XXI. Seine Gedanken \u00fcber den Tod und seine Vorbereitung auf einen heiligen Tod<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828424\">KAPITEL XXII. Seine Sorge f\u00fcr die Kranken \u2013 Er verl\u00e4sst das Oratorium \u2013 Seine Worte bei dieser Gelegenheit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828425\">KAPITEL XXIII. Er verabschiedet sich von seinen Kameraden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828426\">KAPITEL XXIV. Verlauf seiner Krankheit \u2013 Letzte Beichte, Empfang der Wegzehrung \u2013 Erbauliche Begebenheiten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828427\">KAPITEL XXV. Seine letzten Augenblicke und sein kostbarer Tod<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828428\">KAPITEL XXVI. Nachricht von seinem Tod \u2013 Worte von Prof. Don Picco an seine Sch\u00fcler<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_Toc241828429\">KAPITEL XXVII. Nacheiferung in Savios Tugend \u2013 Viele empfehlen sich ihm an, um himmlische Gnaden zu erlangen, und werden erh\u00f6rt \u2013 Ein Andenken f\u00fcr alle<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Meine lieben jungen Freunde,<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ihr habt mich, meine lieben jungen Freunde, mehrmals gebeten, euch etwas \u00fcber euren Gef\u00e4hrten DOMENICO SAVIO zu <\/em>schreiben; und ich <em>habe getan, was ich konnte, um diesem euren frommen Wunsch zu entsprechen. Hier ist nun sein Leben, mit jener K\u00fcrze und Einfachheit beschrieben, von der ich wei\u00df, dass sie euch angenehm ist.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zwei Schwierigkeiten standen der Ver\u00f6ffentlichung dieser Schrift entgegen; die erste war die Kritik, der gew\u00f6hnlich ausgesetzt ist, wer \u00fcber Dinge schreibt, f\u00fcr die es eine gro\u00dfe Zahl lebender Zeugen gibt. Ich glaube, diese Schwierigkeit dadurch \u00fcberwunden zu haben, dass ich mich bem\u00fchte, nur jene Dinge zu erz\u00e4hlen, die von euch oder von mir gesehen wurden und die ich fast alle schriftlich und von eurer eigenen Hand aufgezeichnet aufbewahre.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein anderes Hindernis war die Notwendigkeit, wiederholt von mir selbst zu sprechen. Da dieser junge Mann etwa drei Jahre in diesem Haus gelebt hat, muss ich oft Begebenheiten berichten, an denen ich selbst beteiligt war. Auch dieses Hindernis glaube ich \u00fcberwunden zu haben, indem ich mich an die Pflicht des Geschichtsschreibers hielt, die Wahrheit der Tatsachen zu schreiben, ohne auf die Personen zu achten. Solltet ihr dennoch auf irgendeine Begebenheit sto\u00dfen, bei der ich mit einem gewissen Wohlgefallen von mir spreche, so schreibt dies der gro\u00dfen Zuneigung zu, die ich f\u00fcr den verstorbenen Freund empfand und f\u00fcr euch alle empfinde; diese Zuneigung l\u00e4sst mich euch das Innerste meines Herzens \u00f6ffnen, wie es ein Vater tut, der zu seinen geliebten Kindern spricht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mancher von euch wird fragen, warum ich das Leben DOMENICO SAVIOS<\/em> und nicht das <em>der anderen jungen Menschen geschrieben habe, die unter uns im Ruf hervorragender Tugend lebten. Es ist wahr, meine Lieben, die g\u00f6ttliche Vorsehung hat sich gew\u00fcrdigt, uns mehrere Vorbilder der <\/em>Tugend zu senden: so waren Gabriele Fascio, Luigi Rua, Camillo Gavio, Giovanni<em> Massaglia und andere; doch ihre Taten waren nicht ebenso bekannt und auffallend wie <\/em>jene SAVIOS,<em> dessen Lebensf\u00fchrung offenkundig bewundernswert war. Wenn Gott mir \u00fcbrigens Gesundheit und Gnade schenkt, habe ich vor, die Taten dieser eurer tugendhaften Gef\u00e4hrten zu sammeln, um eure und meine W\u00fcnsche erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, indem ich sie euch zum Lesen und zur Nachahmung vorlege, soweit dies mit eurem Stand vereinbar ist.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In dieser neuen Ausgabe habe ich au\u00dferdem verschiedene Nachrichten hinzugef\u00fcgt, von denen ich hoffe, dass sie das Buch auch f\u00fcr jene interessant machen werden, die bereits gelesen haben, was in den fr\u00fcheren Ausgaben gedruckt worden ist.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beginnt inzwischen, aus dem Nutzen zu ziehen, was ich euch beschreiben werde, und sagt in eurem Herzen, was der heilige Augustinus sagte: \u201aSi ille, cur non ego?\u2018 \u2013 Wenn ein Gef\u00e4hrte von mir, im selben Alter, am selben Ort, denselben und vielleicht noch gr\u00f6\u00dferen Gefahren ausgesetzt, dennoch Zeit und Mittel fand, ein treuer Nachfolger Jesu Christi zu bleiben, warum sollte ich nicht dasselbe tun k\u00f6nnen? Bedenkt wohl, dass die wahre Religion nicht nur aus Worten besteht; man muss zu den Taten kommen. Wenn ihr also etwas findet, das der Bewunderung w\u00fcrdig ist, begn\u00fcgt euch nicht damit zu sagen: Das ist sch\u00f6n, das gef\u00e4llt mir. Sagt vielmehr: Ich will mich bem\u00fchen, jene Dinge zu tun, die mich, wenn ich sie bei anderen lese, mit Bewunderung erf\u00fcllen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott schenke euch und allen Lesern dieses B\u00fcchleins Gesundheit und Gnade, damit ihr aus dem, was ihr darin lesen werdet, Nutzen zieht; und die allerseligste Jungfrau,<\/em> <em>deren eifriger Verehrer der junge SAVIO war, erwirke uns, ein Herz und eine Seele zu werden, um unseren Sch\u00f6pfer zu lieben, der allein w\u00fcrdig ist, \u00fcber alles geliebt und an allen Tagen unseres Lebens treu gedient zu werden.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>ERKL\u00c4RUNG<\/strong><\/p>\n<p>Im Gehorsam gegen\u00fcber dem Dekret des hochseligen Papstes Urban VIII. erkl\u00e4re ich, dass ich allen hier berichteten \u00fcbernat\u00fcrlichen Begebenheiten keinen anderen Wert als den menschlicher Glaubw\u00fcrdigkeit beilegen will, solange der Heilige Stuhl sie nicht mit seiner unfehlbaren Autorit\u00e4t gebilligt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828403\"><\/a>KAPITEL I. Heimat \u2013 Charakter dieses jungen Menschen \u2013 Seine ersten Tugendakte<a name=\"_Toc504540951\"><\/a><a name=\"_Toc504541386\"><\/a><a name=\"_Toc504541948\"><\/a><a name=\"_Toc530304045\"><\/a><a name=\"_Toc24283658\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Eltern des jungen Menschen, dessen Leben wir zu beschreiben unternehmen, waren Carlo Savio und seine Ehefrau Brigida, arme, aber ehrbare Mitb\u00fcrger<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> von Castelnuovo d\u2019Asti<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, einem Ort zehn Meilen von Turin entfernt. Im Jahr 1841 gerieten die guten Eheleute in gro\u00dfe Not und waren ohne Arbeit; deshalb zogen sie nach Riva<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, einem Ort zwei Meilen von Chieri entfernt, wo der Mann als Huf- und Eisenschmied zu arbeiten begann, ein Handwerk, das er in seiner Jugend erlernt hatte. W\u00e4hrend sie dort wohnten, segnete Gott ihre Ehe und schenkte ihnen einen Sohn, der ihr Trost werden sollte. Er wurde am 2. April 1842 geboren. Als man ihn zur Wiedergeburt im Wasser der Taufe brachte, gab man ihm den Namen Domenico; dieser Umstand, an sich gleichg\u00fcltig, wurde sp\u00e4ter f\u00fcr unseren Knaben Gegenstand ernster Betrachtung, wie wir sehen werden.<\/p>\n<p>Domenico hatte sein zweites Lebensjahr vollendet, als seine Eltern aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden beschlossen, in die Heimat zur\u00fcckzukehren, und ihren Wohnsitz in Murialdo, einem Weiler von Castelnuovo d\u2019Asti, nahmen.<\/p>\n<p>Die ganze Sorge der guten Eltern galt einer christlichen Erziehung ihres Kindes, das schon damals Gegenstand ihrer Freude war. Von Natur aus hatte er einen guten Charakter und ein Herz, das geradezu f\u00fcr die Fr\u00f6mmigkeit geschaffen schien. Mit erstaunlicher Leichtigkeit lernte er die Morgen- und Abendgebete und konnte sie bereits im Alter von nur vier Jahren allein sprechen. Selbst in jenem Alter nat\u00fcrlicher Zerstreutheit gehorchte er seiner Mutter in allem; und wenn er sich bisweilen von ihr entfernte, so nur, um sich in irgendeinen Winkel des Hauses zur\u00fcckzuziehen und dort tags\u00fcber ungest\u00f6rter beten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eVon fr\u00fchester Kindheit an\u201c, versichern seine Eltern, \u201ein einem Alter, in dem Kinder wegen ihrer mangelnden \u00dcberlegung f\u00fcr die M\u00fctter gew\u00f6hnlich eine st\u00e4ndige Unruhe und M\u00fche sind, in dem sie alles sehen, anfassen und meistens auch besch\u00e4digen wollen, hat uns unser Domenico nie auch nur den geringsten Kummer bereitet. Er war nicht nur gehorsam und zu jedem unserer Auftr\u00e4ge bereit, sondern bem\u00fchte sich sogar, schon im Voraus das zu tun, von dem er merkte, dass es uns Freude bereitete.\u201c<\/p>\n<p>Eigenartig und zugleich r\u00fchrend war auch die Art, wie er den Vater empfing, wenn dieser nach seiner gew\u00f6hnlichen Arbeit nach Hause kam. Er lief ihm entgegen, nahm ihn bei der Hand und sprang ihm bisweilen um den Hals: \u201eLieber Papa\u201c, sagte er, \u201ewie m\u00fcde seid Ihr! Nicht wahr? Ihr arbeitet so viel f\u00fcr mich, und ich tauge zu nichts anderem, als Euch M\u00fche zu machen; ich werde den lieben Gott bitten, Euch Gesundheit zu schenken und mich gut werden zu lassen.\u201c W\u00e4hrend er dies sagte, begleitete er ihn ins Haus, r\u00fcckte ihm einen Stuhl oder Schemel hin, damit er sich setze, leistete ihm Gesellschaft und \u00fcbersch\u00fcttete ihn mit tausend Liebkosungen. \u201eDas\u201c, sagt der Vater, \u201ewar f\u00fcr mich ein s\u00fc\u00dfer Trost in meinen M\u00fchen, und ich konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen, um meinem Domenico, dem die ganze Zuneigung meines Herzens geh\u00f6rte, einen z\u00e4rtlichen Kuss zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Seine Fr\u00f6mmigkeit wuchs schneller als sein Alter. Schon mit vier Jahren musste man ihn nicht mehr daran erinnern, morgens und abends, vor und nach dem Essen sowie den<em> Angelus zu <\/em>beten; vielmehr erinnerte er selbst die anderen Hausbewohner daran, wenn sie es vergessen hatten.<\/p>\n<p>Eines Tages geschah es, dass seine Angeh\u00f6rigen, durch einiges L\u00e4rmen abgelenkt, sich ohne Weiteres zum Essen setzten. \u201eO Papa\u201c, sagte der aufmerksame Domenico, \u201ewir haben den Segen noch nicht erbeten.\u201c Ein anderes Mal begann ein Fremder, der in ihrem Haus aufgenommen worden war, ebenfalls zu essen, ohne irgendeinen religi\u00f6sen Akt zu vollziehen. Domenico wagte es nicht, ihn darauf aufmerksam zu machen, und zog sich betr\u00fcbt in eine Ecke des Hauses zur\u00fcck. Als seine Angeh\u00f6rigen ihn sp\u00e4ter nach diesem ungew\u00f6hnlichen Verhalten fragten, antwortete er: \u201eIch habe es nicht gewagt, mich mit einem an den Tisch zu setzen, der zu essen anf\u00e4ngt wie die Tiere des Herrn \u00fcber unseren Speisen.\u201c Nachdem er dies gesagt hatte, machte er selbst das Zeichen des heiligen Kreuzes und sprach das gewohnte Gebet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828404\"><\/a>KAPITEL II. Sein sittliches Verhalten in Murialdo \u2013 Sch\u00f6ne Z\u00fcge der Tugend \u2013 Sein Schulbesuch in diesem Weiler<a name=\"_Toc504540952\"><\/a><a name=\"_Toc504541387\"><\/a><a name=\"_Toc504541949\"><\/a><a name=\"_Toc530304046\"><\/a><a name=\"_Toc24283659\"><\/a><a name=\"_Toc504540953\"><\/a><a name=\"_Toc504541388\"><\/a><a name=\"_Toc504541950\"><\/a><a name=\"_Toc530304047\"><\/a><a name=\"_Toc24283660\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier finden sich Dinge, die man kaum glauben w\u00fcrde, wenn nicht derjenige, der sie bezeugt, unsere Zweifel zerstreute. Ich halte mich an den Bericht, den der Kaplan dieses Weilers<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> mir freundlicherweise \u00fcber seinen lieben Sch\u00fcler gegeben hat.<\/p>\n<p>\u201eIn den ersten Tagen\u201c, sagt er, \u201enachdem ich in diesen Weiler Murialdo gekommen war, sah ich h\u00e4ufig einen vielleicht f\u00fcnfj\u00e4hrigen Knaben in Begleitung seiner Mutter zur Kirche kommen. Die Heiterkeit seines Gesichtes, seine gesammelte Haltung und sein and\u00e4chtiges Benehmen zogen meine Blicke und die der anderen auf ihn. Fand er die Kirche bei seiner Ankunft geschlossen, bot sich ein anmutiger Anblick. Weit davon entfernt, allein oder mit anderen herumzulaufen und zu l\u00e4rmen, wie es Kinder dieses Alters gew\u00f6hnlich tun, setzte er sich an die Schwelle der T\u00fcr, kniete nieder und betete mit geneigtem K\u00f6pfchen und den unschuldigen H\u00e4ndchen vor der Brust gefaltet innig, bis die Kirche ge\u00f6ffnet wurde. Man beachte, dass der Boden bisweilen mit Schlamm bedeckt war oder Schnee oder Regen fiel; aber er achtete auf nichts und kniete trotzdem nieder, um zu beten. Verwundert und von frommer Neugier bewegt, wollte ich wissen, wer dieser Knabe sei, der Gegenstand meiner Bewunderung geworden war, und erfuhr, dass er der Sohn des Schmieds Carlo Savio war.<\/p>\n<p>\u201eWenn er mir dann auf der Stra\u00dfe begegnete, zeigte er schon von weitem seine Freude und kam meinem Gru\u00df mit wahrhaft engelhafter Freundlichkeit ehrerbietig zuvor. Auch begann er, die Schule zu besuchen, und da er begabt und in der Erf\u00fcllung seiner Pflichten sehr flei\u00dfig war, machte er in kurzer Zeit bemerkenswerte Fortschritte im Lernen. Er musste mit ungezogenen und zerstreuten Jungen verkehren, doch habe ich ihn niemals in Streit gesehen. Kam es zu einer Auseinandersetzung, so ertrug er geduldig die Beleidigungen seiner Gef\u00e4hrten und entfernte sich sogleich von ihnen. Ich erinnere mich auch nicht, dass ich ihn jemals an gef\u00e4hrlichen Vergn\u00fcgungen h\u00e4tte teilnehmen oder in der Schule die geringste St\u00f6rung verursachen sehen. Viele Gef\u00e4hrten luden ihn sogar ein, mit ihnen \u00e4lteren Leuten Streiche zu spielen, Steine zu werfen, fremdes Obst zu stehlen oder auf den Feldern Schaden anzurichten; doch verstand er es geschickt, ihr Verhalten zu missbilligen, und weigerte sich, daran teilzunehmen.<\/p>\n<p>\u201eDie Fr\u00f6mmigkeit, die er schon beim Gebet an der Kirchenschwelle gezeigt hatte, lie\u00df mit zunehmendem Alter nicht nach. Mit f\u00fcnf Jahren hatte er bereits gelernt, bei der heiligen Messe zu ministrieren, und tat dies mit gr\u00f6\u00dfter Andacht. Jeden Tag ging er zur Messe; wollte ein anderer ministrieren, h\u00f6rte er sie mit, andernfalls versah er den Dienst in h\u00f6chst erbaulicher Haltung. Da er noch jung und klein von Gestalt war, konnte er das Messbuch nicht tragen; und es war ein r\u00fchrender Anblick, wie er eifrig zum Altar trat, sich auf die Zehenspitzen stellte, die Arme so weit wie m\u00f6glich ausstreckte und sich alle M\u00fche gab, das Pult zu erreichen. Wenn der Priester oder jemand anders ihm die gr\u00f6\u00dfte Freude der Welt machen wollte, durfte er nicht das Messbuch selbst hin\u00fcbertragen, sondern musste ihm das Pult so nahe r\u00fccken, dass er es erreichen konnte; dann trug er es voller Freude auf die andere Seite des Altars.<\/p>\n<p>\u201eEr beichtete h\u00e4ufig, und sobald er imstande war, das himmlische Brot vom irdischen zu unterscheiden, wurde er zur heiligen Kommunion zugelassen, die er mit wahrhaft bewundernswerter Andacht empfing. Beim Anblick jener sch\u00f6nen Werke, welche die g\u00f6ttliche Gnade in dieser unschuldigen Seele vollbrachte, habe ich mehrmals bei mir gesagt: Hier ist ein junger Mensch von den besten Hoffnungen. M\u00f6ge Gott ihm einen Weg er\u00f6ffnen, auf dem solch kostbare Fr\u00fcchte zur Reife gelangen k\u00f6nnen.\u201c Soweit der Kaplan von Murialdo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828405\"><\/a>KAPITEL III. Er wird zur ersten Kommunion zugelassen \u2013 Vorbereitung \u2013 Sammlung und Vors\u00e4tze dieses Tages<a name=\"_Toc504540954\"><\/a><a name=\"_Toc504541389\"><\/a><a name=\"_Toc504541951\"><\/a><a name=\"_Toc530304048\"><\/a><a name=\"_Toc24283661\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Domenico fehlte nichts, um zur ersten Kommunion zugelassen zu werden. Er kannte den ganzen kleinen Katechismus auswendig, hatte eine klare Kenntnis dieses erhabenen Sakraments und brannte vor Verlangen, es zu empfangen. Nur sein Alter stand dagegen, denn in den D\u00f6rfern wurden die Kinder gew\u00f6hnlich erst mit vollendetem elften oder zw\u00f6lften Lebensjahr zur ersten Kommunion zugelassen. Savio befand sich erst im siebten Lebensjahr. Neben seinem kindlichen Aussehen war er von so zarter Gestalt, dass er noch j\u00fcnger erschien; deshalb z\u00f6gerte der Kaplan, ihn zuzulassen. Er holte auch den Rat anderer Priester ein; nachdem diese Domenicos fr\u00fche Einsicht, seine Unterweisung und sein lebhaftes Verlangen wohl erwogen hatten, lie\u00dfen sie alle Schwierigkeiten beiseite und gestatteten ihm, zum ersten Mal am Brot der Engel teilzunehmen.<\/p>\n<p>Es ist sehr schwer, die Empfindungen heiliger Freude auszudr\u00fccken, mit denen eine solche Nachricht sein Herz erf\u00fcllte. Er lief nach Hause und sagte es seiner Mutter voller Begeisterung; bald betete er, bald las er; vor und nach der Messe verbrachte er viel Zeit in der Kirche, und es schien, als wohne seine Seele bereits bei den Engeln des Himmels. Am Vorabend des f\u00fcr die Kommunion bestimmten Tages rief er seine Mutter: \u201eMama\u201c, sagte er zu ihr, \u201emorgen gehe ich zu meiner Kommunion; verzeiht mir all den Kummer, den ich Euch in der Vergangenheit bereitet habe. F\u00fcr die Zukunft verspreche ich Euch, viel besser zu sein; ich werde in der Schule aufmerksam, gehorsam, f\u00fcgsam und ehrerbietig gegen\u00fcber allem sein, was Ihr mir auftragen werdet.\u201c Nachdem er dies gesagt hatte, war er tief bewegt und begann zu weinen. Die Mutter, die von ihm nichts als Trost erfahren hatte, wurde ebenfalls ger\u00fchrt und hielt nur mit M\u00fche die Tr\u00e4nen zur\u00fcck. Sie tr\u00f6stete ihn und sagte: \u201eGeh nur beruhigt, lieber Domenico, alles ist verziehen. Bitte Gott, dass er dich immer gut erhalte; bete auch f\u00fcr mich und f\u00fcr deinen Vater.\u201c<\/p>\n<p>Am Morgen dieses denkw\u00fcrdigen Tages stand er fr\u00fch auf, zog seine sch\u00f6nsten Kleider an und ging zur Kirche, die er noch verschlossen fand. Wie schon bei anderen Gelegenheiten kniete er an der Schwelle nieder und betete, bis andere Kinder eintrafen und die T\u00fcr ge\u00f6ffnet wurde. Mit Beichten, Vorbereitung und Danksagung nach der Kommunion dauerte die Feier f\u00fcnf Stunden. Domenico ging als Erster in die Kirche und als Letzter wieder hinaus. W\u00e4hrend der ganzen Zeit wusste er gleichsam nicht mehr, ob er im Himmel oder auf Erden war.<\/p>\n<p>Dieser Tag blieb ihm stets unvergesslich und kann als der eigentliche Anfang oder vielmehr als die Fortsetzung eines Lebens bezeichnet werden, das jedem christlichen Gl\u00e4ubigen als Vorbild dienen kann. Als man ihn mehrere Jahre sp\u00e4ter von seiner ersten Kommunion sprechen lie\u00df, konnte man noch die lebhafteste Freude auf seinem Gesicht erkennen. \u201eOh!\u201c, pflegte er zu sagen, \u201edas war f\u00fcr mich der sch\u00f6nste Tag und ein gro\u00dfer Tag.\u201c Er schrieb sich einige Vors\u00e4tze auf, die er sorgf\u00e4ltig in einem Andachtsbuch aufbewahrte und h\u00e4ufig las. Ich habe sie selbst in H\u00e4nden gehabt und f\u00fcge sie hier in ihrer urspr\u00fcnglichen Einfachheit ein. Sie lauteten: \u201eVors\u00e4tze, die ich, Domenico Savio, im Jahr 1849 gefasst habe, als ich im Alter von sieben Jahren die erste Kommunion empfing.<\/p>\n<ol>\n<li>Ich werde sehr oft beichten und jedes Mal zur Kommunion gehen, wenn der Beichtvater es mir erlaubt.<\/li>\n<li>Ich will die Festtage heiligen.<\/li>\n<li>Meine Freunde werden Jesus und Maria sein.<\/li>\n<li>Lieber der Tod als S\u00fcnden.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Vors\u00e4tze, die er oft wiederholte, waren gleichsam die Richtschnur seines Handelns bis an das Ende seines Lebens.<\/p>\n<p>Sollte sich unter den Lesern dieses B\u00fcchleins jemand befinden, der die erste Kommunion noch vor sich hat, so m\u00f6chte ich ihm nachdr\u00fccklich empfehlen, sich den jungen Savio zum Vorbild zu nehmen. Ebenso empfehle ich, so sehr ich nur kann, den V\u00e4tern, den Familienm\u00fcttern und allen, die irgendeine Verantwortung f\u00fcr die Jugend tragen, diesem religi\u00f6sen Akt die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung beizumessen. Seid \u00fcberzeugt, dass eine gut vorbereitete erste Kommunion ein festes sittliches Fundament f\u00fcr das ganze Leben legt; und es w\u00e4re ungew\u00f6hnlich, jemanden zu finden, der diese feierliche Pflicht gut erf\u00fcllt h\u00e4tte, ohne dass daraus ein gutes und tugendhaftes Leben hervorgegangen w\u00e4re. Dagegen gibt es Tausende ungeratener junger Menschen, die ihren Eltern und denen, die sich um sie k\u00fcmmern, Kummer bereiten; geht man aber dem \u00dcbel auf den Grund, erkennt man, dass ihr Verhalten seinen Anfang in einer geringen oder v\u00f6llig fehlenden Vorbereitung auf die erste Kommunion nahm. Es ist besser, sie aufzuschieben, ja besser, sie nicht zu empfangen, als sie schlecht zu empfangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828406\"><\/a>KAPITEL IV. Schule in Castelnuovo d\u2019Asti \u2013 Eine erbauliche Begebenheit \u2013 Kluge Antwort auf einen schlechten Rat<a name=\"_Toc504540955\"><\/a><a name=\"_Toc504541390\"><\/a><a name=\"_Toc504541952\"><\/a><a name=\"_Toc530304049\"><\/a><a name=\"_Toc24283662\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Abschluss der ersten Schuljahre h\u00e4tte Domenico schon l\u00e4ngst an einen anderen Ort geschickt werden m\u00fcssen, um seine Studien fortzusetzen, denn in einer l\u00e4ndlichen Kaplanei war dies nicht m\u00f6glich. Domenico w\u00fcnschte es, und auch seinen Eltern lag es sehr am Herzen. Aber wie sollte man es verwirklichen, da die finanziellen Mittel v\u00f6llig fehlten? Gott, der h\u00f6chste Herr aller Dinge, wird die notwendigen Mittel bereitstellen, damit dieser Knabe auf jenem Weg voranschreiten kann, zu dem er ihn beruft.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn ich ein Vogel w\u00e4re\u201c, <\/em>sagte Domenico manchmal, \u201em\u00f6chte<em> ich morgens und abends nach Castelnuovo fliegen und so meine Schulbildung fortsetzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Sein lebhaftes Verlangen zu lernen lie\u00df ihn jede Schwierigkeit \u00fcberwinden, und er beschloss, die Gemeindeschule des Ortes zu besuchen, obwohl sie fast zwei Meilen entfernt war. So machte sich ein kaum zehnj\u00e4hriger Knabe t\u00e4glich auf einen Weg von sechs Meilen f\u00fcr Hin- und R\u00fcckweg zur Schule. Manchmal gab es l\u00e4stigen Wind, brennende Sonne, Schlamm oder dr\u00fcckenden Regen. Das machte nichts: Alle Beschwernisse wurden ertragen und alle Schwierigkeiten \u00fcberwunden; denn er sah darin den Gehorsam gegen\u00fcber seinen Eltern und ein Mittel, die Wissenschaft des Heils zu erlernen, und das gen\u00fcgte, um jede Unbequemlichkeit mit Freude zu ertragen. Als eines Tages ein etwas \u00e4lterer Mann Domenico allein um zwei Uhr nachmittags bei sengender Sonne zur Schule gehen sah, trat er zu ihm, gleichsam um ihm Erleichterung zu verschaffen, und f\u00fchrte mit ihm folgendes Gespr\u00e4ch:<\/p>\n<p>\u2013 Mein Lieber, hast du keine Angst, ganz allein auf diesen Stra\u00dfen zu gehen?<\/p>\n<p>\u2013 Ich bin nicht allein; mein Schutzengel begleitet mich auf jedem Schritt.<\/p>\n<p>\u2013 Wenigstens muss dir der Weg bei dieser Hitze beschwerlich sein, zumal du ihn viermal am Tag zur\u00fccklegen musst!<\/p>\n<p>\u2013 Nichts ist beschwerlich, nichts ist M\u00fche, wenn man f\u00fcr einen Herrn arbeitet, der sehr gut bezahlt.<\/p>\n<p>\u2013 Wer ist dieser Herr?<\/p>\n<p>\u2013 Es ist Gott, der Sch\u00f6pfer, der sogar ein Glas Wasser belohnt, das aus Liebe zu ihm gereicht wird.<\/p>\n<p>Derselbe Mann erz\u00e4hlte diese Begebenheit einigen seiner Freunde und schloss seinen Bericht stets mit den Worten: Ein junger Mensch in so zartem Alter, der bereits solche Gedanken hegt, wird auf dem Weg, den er einschlagen wird, gewiss von sich reden machen.<\/p>\n<p>Auf dem Hin- und R\u00fcckweg von der Schule geriet er wegen einiger Gef\u00e4hrten in eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr seine Seele.<\/p>\n<p>Viele junge Menschen pflegen sich in der Sommerhitze bald in Gr\u00e4ben, bald in B\u00e4chen, bald in Teichen und \u00c4hnlichem zu baden. Wenn mehrere Kinder gemeinsam, unbekleidet und bisweilen an \u00f6ffentlichen Orten baden, ist dies f\u00fcr den K\u00f6rper gef\u00e4hrlich, sodass wir leider nur allzu oft beklagen m\u00fcssen, dass Jungen und andere Personen ertrinken und ihr Leben im Wasser verlieren; doch noch viel gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr f\u00fcr die Seele. Wie viele junge Menschen beklagen den Verlust ihrer Unschuld und f\u00fchren ihn darauf zur\u00fcck, dass sie mit jenen Gef\u00e4hrten an solchen ungl\u00fcckseligen Orten baden gingen!<\/p>\n<p>Mehrere Mitsch\u00fcler Savios hatten die Gewohnheit, dorthin zu gehen. Nicht zufrieden damit, selbst hinzugehen, wollten sie auch ihn mitnehmen und hatten ihn einmal dazu verleitet. Als er jedoch darauf hingewiesen wurde, dass dies schlecht sei, zeigte er sich tief betr\u00fcbt; nie wieder konnte man ihn dazu bewegen, vielmehr beklagte und beweinte er mehrmals die Gefahr, in die er seine Seele und seinen K\u00f6rper gebracht hatte. Dennoch machten zwei der kecksten und geschw\u00e4tzigsten Gef\u00e4hrten einen neuen Versuch und sagten zu ihm:<\/p>\n<p>\u2013 Domenico, willst du mit uns zu einem Wettkampf kommen?<\/p>\n<p>\u2013 Zu welchem Wettkampf?<\/p>\n<p>\u2013 Zu einem Wettschwimmen?<\/p>\n<p>\u2013 O nein, ich gehe nicht mit; ich kann es nicht und f\u00fcrchte, im Wasser zu sterben.<\/p>\n<p>\u2013 Komm doch, es macht gro\u00dfen Spa\u00df. Wer schwimmen geht, sp\u00fcrt die Hitze nicht mehr, bekommt guten Appetit und wird sehr gesund.<\/p>\n<p>\u2013 Aber ich f\u00fcrchte, im Wasser zu sterben.<\/p>\n<p>\u2013 Ach was, hab keine Angst; wir bringen dir alles N\u00f6tige bei. Zuerst schaust du, wie wir es machen, und dann machst du es ebenso. Du wirst sehen, wie wir uns im Wasser wie Fische bewegen und Riesenspr\u00fcnge machen.<\/p>\n<p>\u2013 Ist es aber nicht S\u00fcnde, an solche Orte zu gehen, wo so viele Gefahren sind?<\/p>\n<p>\u2013 Keineswegs; alle gehen doch hin.<\/p>\n<p>\u2013 Dass alle hingehen, beweist nicht, dass es keine S\u00fcnde ist.<\/p>\n<p>\u2013 Wenn du nicht ins Wasser springen willst, kannst du zun\u00e4chst den anderen zuschauen.<\/p>\n<p>\u2013 Genug; ich bin unschl\u00fcssig und wei\u00df nicht, was ich sagen soll.<\/p>\n<p>\u2013 Komm, komm; verlass dich auf unser Wort: Es ist nichts Schlimmes dabei, und wir werden dich vor jeder Gefahr bewahren.<\/p>\n<p>\u2013 Bevor ich tue, was ihr sagt, will ich meine Mutter um Erlaubnis fragen: Wenn sie Ja sagt, gehe ich mit; andernfalls gehe ich nicht.<\/p>\n<p>\u2013 Sei still, du Dummkopf, und h\u00fcte dich, es deiner Mutter zu sagen; sie wird dich bestimmt nicht mitkommen lassen, ja sie wird es sogar unseren Eltern erz\u00e4hlen, und dann werden sie uns die Hitze mit kr\u00e4ftigen Stockschl\u00e4gen austreiben.<\/p>\n<p>\u2013 Oh! Wenn meine Mutter mich nicht gehen l\u00e4sst, ist das ein Zeichen, dass es etwas Schlechtes ist; deshalb gehe ich nicht. Und wenn ihr wollt, dass ich offen zu euch spreche, sage ich euch: Ich wurde get\u00e4uscht und bin ein einziges Mal hingegangen, aber k\u00fcnftig werde ich nie wieder dorthin gehen; denn an solchen Orten besteht immer die Gefahr, im Wasser zu sterben oder den Herrn auf andere Weise zu beleidigen. Sprecht mit mir auch nicht mehr vom Schwimmen; wenn so etwas euren Eltern missf\u00e4llt, solltet ihr es ebenfalls nicht mehr tun, denn der Herr bestraft jene Kinder, die Dinge tun, die dem Willen von Vater und Mutter entgegenstehen.<\/p>\n<p>So entging unser Domenico durch eine kluge Antwort an jene schlechten Ratgeber einer gro\u00dfen Gefahr; h\u00e4tte er sich hineingest\u00fcrzt, h\u00e4tte er vielleicht den unsch\u00e4tzbaren Schatz der Unschuld verloren, worauf tausend traurige Folgen nach sich ziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828407\"><\/a>KAPITEL V. Sein Verhalten in der Schule von Castelnuovo d\u2019Asti \u2013 Worte seines Lehrers<a name=\"_Toc504540956\"><\/a><a name=\"_Toc504541391\"><\/a><a name=\"_Toc504541953\"><\/a><a name=\"_Toc530304050\"><\/a><a name=\"_Toc24283663\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er diese Schule besuchte, begann er zu lernen, wie er sich seinen Gef\u00e4hrten gegen\u00fcber verhalten sollte. Sah er einen Mitsch\u00fcler, der in der Schule aufmerksam, f\u00fcgsam und respektvoll war, seine Lektionen gut wusste, seine Aufgaben erledigte und vom Lehrer gelobt wurde, so wurde dieser sogleich Domenicos Freund. Gab es einen ungezogenen, frechen Jungen, der seine Pflichten vernachl\u00e4ssigte, schlecht redete oder fluchte? Domenico mied ihn wie die Pest. Diejenigen aber, die etwas tr\u00e4ge waren, gr\u00fc\u00dfte er und erwies ihnen, wenn es sich ergab, irgendeinen Dienst, ging mit ihnen jedoch keine Vertraulichkeit ein.<\/p>\n<p>Das Verhalten, das er in der Schule von Castelnuovo d\u2019Asti zeigte, kann jedem jungen Sch\u00fcler als Vorbild dienen, der in Wissen und Fr\u00f6mmigkeit vorankommen m\u00f6chte. Dazu gebe ich hier den besonnenen Bericht wieder, den sein Lehrer, Don Alessandro Allora, damals Priester und noch heute Gemeindelehrer in diesem Bezirkshauptort, verfasst hat. \u2013 Er lautet wie folgt:<\/p>\n<p>\u201eMit gro\u00dfer Freude lege ich mein Urteil \u00fcber den jungen Domenico Savio dar, der sich in kurzer Zeit mein ganzes Wohlwollen zu erwerben wusste, sodass ich ihn mit der Z\u00e4rtlichkeit eines Vaters liebte. Gern komme ich dieser Bitte nach, denn ich bewahre noch immer eine lebendige, klare und vollst\u00e4ndige Erinnerung an seinen Flei\u00df, sein Verhalten und seine Tugenden.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber sein religi\u00f6ses Verhalten kann ich nicht viel sagen, weil er weit vom Ort entfernt wohnte und deshalb von der Teilnahme an der Kongregation befreit war; h\u00e4tte er daran teilgenommen, so h\u00e4tte er gewiss seine Fr\u00f6mmigkeit und Andacht in hellem Licht erscheinen lassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNachdem dieser gute Knabe die erste Elementarklasse in Murialdo abgeschlossen hatte, bat er um Aufnahme in meine zweite Elementarklasse und erhielt sie am 21. Juni 1852, einem Tag, den die Sch\u00fcler dem heiligen Aloisius, dem Schutzpatron der Jugend, widmeten. Er war von etwas schw\u00e4chlicher und zarter Konstitution, sein Gesichtsausdruck ernst und zugleich lieblich, mit einem gewissen Zug von Ernst und Anmut. Sein Wesen war \u00e4u\u00dferst sanft und freundlich, seine Stimmung stets gleichm\u00e4\u00dfig. In der Schule und au\u00dferhalb, in der Kirche und \u00fcberall zeigte er best\u00e4ndig eine solche Haltung, dass, sooft Blick, Gedanke oder Wort des Lehrers sich ihm zuwandten, der sch\u00f6nste und erfreulichste Eindruck zur\u00fcckblieb. F\u00fcr einen Lehrer darf man dies einen der lieblichen Ausgleiche f\u00fcr die harten M\u00fchen nennen, die er oft vergeblich auf die Bildung trockener und schlecht disponierter Gem\u00fcter mancher Sch\u00fcler verwenden muss. Daher kann ich sagen, dass er nicht nur Savio hie\u00df, sondern es auch wirklich war. Das bewies er durch die Tat: im Studium, in der Fr\u00f6mmigkeit, im Umgang mit seinen Gef\u00e4hrten und in all seinem Tun. Vom ersten Tag seines Eintritts in meine Schule bis zum Ende jenes Schuljahres und w\u00e4hrend der vier Monate des folgenden Jahres machte er au\u00dfergew\u00f6hnliche Fortschritte. Er verdiente sich best\u00e4ndig den ersten Platz in seiner Abteilung und die anderen Auszeichnungen der Schule sowie fast immer die besten Bewertungen in jedem Fach, das nach und nach gelehrt wurde. Ein so gl\u00fcckliches Ergebnis im Lernen ist nicht nur seiner ungew\u00f6hnlichen Begabung zuzuschreiben, sondern ebenso seiner sehr gro\u00dfen Liebe zum Studium und seiner Tugend.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBesondere Bewunderung verdient ferner der Flei\u00df, mit dem er die kleinsten Pflichten eines christlichen Sch\u00fclers zu erf\u00fcllen suchte, vor allem seine Beharrlichkeit und erstaunliche Ausdauer beim Schulbesuch. Obwohl er stets von schwacher Gesundheit war, legte er jeden Tag \u00fcber vier Kilometer Weg zur\u00fcck und wiederholte diesen Weg viermal zwischen Hin- und R\u00fcckgang. Und dies tat er mit bewundernswerter Ruhe des Geistes und heiterem Gesicht, selbst bei den Unbilden des Winters, bei strenger K\u00e4lte, Regen oder Schnee; sein Lehrer musste darin einen Beweis und ein Beispiel seltenen Verdienstes erkennen. Als ein so w\u00fcrdiger Sch\u00fcler im Lauf desselben Schuljahres 1852\u20131853 erkrankte und seine Angeh\u00f6rigen danach den Wohnort wechselten, konnte ich zu meinem wirklichen Bedauern den Unterricht dieses so lieben Sch\u00fclers nicht fortsetzen. Die gro\u00dfen und sch\u00f6nen Hoffnungen, die er in mir geweckt hatte, wurden umso mehr von der Sorge \u00fcberschattet, er k\u00f6nne wegen seiner Gesundheit oder wegen fehlender Mittel seine Studien nicht weiterf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGro\u00dfen Trost bereitete mir sp\u00e4ter die Nachricht, dass er unter die jungen Menschen des Oratoriums des heiligen Franz von Sales aufgenommen worden war und ihm damit der Weg zur Entfaltung seiner seltenen Begabung und seiner leuchtenden Fr\u00f6mmigkeit <em>offenstand. (Soweit der Schullehrer.<\/em>)\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828408\"><\/a>KAPITEL VI. Schule in Mondonio<a name=\"_Toc504540957\"><\/a><a name=\"_Toc504541392\"><\/a><a name=\"_Toc504541954\"><\/a><a name=\"_Toc530304051\"><\/a><a name=\"_Toc24283664\"><\/a><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a> \u2013 Er ertr\u00e4gt eine schwere Verleumdung<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es scheint, als habe die g\u00f6ttliche Vorsehung diesem jungen Menschen zeigen wollen, dass diese Welt ein Exil ist, in dem wir von Ort zu Ort pilgern; oder besser noch, als habe sie gewollt, dass er an verschiedenen Orten bekannt werde und sich so an mehreren Stellen als hervorragendes Vorbild der Tugend zeige.<\/p>\n<p>Gegen Ende des Jahres 1852 verlie\u00dfen Domenicos Eltern Murialdo und nahmen ihren Wohnsitz in Mondonio, einem kleinen Ort an der Grenze zu Castelnuovo. Dort f\u00fchrte er dieselbe Lebensweise fort wie in Murialdo und Castelnuovo; deshalb m\u00fcsste ich wiederholen, was seine fr\u00fcheren Lehrer \u00fcber ihn geschrieben haben. Denn Don Cugliero<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, dessen Sch\u00fcler er war, gibt einen fast gleichlautenden Bericht. Ich w\u00e4hle daraus nur einige besondere Begebenheiten aus und lasse das \u00dcbrige weg, um Wiederholungen zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u201eIch kann sagen\u201c, schreibt er, \u201edass ich in zwanzig Jahren, in denen ich mich der Unterweisung von Jungen widme, keinen einzigen gehabt habe, der Savio in der Fr\u00f6mmigkeit gleichgekommen w\u00e4re. Er war jung an Jahren, aber vern\u00fcnftig wie ein reifer Mann. Sein Flei\u00df, seine Beharrlichkeit im Studium und seine Liebensw\u00fcrdigkeit gewannen ihm die Zuneigung des Lehrers und machten ihn zur Freude seiner Gef\u00e4hrten. Wenn ich ihn in der Kirche betrachtete, war ich von tiefer Bewunderung erf\u00fcllt, so viel Sammlung bei einem jungen Menschen in so zartem Alter zu sehen. Mehr als einmal sagte ich zu mir selbst: Hier ist eine unschuldige Seele, der sich die Freuden des Paradieses \u00f6ffnen und die mit ihren innersten Neigungen schon bei den Engeln des Himmels wohnt.<em>\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Unter den besonderen Begebenheiten z\u00e4hlt der Lehrer folgende auf:<\/p>\n<p>\u201eEines Tages wurde unter meinen Sch\u00fclern ein Vergehen begangen, und die Sache war so schwer, dass der Schuldige den Ausschluss aus der Schule verdient h\u00e4tte. Die T\u00e4ter kamen dem zuvor, gingen zum Lehrer und verabredeten sich, die ganze Schuld dem guten Domenico zuzuschieben. Ich konnte nicht glauben, dass er zu einem solchen Fehlverhalten f\u00e4hig sei; doch die Ankl\u00e4ger verstanden es, der Verleumdung einen solchen Anschein von Wahrheit zu geben, dass ich ihnen glauben musste. So trat ich, wegen des vorgefallenen Fehlers mit Recht ungehalten, in die Schule, sprach zun\u00e4chst allgemein zum Schuldigen und wandte mich dann an Savio: \u201aMusste gerade dieser Fehler von dir begangen werden? W\u00fcrdest du es nicht verdienen, auf der Stelle aus der Schule gewiesen zu werden? Gl\u00fcck f\u00fcr dich, dass dies das erste Vergehen dieser Art ist; sonst \u2026 sorge daf\u00fcr, dass es auch das letzte bleibt.\u2018 Domenico h\u00e4tte nur ein einziges Wort zu seiner Verteidigung sagen m\u00fcssen, und seine Unschuld w\u00e4re erkannt worden. Doch er schwieg, senkte den Kopf und hob die Augen nicht mehr, wie jemand, der zu Recht getadelt wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Gott sch\u00fctzt die Unschuldigen, und am folgenden Tag wurden die wahren Schuldigen entdeckt und damit Domenicos Unschuld offenbar. Voll Bedauern \u00fcber die Vorw\u00fcrfe, die ich dem vermeintlich Schuldigen gemacht hatte, nahm ich ihn beiseite und sagte: \u201aDomenico, warum hast du mir nicht sofort gesagt, dass du unschuldig bist?\u2018 Domenico antwortete: \u201aWeil jener andere, da er schon wegen weiterer Fehler schuldig war, vielleicht aus der Schule ausgeschlossen worden w\u00e4re; ich dagegen hoffte, Verzeihung zu erhalten, weil dies der erste Fehler war, dessen ich in der Schule beschuldigt wurde. Au\u00dferdem dachte ich auch an unseren g\u00f6ttlichen Erl\u00f6ser, der zu Unrecht verleumdet worden ist.\u2018\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa schwieg ich; aber alle bewunderten Savios Geduld, der es verstanden hatte, B\u00f6ses mit Gutem zu vergelten, und bereit war, selbst eine schwere Strafe zugunsten desselben Verleumders zu ertragen.<em>\u201c (So Don Cugliero.<\/em>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828409\"><\/a>KAPITEL VII. Meine erste Bekanntschaft mit ihm \u2013 Bemerkenswerte Begebenheiten bei dieser Gelegenheit<a name=\"_Toc504540958\"><\/a><a name=\"_Toc504541393\"><\/a><a name=\"_Toc504541955\"><\/a><a name=\"_Toc530304052\"><\/a><a name=\"_Toc24283665\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Dinge, die ich nun erz\u00e4hlen werde, kann ich mit mehr Einzelheiten darlegen, weil sie sich fast alle vor meinen Augen und meist in Gegenwart einer gro\u00dfen Zahl junger Menschen ereigneten, die in ihrer Aussage dar\u00fcber \u00fcbereinstimmen. Es war das Jahr 1854, als der erw\u00e4hnte Don Cugliero zu mir kam, um mit<em> mir <\/em>\u00fcber einen seiner Sch\u00fcler zu sprechen, der wegen seiner Fr\u00f6mmigkeit besondere Beachtung verdiene. \u201aHier in Ihrem Haus\u2018, sagte er, \u201am\u00f6gen Sie junge Menschen haben, die ihm gleichkommen; aber schwerlich werden Sie einen finden, der ihn an Begabung und Tugend \u00fcbertrifft. Versuchen Sie es, und Sie werden einen heiligen Aloisius finden.\u2018 Wir vereinbarten, dass er ihn mir nach Murialdo schicken w\u00fcrde, wenn ich mich, wie gew\u00f6hnlich, mit den jungen Menschen dieses Hauses dort aufhielt, damit sie etwas Landluft genie\u00dfen und zugleich die Novene halten und das Fest des Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau Maria feiern konnten.<\/p>\n<p>Es war am fr\u00fchen Morgen des ersten Montags im Oktober, als ich einen Knaben sah, der von seinem Vater begleitet auf mich zukam, um mit mir zu sprechen. Sein heiteres Gesicht und sein freundlicher, aber ehrerbietiger Ausdruck zogen meine Aufmerksamkeit auf ihn.<\/p>\n<p>\u2013 Wer bist du? \u2013 fragte ich ihn. \u2013 Woher kommst du?<\/p>\n<p>\u2013 Ich bin Domenico Savio \u2013 antwortete er \u2013, von dem mein Lehrer Don Cugliero mit Ihnen gesprochen hat; wir kommen aus Mondonio.<\/p>\n<p>Da nahm ich ihn beiseite, und als wir \u00fcber seine bisherigen Studien und die Lebensweise, die er bis dahin gef\u00fchrt hatte, zu sprechen begannen, entstand sogleich volles Vertrauen zwischen ihm und mir.<\/p>\n<p>Ich erkannte in diesem jungen Menschen ein Gem\u00fct ganz nach dem Geist des Herrn und war nicht wenig erstaunt, als ich betrachtete, welche Werke die g\u00f6ttliche Gnade bereits in so zartem Alter vollbracht hatte.<\/p>\n<p>Nach einem etwas l\u00e4ngeren Gespr\u00e4ch und bevor ich den Vater rief, sagte er mir genau diese Worte: \u201aNun, was meinen Sie? Werden Sie mich zum Studieren nach Turin mitnehmen?\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Nun ja! Mir scheint, hier ist guter Stoff vorhanden.<\/p>\n<p>\u2013 Wozu kann dieser Stoff dienen?<\/p>\n<p>\u2013 Um daraus ein sch\u00f6nes Gewand zu machen, das man dem Herrn schenken kann.<\/p>\n<p>\u2013 Dann bin ich also der Stoff; seien Sie der Schneider. Nehmen Sie mich also zu sich, und Sie werden ein sch\u00f6nes Gewand f\u00fcr den Herrn machen.<\/p>\n<p>\u2013 Ich f\u00fcrchte, dass deine zarte Gesundheit dem Studium nicht standhalten wird.<\/p>\n<p>\u2013 F\u00fcrchten Sie das nicht; jener Herr, der mir bis jetzt Gesundheit und Gnade gegeben hat, wird mir auch k\u00fcnftig helfen.<\/p>\n<p>\u2013 Aber was wirst du tun wollen, wenn du das Lateinstudium beendet hast?<\/p>\n<p>\u2013 Wenn der Herr mir eine so gro\u00dfe Gnade gew\u00e4hrt, w\u00fcnsche ich sehnlichst, den geistlichen Stand zu ergreifen.<\/p>\n<p>\u2013 Gut; nun will ich pr\u00fcfen, ob du gen\u00fcgend F\u00e4higkeit zum Studium hast. Nimm dieses B\u00fcchlein \u2013 es war ein Heft der <em>Letture Cattoliche \u2013; lerne<\/em> heute diese Seite, und morgen kommst du zur\u00fcck und sagst sie mir auf.<\/p>\n<p>Nachdem ich dies gesagt hatte, lie\u00df ich ihn frei, mit den anderen jungen Menschen zu spielen, und begann mit dem Vater zu sprechen. Kaum acht Minuten waren vergangen, da kam Domenico l\u00e4chelnd auf mich zu und sagte: \u201aWenn Sie wollen, kann ich meine Seite jetzt schon aufsagen.\u2018 Ich nahm das Buch und stellte zu meiner \u00dcberraschung fest, dass er die aufgegebene Seite nicht nur w\u00f6rtlich gelernt hatte, sondern auch den Sinn dessen, was darin stand, sehr gut verstand.<\/p>\n<p>\u2013 Bravo \u2013 sagte ich zu ihm \u2013, du hast das Lernen deiner Lektion vorweggenommen, und ich nehme meine Antwort vorweg. Ja, ich werde dich nach Turin mitnehmen, und von jetzt an z\u00e4hlst du zu meinen lieben S\u00f6hnen. Beginne auch du von nun an, Gott zu bitten, dass er mir und dir helfe, seinen heiligen Willen zu tun.<\/p>\n<p>Da er nicht wusste, wie er seine Freude und Dankbarkeit besser ausdr\u00fccken sollte, nahm er meine Hand, dr\u00fcckte sie, k\u00fcsste sie mehrmals und sagte schlie\u00dflich: \u201aIch hoffe, mich so zu verhalten, dass Sie sich niemals \u00fcber mein Benehmen beklagen m\u00fcssen.\u2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828410\"><\/a>KAPITEL VIII. Er kommt in das Oratorium des heiligen Franz von Sales \u2013 Seine erste Lebensweise dort<a name=\"_Toc504540959\"><\/a><a name=\"_Toc504541394\"><\/a><a name=\"_Toc504541956\"><\/a><a name=\"_Toc530304053\"><\/a><a name=\"_Toc24283666\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist dem wechselhaften Jugendalter eigen, seine Vors\u00e4tze hinsichtlich dessen, was man will, h\u00e4ufig zu \u00e4ndern. Daher geschieht es nicht selten, dass man heute das eine beschlie\u00dft, morgen etwas anderes; heute eine Tugend in hervorragendem Ma\u00df \u00fcbt und morgen das Gegenteil. Wenn dann niemand aufmerksam wacht, endet eine Erziehung, die vielleicht sehr gl\u00fccklich h\u00e4tte verlaufen k\u00f6nnen, oft schlecht. Bei unserem Domenico war es nicht so. Alle Tugenden, die wir in den verschiedenen Abschnitten seines Lebens entstehen und wachsen sahen, nahmen best\u00e4ndig auf wunderbare Weise zu, und sie wuchsen gemeinsam, ohne dass eine der anderen zum Schaden gereichte.<\/p>\n<p>Als er in das Haus des Oratoriums gekommen war, begab er sich in mein Zimmer, um sich, wie er sagte, ganz in die H\u00e4nde seiner Oberen zu geben. Sein Blick fiel sofort auf ein Schild, auf dem in gro\u00dfen Buchstaben die Worte standen, die der heilige Franz von Sales zu wiederholen pflegte: Da mihi animas, coetera tolle. Er <em>las sie aufmerksam, und ich w\u00fcnschte,<\/em> dass er ihre Bedeutung verst\u00fcnde. Daher lud ich ihn ein, ja half ihm, sie zu \u00fcbersetzen und folgenden Sinn daraus zu entnehmen: \u201aO Herr, gebt mir Seelen und nehmt alle<em> anderen Dinge hinweg.\u2018 Er dachte einen Augenblick nach und f\u00fcgte <\/em>dann hinzu: \u201aIch habe verstanden: Hier geht es nicht um ein Gesch\u00e4ft mit Geld, sondern um ein Gesch\u00e4ft mit Seelen. Ich habe verstanden; ich hoffe, dass auch meine Seele zu diesem Handel geh\u00f6ren wird.\u2018<\/p>\n<p>Seine Lebensweise war eine Zeit lang ganz gew\u00f6hnlich; man bewunderte an ihr nichts anderes als die genaue Beobachtung der Hausordnung. Er widmete sich mit Eifer dem Studium und erf\u00fcllte mit gro\u00dfer Hingabe alle seine Pflichten. Mit Freude h\u00f6rte er die Predigten. Tief in seinem Herzen war die \u00dcberzeugung verwurzelt, dass das Wort Gottes der F\u00fchrer des Menschen auf dem Weg zum Himmel ist; deshalb wurde jeder Satz, den er in einer Predigt h\u00f6rte, f\u00fcr ihn zu einem unver\u00e4nderlichen Merksatz, den er nicht mehr verga\u00df.<\/p>\n<p>Jede moralische Unterweisung, jeder Katechismusunterricht, jede Predigt, auch wenn sie lang war, bereitete ihm stets Freude. H\u00f6rte er etwas, das er nicht gut verstanden hatte, so bat er sogleich um eine Erkl\u00e4rung. Daraus nahm jene beispielhafte Lebensf\u00fchrung ihren Anfang, jene Genauigkeit in der Erf\u00fcllung seiner Pflichten, \u00fcber die hinaus man kaum gehen kann.<\/p>\n<p>Um \u00fcber die Regeln und die Ordnung des Hauses unterrichtet zu werden, suchte er auf h\u00f6fliche Weise die N\u00e4he eines seiner Oberen; er stellte Fragen, bat um Erl\u00e4uterungen und Rat und ersuchte darum, ihn freundlich zu ermahnen, sooft man ihn bei einer Pflichtverletzung sehe. Nicht weniger lobenswert war sein Verhalten gegen\u00fcber seinen Gef\u00e4hrten. Sah er jemanden zerstreut, in seinen Pflichten nachl\u00e4ssig oder in der Fr\u00f6mmigkeit lau? Domenico mied ihn. Gab es dagegen einen beispielhaften, flei\u00dfigen und gewissenhaften Gef\u00e4hrten, der vom Lehrer gelobt wurde? Dieser wurde sogleich Domenicos Freund und Vertrauter.<\/p>\n<p>Als sich das Fest der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis Mariens n\u00e4herte, richtete der Direktor jeden Abend einige Worte der Ermutigung an die jungen Menschen des Hauses, damit sich jeder bem\u00fche, es der gro\u00dfen Mutter Gottes w\u00fcrdig zu feiern. Besonders dr\u00e4ngte er darauf, von dieser himmlischen Besch\u00fctzerin jene Gnaden zu erbitten, von denen jeder wusste, dass er sie am meisten ben\u00f6tigte.<\/p>\n<p>Es war das Jahr 1854, in dem die Christen der ganzen Welt in einer Art geistlicher Bewegung waren, weil in Rom \u00fcber die dogmatische Definition der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis Mariens beraten wurde. Auch bei uns geschah alles, was unsere Lage erlaubte, um dieses Fest w\u00fcrdig und zum geistlichen Nutzen unserer jungen Menschen zu begehen.<\/p>\n<p>Savio geh\u00f6rte zu denen, die von dem Wunsch brannten, dieses Fest heilig zu begehen. Er schrieb neun kleine Vors\u00e4tze auf, das hei\u00dft neun Tugendakte, die er \u00fcben wollte, und zog f\u00fcr jeden Tag einen davon durch das Los. Er bereitete sich vor, legte mit innerer Freude eine Generalbeichte ab und empfing die heiligen Sakramente mit gr\u00f6\u00dfter Sammlung.<\/p>\n<p>Am Abend jenes Tages, des 8. Dezember, nachdem die heiligen Funktionen in der Kirche beendet waren, ging Domenico auf Anraten seines Beichtvaters vor den Marienaltar, erneuerte die bei der ersten Kommunion gemachten Versprechen und sprach dann wiederholt genau diese Worte: \u201aMaria, ich schenke<strong> Euch mein Herz; sorgt daf\u00fcr, dass es immer Euch geh\u00f6re. Jesus und Maria, seid immer meine Freunde! Aber um Eurer G\u00fcte willen: Lasst mich lieber sterben, als dass mir das Ungl\u00fcck widerfahre, auch nur eine einzige S\u00fcnde zu begehen.<\/strong>\u2018<\/p>\n<p>Nachdem er Maria so zur St\u00fctze seiner Fr\u00f6mmigkeit erw\u00e4hlt hatte, erschien sein sittliches Verhalten so erbaulich und mit solchen Tugendakten verbunden, dass ich von da an begann, sie aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen.<\/p>\n<p>An diesem Punkt der Beschreibung der Taten des jungen Savio sehe ich mich einer F\u00fclle von Begebenheiten und Tugenden gegen\u00fcber, die sowohl beim Schreibenden als auch beim Lesenden besondere Aufmerksamkeit verdienen. Um der Klarheit willen halte ich es deshalb f\u00fcr gut, die Dinge nicht nach der zeitlichen Reihenfolge darzustellen, sondern nach der \u00c4hnlichkeit der Begebenheiten, die in besonderer Beziehung zueinander stehen oder denselben Gegenstand betreffen. Ich werde den Stoff daher in entsprechende Kapitel gliedern und mit dem Lateinstudium beginnen, das der Hauptgrund daf\u00fcr war, dass er in dieses Haus von Valdocco kam und hier aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828411\"><\/a>KAPITEL IX. Lateinstudium \u2013 Bemerkenswerte Vorf\u00e4lle \u2013 Verhalten in der Schule \u2013 Er verhindert eine Schl\u00e4gerei \u2013 Er entgeht einer Gefahr<a name=\"_Toc504540960\"><\/a><a name=\"_Toc504541395\"><\/a><a name=\"_Toc504541957\"><\/a><a name=\"_Toc530304054\"><\/a><a name=\"_Toc24283667\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er hatte in Mondonio die Grundlagen des Lateins gelernt; dank seines gro\u00dfen Flei\u00dfes und seiner \u00fcberdurchschnittlichen Begabung wurde er bald in die vierte Klasse eingestuft, oder, wie wir heute sagen, in die zweite lateinische Grammatikklasse. Diesen Kurs besuchte er bei dem frommen und wohlt\u00e4tigen Lehrer Giuseppe Bonzanino, denn damals waren im Haus des Oratoriums noch keine Gymnasialklassen eingerichtet, wie es heute der Fall ist. Auch hier m\u00fcsste ich sein Verhalten, seinen Lernerfolg und seine Vorbildlichkeit mit denselben Worten beschreiben wie seine fr\u00fcheren Lehrer. Deshalb werde ich nur einige Dinge berichten, die in diesem Jahr des Lateinstudiums und in den beiden folgenden Jahren von denen, die ihn kannten, mit besonderer Bewunderung wahrgenommen wurden. Professor Bonzanino sagte mehrfach, er k\u00f6nne sich nicht erinnern, je einen Sch\u00fcler gehabt zu haben, der aufmerksamer, f\u00fcgsamer und respektvoller gewesen sei als der junge Savio. In allem erschien er als Vorbild. In Kleidung und Haartracht war er keineswegs gesucht; doch trotz der Schlichtheit seiner Kleidung und seiner bescheidenen Verh\u00e4ltnisse erschien er sauber, wohlerzogen und h\u00f6flich, sodass seine Mitsch\u00fcler aus b\u00fcrgerlichen und sogar adligen Familien, die diese Schule in gro\u00dfer Zahl besuchten, sehr gern mit Domenico zusammen waren, nicht nur wegen seines Wissens und seiner Fr\u00f6mmigkeit, sondern auch wegen seiner h\u00f6flichen und angenehmen Umgangsformen. Wenn der Lehrer einen etwas geschw\u00e4tzigen Sch\u00fcler bemerkte, setzte er Domenico neben ihn, und dieser bem\u00fchte sich geschickt, ihn zum Schweigen, zum Lernen und zur Erf\u00fcllung seiner Pflichten zu bewegen.<\/p>\n<p>Im Verlauf dieses Jahres bietet uns Domenicos Leben eine Begebenheit, die etwas Heldenhaftes an sich hat und in seinem jugendlichen Alter kaum glaubhaft erscheint. Sie betrifft zwei seiner Mitsch\u00fcler, die in einen gef\u00e4hrlichen Streit gerieten. Der Zwist begann mit einigen Worten, mit denen sie gegenseitig ihre Familien beleidigten. Nach weiteren Beschimpfungen sagten sie einander grobe Dinge und forderten sich schlie\u00dflich heraus, ihre Sache mit Steinw\u00fcrfen auszutragen. Domenico erfuhr von diesem Streit; aber wie sollte er ihn verhindern, da die beiden Gegner st\u00e4rker und \u00e4lter waren als er? Er versuchte, sie zur Aufgabe ihres Vorhabens zu bewegen, und wies beide darauf hin, dass Rache der Vernunft und dem heiligen Gesetz Gottes widerspricht. Er schrieb dem einen wie dem anderen Briefe; er drohte, die Sache dem Lehrer und sogar ihren Eltern mitzuteilen; doch alles vergeblich. Ihre Gem\u00fcter waren so erbittert, dass jedes Wort nutzlos blieb. Neben der Gefahr, sich k\u00f6rperlich schwer zu verletzen, lag darin eine gro\u00dfe Beleidigung Gottes. Domenico war dar\u00fcber tief bek\u00fcmmert; er wollte sich dem Vorhaben widersetzen und wusste nicht wie. Da gab Gott ihm folgenden Gedanken ein. Er wartete nach der Schule auf sie, und als er mit beiden allein sprechen konnte, sagte er: \u201aDa ihr bei eurem tierischen Vorhaben bleibt, bitte ich euch wenigstens, eine Bedingung anzunehmen.\u2018 \u2013 \u201aWir nehmen sie an\u2018, antworteten sie, \u201awenn sie unser Duell nicht verhindert.\u2018 \u2013 \u201aEr ist ein Schurke\u2018, erwiderte sofort der eine; \u201aund ich werde keinen Frieden mit ihm haben\u2018, f\u00fcgte der andere hinzu, \u201abis entweder er oder ich einen eingeschlagenen Kopf hat.\u2018 Savio zitterte bei diesem brutalen Wortwechsel; doch in seinem Wunsch, gr\u00f6\u00dferes Unheil zu verhindern, blieb er fest und sagte: \u201aDie Bedingung, die ich euch stellen werde, verhindert das Duell nicht.\u2018<\/p>\n<p><em>Gef. <\/em>Welche Bedingung ist das?<\/p>\n<p><em>Sav. <\/em>Ich m\u00f6chte sie euch erst an dem Ort sagen, an dem ihr euch mit Steinen messen wollt.<\/p>\n<p><em>Gef. Du <\/em>willst uns zum Narren halten oder versuchen, uns irgendein Hindernis in den Weg zu legen.<\/p>\n<p><em>Sav. Ich<\/em> werde bei euch sein und euch nicht zum Narren halten; seid unbesorgt.<\/p>\n<p><em>Gef. <\/em>Vielleicht willst du jemanden holen gehen.<\/p>\n<p><em>Sav. <\/em>Das m\u00fcsste ich eigentlich tun, aber ich werde es nicht tun. Gehen wir; ich werde bei euch sein. Haltet mir nur euer Wort. Sie versprachen es ihm und gingen zu den <em>sogenannten Wiesen der Zitadelle<\/em> au\u00dferhalb der Porta Susa<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n<p>So gro\u00df war der Hass der beiden Streitenden, dass Savio sie auf dem kurzen Weg dorthin nur mit M\u00fche davon abhalten konnte, handgreiflich zu werden.<\/p>\n<p>Als sie am vereinbarten Ort angekommen waren, tat Savio etwas, das gewiss niemand erwartet h\u00e4tte. Er lie\u00df sie in einem gewissen Abstand voneinander Aufstellung nehmen; jeder hielt bereits f\u00fcnf Steine in der Hand, als Domenico sagte: \u201aBevor ihr euer Duell ausf\u00fchrt, will ich, dass ihr die angenommene Bedingung erf\u00fcllt.\u2018 Dabei zog er das kleine Kruzifix hervor, das er am Hals trug, hielt es in einer Hand und sagte: \u201aIch will, dass jeder von euch auf dieses Kruzifix schaut und dann, w\u00e4hrend er einen Stein gegen mich wirft, mit lauter Stimme diese Worte spricht: Der unschuldige Jesus Christus starb und vergab seinen Kreuzigern; ich S\u00fcnder will ihn beleidigen und feierliche Rache nehmen.\u2018<\/p>\n<p>Nachdem er dies gesagt hatte, kniete er vor demjenigen nieder, der am w\u00fctendsten erschien, und sagte: \u201aWirf den ersten Stein auf mich; schleudere mir einen kr\u00e4ftigen Stein an den Kopf.\u2018 Dieser hatte einen solchen Vorschlag nicht erwartet und begann zu zittern. \u201aNein\u2018, sagte er, \u201aniemals. Ich habe nichts gegen dich und w\u00fcrde dich verteidigen, wenn jemand dich beleidigen wollte.\u2018<\/p>\n<p>Als Domenico dies h\u00f6rte, lief er zum anderen und sagte dieselben Worte. Auch dieser war best\u00fcrzt und erkl\u00e4rte zitternd, da er sein Freund sei, werde er ihm niemals etwas B\u00f6ses antun.<\/p>\n<p>Da richtete sich Domenico auf und sagte mit ernstem und bewegtem Gesicht: \u201aWie? Ihr beide seid bereit, sogar einer schweren Gefahr entgegenzutreten, um mich zu verteidigen, der ich doch nur ein elendes Gesch\u00f6pf bin; und ihr seid nicht f\u00e4hig, einander eine Beleidigung und einen Spott zu verzeihen, die euch in der Schule widerfahren sind, um eure Seele zu retten, die das Blut des Erl\u00f6sers gekostet hat und die ihr durch diese S\u00fcnde verlieren wollt?\u2018 Danach schwieg er und hielt das Kruzifix weiterhin hoch in der Hand.<\/p>\n<p>Von diesem Schauspiel der N\u00e4chstenliebe und des Mutes wurden die Gef\u00e4hrten \u00fcberwunden. \u201eIn jenem Augenblick\u201c, versichert einer von ihnen, \u201ewar ich tief ger\u00fchrt; ein Schauer lief mir durch die Glieder, und ich empfand gro\u00dfe Scham dar\u00fcber, einen so guten Freund wie Savio gezwungen zu haben, zu \u00e4u\u00dfersten Mitteln zu greifen, um unser gottloses Vorhaben zu verhindern. Um ihm wenigstens ein Zeichen meines Entgegenkommens zu geben, vergab ich demjenigen, der mich beleidigt hatte, von Herzen und bat Domenico, mir einen geduldigen und liebevollen Priester zu nennen, zu dem ich beichten gehen k\u00f6nne. So wurde ich, nachdem ich erneut sein Freund geworden war, mit dem Herrn vers\u00f6hnt, den ich durch Hass und Racheverlangen gewiss schwer beleidigt hatte.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Beispiel verdient es sehr, von jedem jungen Christen nachgeahmt zu werden, wenn er sieht, dass ein Mitmensch Rache nehmen will oder von anderen auf irgendeine Weise beleidigt oder beschimpft wird.<\/p>\n<p>Was Savios Verhalten und N\u00e4chstenliebe in dieser Begebenheit besonders ehrt, ist das Schweigen, in dem er das Geschehene zu bewahren wusste. Alles w\u00e4re v\u00f6llig unbekannt geblieben, wenn nicht diejenigen selbst, die daran beteiligt waren, es wiederholt erz\u00e4hlt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Der Hin- und R\u00fcckweg zur Schule, der f\u00fcr junge Menschen aus den D\u00f6rfern, die in die gro\u00dfen St\u00e4dte kommen, so gef\u00e4hrlich ist, wurde f\u00fcr unseren Domenico zu einer wahren \u00dcbung der Tugend. Best\u00e4ndig in der Ausf\u00fchrung der Weisungen seiner Oberen ging er zur Schule und kehrte nach Hause zur\u00fcck, ohne auch nur einen Blick auf etwas zu werfen oder auf etwas zu h\u00f6ren, was einem christlichen jungen Menschen nicht geziemte. Sah er jemanden stehen bleiben, laufen, herumspringen, Steine werfen oder an unerlaubte Orte gehen, entfernte er sich sogleich von ihm. Eines Tages wurde er sogar eingeladen, ohne Erlaubnis einen Spaziergang zu machen; ein anderes Mal riet man ihm, die Schule auszulassen und sich zu vergn\u00fcgen, doch er wusste stets mit einer Ablehnung zu antworten. \u201aMein sch\u00f6nstes Vergn\u00fcgen\u2018, sagte er zu ihnen, \u201aist die Erf\u00fcllung meiner Pflichten; und wenn ihr wahre Freunde seid, m\u00fcsst ihr mir raten, sie genau zu erf\u00fcllen und niemals zu verletzen.\u2018 Dennoch hatte er das Ungl\u00fcck, einige Gef\u00e4hrten zu haben, die ihn so sehr bedr\u00e4ngten, dass Savio beinahe in ihre Schlingen geriet. Schon war er entschlossen, mit ihnen zu gehen und an diesem Tag die Schule auszulassen. Doch nachdem er ein kurzes St\u00fcck Weg zur\u00fcckgelegt hatte, bemerkte er, dass er einem schlechten Rat folgte, empfand gro\u00dfe Reue, rief die schlechten Ratgeber zur\u00fcck und sagte zu ihnen: \u201aMeine Lieben, die Pflicht verlangt von mir, zur Schule zu gehen, und ich will dorthin gehen. Wir tun etwas, das Gott und unseren Oberen missf\u00e4llt. Ich bereue, was ich getan habe; wenn ihr mir ein anderes Mal \u00e4hnliche Ratschl\u00e4ge gebt, werdet ihr aufh\u00f6ren, meine Freunde zu sein.\u2018<\/p>\n<p>Die jungen Leute nahmen die Ermahnung ihres Freundes an, gingen mit ihm zur Schule und versuchten k\u00fcnftig nicht mehr, ihn von seinen Pflichten abzubringen. Am Ende des Jahres verdiente er sich durch sein gutes Verhalten und seinen best\u00e4ndigen Flei\u00df im Studium die Versetzung unter den Besten in die h\u00f6here Klasse. Zu Beginn des dritten Grammatikjahres schien sich Domenicos Gesundheit jedoch etwas zu verschlechtern; deshalb hielt man es f\u00fcr gut, ihn den Unterricht hier im Haus des Oratoriums privat absolvieren zu lassen, damit man ihm hinsichtlich Ruhe, Studium und Erholung die n\u00f6tige R\u00fccksicht gew\u00e4hren konnte.<\/p>\n<p>Im Jahr der Humanit\u00e4tsklasse oder der ersten Rhetorik, als seine Gesundheit besser zu sein schien, wurde er zu dem verdienstvollen Professor Don Matteo Picco geschickt. Dieser hatte schon mehrfach von den sch\u00f6nen Eigenschaften geh\u00f6rt, die Savio auszeichneten, und nahm ihn daher gern und unentgeltlich in seine Schule auf, die zu den besten anerkannten Schulen unserer Stadt z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Zahlreich sind die erbaulichen Dinge, die Savio im Jahr der dritten Grammatik und der ersten Rhetorik sagte oder tat; wir werden sie nach und nach darlegen, wenn wir die Begebenheiten erz\u00e4hlen, mit denen sie verbunden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828412\"><\/a>KAPITEL X. Sein Entschluss, heilig zu werden<a name=\"_Toc504540961\"><\/a><a name=\"_Toc504541396\"><\/a><a name=\"_Toc504541958\"><\/a><a name=\"_Toc530304055\"><\/a><a name=\"_Toc24283668\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir so kurz auf seine Studien in den Lateinklassen hingewiesen haben, wollen wir nun von seinem gro\u00dfen Entschluss sprechen, heilig zu werden.<\/p>\n<p>Savio lebte seit sechs Monaten im Oratorium, als dort eine Predigt dar\u00fcber gehalten wurde, wie leicht es sei, heilig zu werden. Der Prediger entfaltete besonders drei Gedanken, die auf Domenicos Gem\u00fct tiefen Eindruck machten: Es ist Gottes Wille, dass wir alle heilig werden; es ist sehr leicht, dies zu erreichen; und im Himmel ist ein gro\u00dfer Lohn f\u00fcr den bereitet, der heilig wird. Diese Predigt war f\u00fcr Domenico wie ein Funke, der sein Herz mit Gottesliebe entz\u00fcndete. Einige Tage sagte er nichts, war aber weniger fr\u00f6hlich als gew\u00f6hnlich, sodass seine Gef\u00e4hrten es bemerkten und auch ich darauf aufmerksam wurde. Da ich meinte, dies komme von einer neuen gesundheitlichen Beschwerde, fragte ich ihn, ob ihm etwas fehle. \u201aIm Gegenteil\u2018, antwortete er, \u201amir geht es in gewisser Weise gut.\u2018 \u2013 \u201aWas willst du damit sagen?\u2018 \u2013 \u201aIch will sagen, dass ich in mir ein Verlangen und ein Bed\u00fcrfnis sp\u00fcre, heilig zu werden. Ich hatte nicht gedacht, dass man so leicht heilig werden k\u00f6nne; nun aber, da ich verstanden habe, dass dies auch m\u00f6glich ist, wenn man fr\u00f6hlich bleibt, will ich unbedingt und muss ich unbedingt heilig werden. Sagen Sie mir also, wie ich mich verhalten soll, um dieses Unternehmen zu beginnen.\u2018<\/p>\n<p>Ich lobte seinen Vorsatz, ermahnte ihn aber, sich nicht zu beunruhigen, weil man in seelischer Erregung die Stimme des Herrn nicht erkenne. Vor allem wollte ich eine best\u00e4ndige und ma\u00dfvolle Fr\u00f6hlichkeit; ich riet ihm, in der Erf\u00fcllung seiner religi\u00f6sen und schulischen Pflichten beharrlich zu sein, und empfahl ihm, immer auch an der Erholung mit seinen Gef\u00e4hrten teilzunehmen.<\/p>\n<p>Eines Tages sagte ich ihm, ich wolle ihm ein Geschenk nach seinem Geschmack machen, doch solle er selbst ausw\u00e4hlen. \u201aDas Geschenk, um das ich bitte\u2018, erwiderte er sogleich, \u201aist, dass Sie mich heilig machen. Ich will mich ganz dem Herrn hingeben, f\u00fcr immer dem Herrn; ich sp\u00fcre ein Bed\u00fcrfnis, heilig zu werden, und wenn ich nicht heilig werde, tue ich nichts. Gott will mich heilig, und ich muss es werden.\u2018<\/p>\n<p>Bei einer Gelegenheit wollte der Direktor den jungen Menschen des Hauses ein besonderes Zeichen seiner Zuneigung geben und erlaubte ihnen, auf einem Zettel um alles zu bitten, was ihm m\u00f6glich sei, mit dem Versprechen, es zu gew\u00e4hren. Man kann sich leicht vorstellen, welche l\u00e4cherlichen und ausgefallenen W\u00fcnsche der eine und der andere \u00e4u\u00dferte. Savio nahm ein St\u00fcck Papier und schrieb nur diese Worte: \u201aIch bitte Sie, meine Seele zu retten und mich heilig zu machen.\u2018<\/p>\n<p>Eines Tages wurden einige W\u00f6rter nach ihrer Etymologie erkl\u00e4rt. \u201aUnd Domenico\u2018, fragte jemand, \u201awas bedeutet das?\u2018 Man antwortete: \u201aDomenico bedeutet:<em> dem Herrn<\/em> geh\u00f6rend.\u2018<em> \u2013 \u201aSehen Sie\u2018,<\/em> f\u00fcgte er sogleich hinzu, \u201aob ich nicht recht habe, Sie zu bitten, mich heilig zu machen: Schon mein Name sagt, dass ich dem Herrn geh\u00f6re. Also muss und will ich ganz dem Herrn geh\u00f6ren; ich will heilig werden und werde ungl\u00fccklich sein, solange ich nicht heilig bin.\u2018<\/p>\n<p>Der Drang, den er zeigte, heilig werden zu wollen, r\u00fchrte nicht daher, dass er kein wirklich heiligm\u00e4\u00dfiges Leben gef\u00fchrt h\u00e4tte. Vielmehr sagte er dies, weil er strenge Bu\u00df\u00fcbungen auf sich nehmen und lange Stunden im Gebet verbringen wollte; der Direktor verbot ihm jedoch solche Dinge, weil sie mit seinem Alter, seiner Gesundheit und seinen Besch\u00e4ftigungen nicht vereinbar waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828413\"><\/a>KAPITEL XI. Sein Eifer f\u00fcr das Heil der Seelen<a name=\"_Toc504540962\"><\/a><a name=\"_Toc504541397\"><\/a><a name=\"_Toc504541959\"><\/a><a name=\"_Toc530304056\"><\/a><a name=\"_Toc24283669\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Erste, was man ihm als Weg zur Heiligkeit empfahl, war, sich darum zu bem\u00fchen, Seelen f\u00fcr Gott zu gewinnen; denn nichts ist auf Erden heiliger, als am Heil der Seelen mitzuwirken, f\u00fcr deren Rettung Jesus Christus bis zum letzten Tropfen sein kostbares Blut vergossen hat. Domenico erkannte die Bedeutung dieser \u00dcbung, und man h\u00f6rte ihn mehrmals sagen: \u201aWenn ich alle meine Gef\u00e4hrten f\u00fcr Gott gewinnen k\u00f6nnte, wie gl\u00fccklich w\u00e4re ich!\u2018 Unterdessen lie\u00df er keine Gelegenheit vor\u00fcbergehen, einen guten Rat zu geben oder jemanden zu ermahnen, der etwas gesagt oder getan hatte, das dem heiligen Gesetz Gottes widersprach.<\/p>\n<p>Was ihm gro\u00dfen Abscheu verursachte und seiner Gesundheit nicht wenig schadete, war die Gottesl\u00e4sterung oder das unn\u00fctze Aussprechen des heiligen Namens Gottes. Wenn er auf den Stra\u00dfen der Stadt oder anderswo je derartige Worte h\u00f6rte, senkte er sogleich betr\u00fcbt den Kopf und sagte aus frommem Herzen: \u201aGelobt sei Jesus Christus.\u2018<\/p>\n<p>Als er eines Tages \u00fcber einen Platz der Stadt ging, sah ein Gef\u00e4hrte, wie er den Hut abnahm und leise einige Worte sprach. \u201aWas tust du?\u2018 fragte er ihn. \u201aWas sagst du?\u2018 \u2013 \u201aHast du es nicht geh\u00f6rt?\u2018 antwortete Domenico. \u201aJener Fuhrmann hat den heiligen Namen Gottes unn\u00fctz ausgesprochen. Wenn ich geglaubt h\u00e4tte, dass es n\u00fctzt, w\u00e4re ich hingelaufen, um ihn zu bitten, es nie mehr zu tun; aber aus Furcht, er k\u00f6nnte noch Schlimmeres sagen, beschr\u00e4nke ich mich darauf, den Hut abzunehmen und zu sagen: Gelobt sei Jesus Christus.\u2018 Und dies tat er in der Absicht, die Beleidigung des heiligen Namens des Herrn wenigstens ein wenig zu s\u00fchnen.<\/p>\n<p>Der Gef\u00e4hrte bewunderte Domenicos Verhalten und seinen Mut und erz\u00e4hlt diese Begebenheit noch heute gern zu Ehren seines Freundes und zur Erbauung seiner Gef\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Als er einmal von der Schule zur\u00fcckkehrte, h\u00f6rte er einen schon etwas \u00e4lteren Mann eine schreckliche Gottesl\u00e4sterung aussto\u00dfen. Unser Domenico zitterte, als er sie h\u00f6rte; in seinem Herzen lobte er Gott und tat dann etwas gewiss Bewundernswertes. Mit gr\u00f6\u00dfter H\u00f6flichkeit lief er zu dem unbedachten Gottesl\u00e4sterer und fragte ihn, ob er ihm den Weg zum Oratorium des heiligen Franz von Sales zeigen k\u00f6nne. Angesichts dieser geradezu himmlischen Freundlichkeit legte der Mann seine schroffe Art ab und sagte: \u201aIch wei\u00df es nicht, lieber Junge, es tut mir leid.\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Oh! Wenn Sie das nicht wissen, k\u00f6nnten Sie mir einen anderen Gefallen tun.<\/p>\n<p>\u2013 Sag nur, gern.<\/p>\n<p>Domenico trat so nahe wie m\u00f6glich an sein Ohr und sagte leise, damit andere es nicht verstanden: \u201aSie w\u00fcrden mir einen gro\u00dfen Gefallen tun, wenn Sie in Ihrem Zorn andere Worte gebrauchten, ohne den heiligen Namen Gottes zu l\u00e4stern.\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Bravo \u2013 sagte der andere, voll Staunen und Bewunderung. \u2013 Gut, du hast recht: Das ist ein verfluchtes Laster, das ich um jeden Preis \u00fcberwinden will.<\/p>\n<p>Eines Tages geschah es, dass ein vielleicht neunj\u00e4hriger Knabe in der N\u00e4he der Haust\u00fcr mit einem Gef\u00e4hrten in Streit geriet und dabei den anbetungsw\u00fcrdigen Namen Jesu Christi aussprach. Bei diesem Wort empfand Domenico zwar gerechten Unwillen in seinem Herzen, doch mit ruhigem Gem\u00fct trat er zwischen die beiden Streitenden und brachte sie zur Ruhe. Dann sagte er zu demjenigen, der den Namen Gottes unn\u00fctz ausgesprochen hatte: \u201aKomm mit mir, und du wirst zufrieden sein.\u2018 Seine freundliche Art bewog den Knaben, mitzugehen. Er nahm ihn bei der Hand, f\u00fchrte ihn in die Kirche vor den Altar und lie\u00df ihn dann neben sich niederknien. Dabei sagte er: \u201aBitte den Herrn um Verzeihung f\u00fcr die Beleidigung, die du ihm zugef\u00fcgt hast, indem du seinen Namen unn\u00fctz ausgesprochen hast.\u2018 Da der Junge den Reueakt nicht kannte, betete Domenico ihn mit ihm. Danach f\u00fcgte er hinzu:<\/p>\n<p>\u2013 Sprich mit mir diese Worte, um die Beleidigung Jesu Christi wiedergutzumachen: Gelobt sei Jesus Christus, und sein heiliger und anbetungsw\u00fcrdiger Name sei immerdar gelobt.<\/p>\n<p>Mit Vorliebe las er das Leben jener Heiligen, die in besonderer Weise f\u00fcr das Heil der Seelen gearbeitet hatten. Gern sprach er von den Missionaren, die sich in fernen L\u00e4ndern so sehr f\u00fcr das Wohl der Seelen abm\u00fchen. Da er ihnen keine materiellen Hilfen schicken konnte, brachte er dem Herrn jeden Tag ein Gebet f\u00fcr sie dar und empfing wenigstens einmal in der Woche f\u00fcr sie die heilige Kommunion.<\/p>\n<p>Mehrmals h\u00f6rte ich ihn ausrufen: \u201aWie viele Seelen warten in England auf unsere Hilfe! Oh, wenn ich Kraft und Tugend h\u00e4tte, wollte ich sofort dorthin gehen und sie durch Predigten und gutes Beispiel alle f\u00fcr den Herrn gewinnen.\u2018 Oft beklagte er bei sich selbst und im Gespr\u00e4ch mit seinen Gef\u00e4hrten, wie wenig Eifer viele daf\u00fcr h\u00e4tten, die Kinder in den Wahrheiten des Glaubens zu unterweisen. \u201aSobald ich Kleriker bin\u2018, sagte er, \u201awill ich nach Mondonio gehen; ich will alle Kinder unter einem Vordach versammeln, ihnen Katechismusunterricht geben, viele Beispiele erz\u00e4hlen und sie alle heilig machen. Wie viele arme Kinder gehen vielleicht verloren, weil niemand sie im Glauben unterrichtet!\u2018 Was er mit Worten sagte, best\u00e4tigte er durch Taten. Soweit es sein Alter und seine Kenntnisse erlaubten, erteilte er gern Katechismusunterricht in der Kirche des Oratoriums; wenn jemand Hilfe brauchte, unterrichtete er ihn zu jeder Tageszeit und an jedem Wochentag in der Schule oder im Katechismus, einzig mit dem Ziel, \u00fcber geistliche Dinge sprechen zu k\u00f6nnen und die Bedeutung des Heils der Seele erkennen zu lassen.<\/p>\n<p>Eines Tages wollte ein unbesonnener Gef\u00e4hrte ihn unterbrechen, w\u00e4hrend er in der Erholungszeit ein Beispiel erz\u00e4hlte. \u201aWas hast du von diesen Dingen?\u2018 fragte er. \u201aWas ich davon habe?\u2018 antwortete Domenico. \u201aIch habe davon, dass die Seele meiner Gef\u00e4hrten mit dem Blut Jesu Christi erl\u00f6st ist; ich habe davon, dass wir alle Br\u00fcder sind und deshalb gegenseitig unsere Seelen lieben m\u00fcssen; ich habe davon, dass Gott uns auftr\u00e4gt, einander zu helfen, das Heil zu erlangen; ich habe davon, dass ich, wenn es mir gelingt, eine Seele zu retten, auch das Heil meiner eigenen sicherer mache.\u2018<\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend der kurzen Ferien, die Domenico im Elternhaus verbrachte, lie\u00df diese Sorge um das Heil der Seelen nicht nach. Jedes Bildchen, jede Medaille, jedes Kruzifix, jedes B\u00fcchlein oder andere Ding, das er in der Schule oder im Katechismus erhalten hatte, legte er beiseite, um es in den Ferien zu verwenden. Vor seiner Abreise aus dem Oratorium bat er seine Oberen sogar gew\u00f6hnlich eigens darum, ihm solche Dinge mitzugeben, damit, wie er sagte, seine Freunde bei der Erholung Freude daran h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Kaum war er in der Heimat angekommen, sah man ihn bald von Kindern seines Alters, j\u00fcngeren und auch \u00e4lteren umgeben, die wirkliche Freude daran hatten, mit ihm zusammen zu sein. Indem er seine kleinen Geschenke im rechten Augenblick verteilte, regte er sie dazu an, aufmerksam auf die Fragen zu antworten, die er ihnen bald \u00fcber den Katechismus, bald \u00fcber ihre Pflichten stellte.<\/p>\n<p>Mit diesen freundlichen Mitteln gelang es ihm, mehrere mit sich zum Katechismus, zum Gebet, zur Messe und zu anderen \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df zuverl\u00e4ssig, dass er nicht wenig Zeit darauf verwandte, einen Gef\u00e4hrten zu unterweisen. \u201aWenn du es schaffst\u2018, sagte er zu ihm, \u201adas Zeichen des heiligen Kreuzes richtig zu machen, schenke ich dir eine Medaille; danach werde ich dich einem Priester empfehlen, der dir ein sch\u00f6nes Buch schenken soll. Aber ich m\u00f6chte, dass du es wirklich gut machst: W\u00e4hrend du die Worte mit dem Mund sprichst, soll die rechte Hand von der Stirn zur Brust gehen, dann richtig die linke Schulter und danach die rechte ber\u00fchren und schlie\u00dflich sollen die <em>H\u00e4nde beim <\/em>\u201eAmen\u201c wirklich gefaltet werden.\u2018 Er w\u00fcnschte sehr, dass dieses Zeichen unserer Erl\u00f6sung richtig gemacht werde, und machte es selbst mehrmals in ihrer Gegenwart, wobei er die anderen einlud, dasselbe zu tun.<\/p>\n<p>Neben der Genauigkeit, mit der er selbst die kleinsten Pflichten erf\u00fcllte, k\u00fcmmerte er sich um zwei j\u00fcngere Br\u00fcder. Er brachte ihnen Lesen und Schreiben bei, lie\u00df sie den Katechismus aufsagen und stand ihnen beim Morgen- und Abendgebet bei. Er f\u00fchrte sie in die Kirche, reichte ihnen das Weihwasser und zeigte ihnen die richtige Weise, das Zeichen des heiligen Kreuzes zu machen. Die Zeit, die er sonst mit Spielen hier und dort verbracht h\u00e4tte, verwendete er darauf, seinen Angeh\u00f6rigen oder anderen Gef\u00e4hrten, die ihm zuh\u00f6ren wollten, erbauliche Beispiele zu erz\u00e4hlen. Auch in der Heimat pflegte er jeden Tag das Allerheiligste Sakrament zu besuchen; und es war f\u00fcr ihn ein wirklicher Gewinn, wenn er einen Gef\u00e4hrten dazu bewegen konnte, ihn dabei zu begleiten. Man kann daher sagen, dass sich ihm keine Gelegenheit bot, ein gutes Werk zu tun oder einen guten Rat zum Heil einer Seele zu geben, die er ungenutzt h\u00e4tte verstreichen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828414\"><\/a>KAPITEL XII. Begebenheiten und sch\u00f6ne Formen seines Umgangs mit den Gef\u00e4hrten<a name=\"_Toc504540963\"><\/a><a name=\"_Toc504541398\"><\/a><a name=\"_Toc504541960\"><\/a><a name=\"_Toc530304057\"><\/a><a name=\"_Toc24283670\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Gedanke, Seelen f\u00fcr Gott zu gewinnen, begleitete ihn \u00fcberall. In der freien Zeit war er die Seele der Erholung; doch was er sagte oder tat, zielte immer auf das sittliche Wohl seiner selbst oder anderer. Er behielt jene guten Erziehungsgrunds\u00e4tze stets im Sinn, andere nicht zu unterbrechen, wenn sie sprachen. Wenn die Gef\u00e4hrten aber schwiegen, brachte er sofort Fragen aus Schule, Geschichte oder Arithmetik vor und hatte stets tausend kleine Geschichten zur Hand, die seine Gesellschaft angenehm machten. Wenn jemand das Gespr\u00e4ch auf Klatsch oder \u00c4hnliches brachte, unterbrach er ihn und erz\u00e4hlte einen Scherz, eine Fabel oder etwas anderes, um die anderen zum Lachen zu bringen; so lenkte er das Gespr\u00e4ch vom Klatsch ab und verhinderte unter seinen Gef\u00e4hrten eine Beleidigung Gottes.<\/p>\n<p>Sein fr\u00f6hliches Wesen und sein lebhafter Charakter machten ihn auch jenen Gef\u00e4hrten lieb, die weniger zur Fr\u00f6mmigkeit neigten. Jeder freute sich, mit ihm zusammen sein zu k\u00f6nnen, und nahm die Ermahnungen gut auf, die er von Zeit zu Zeit gab.<\/p>\n<p>Eines Tages wollte sich ein Gef\u00e4hrte verkleiden, und Domenico war dagegen. \u201aW\u00e4rst du zufrieden\u2018, fragte er ihn, \u201awirklich das zu werden, als was du dich verkleiden willst: mit zwei H\u00f6rnern auf der Stirn, einer eine Spanne langen Nase und dem Gewand eines Possenrei\u00dfers?\u2018 \u2013 \u201aNiemals\u2018, antwortete der andere. \u2013 \u201aNun\u2018, f\u00fcgte Domenico hinzu, \u201awenn du ein solches Aussehen nicht haben m\u00f6chtest, warum willst du dann so erscheinen und die sch\u00f6nen Z\u00fcge entstellen, die Gott dir gegeben hat?\u2018<\/p>\n<p>Einmal w\u00e4hrend der Erholung geschah es, dass ein Mann zwischen die spielenden jungen Menschen trat, sich an einen von ihnen wandte und mit so lauter Stimme zu reden begann, dass alle Umstehenden ihn h\u00f6ren konnten. Der Schlaue wollte sie zun\u00e4chst an sich ziehen und erz\u00e4hlte seltsame Dinge, um sie zum Lachen zu bringen. Von Neugier getrieben dr\u00e4ngten sich die Jungen bald um ihn und hingen aufmerksam an seinen Lippen. Als er sich so umringt sah, brachte er das Gespr\u00e4ch auf religi\u00f6se Dinge und \u00e4u\u00dferte, wie solche Leute es zu tun pflegen, erschreckende Torheiten, machte die heiligsten Dinge l\u00e4cherlich und setzte alle Geistlichen herab. Einige Zuh\u00f6rer konnten solche Gottlosigkeiten nicht ertragen und wagten doch keinen Widerspruch; sie zogen sich daher zur\u00fcck. Eine ganze Anzahl h\u00f6rte unvorsichtigerweise weiter zu. Da kam zuf\u00e4llig Savio hinzu. Sobald er begriffen hatte, welcher Art diese Rede war, \u00fcberwand er jede Menschenfurcht und wandte sich sofort an seine Gef\u00e4hrten: \u201aGehen wir fort\u2018, sagte er, \u201alassen wir diesen Ungl\u00fccklichen allein; er will uns die Seele rauben.\u2018 Die jungen Menschen gehorchten der Stimme eines so liebensw\u00fcrdigen und tugendhaften Gef\u00e4hrten und entfernten sich alle rasch von diesem Gesandten des Teufels. Als dieser sah, dass ihn alle verlassen hatten, ging er fort und lie\u00df sich dort nicht mehr sehen.<\/p>\n<p>Ein anderes Mal wollten einige baden gehen. Wenn dies schon anderswo gef\u00e4hrlich ist, so ist es in der Umgebung von Turin noch viel mehr, wo \u2013 ganz abgesehen von den Gefahren f\u00fcr die Sittlichkeit \u2013 die Gew\u00e4sser so tief und rei\u00dfend sind, dass junge Menschen beim Schwimmen h\u00e4ufig zu beklagenswerten Opfern werden. Domenico bemerkte es und versuchte, sie bei sich zu halten, indem er bald diese, bald jene Neuigkeit erz\u00e4hlte. Als er aber sah, dass sie fest entschlossen waren, unbedingt zu gehen, begann er entschieden zu sprechen: \u201aNein\u2018, sagte er, \u201aich will nicht, dass ihr geht.\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Wir tun doch nichts B\u00f6ses.<\/p>\n<p>\u2013 Ihr seid euren Oberen ungehorsam, setzt euch der Gefahr aus, \u00c4rgernis zu geben oder zu empfangen und im Wasser ums Leben zu kommen \u2013 und das soll nichts B\u00f6ses sein?<\/p>\n<p>\u2013 Aber uns ist so hei\u00df, dass wir es nicht mehr aushalten.<\/p>\n<p>\u2013 Wenn ihr die Hitze dieser Welt nicht mehr ertragen k\u00f6nnt, wie wollt ihr dann die schreckliche Hitze der H\u00f6lle ertragen, die ihr euch damit verdient?<\/p>\n<p>Von diesen Worten bewegt \u00e4nderten sie ihren Entschluss, blieben bei ihm zur Erholung und gingen zur vorgesehenen Zeit in die Kirche, um an den heiligen Feiern teilzunehmen.<\/p>\n<p>Einige andere junge Menschen des Oratoriums, denen das Wohl ihrer Gef\u00e4hrten am Herzen lag, schlossen sich zu einer Art Vereinigung zusammen, um sich der Besserung der Ungezogenen zu widmen. Savio geh\u00f6rte dazu und war einer der eifrigsten. Hatte er ein Bonbon, eine Frucht, ein Kreuz, ein Bildchen oder \u00c4hnliches, hob er es f\u00fcr diesen Zweck auf. \u201aWer will es? Wer will es?\u2018 rief er. \u201aIch! Ich!\u2018 riefen alle und liefen auf ihn zu. \u201aLangsam\u2018, sagte er, \u201aich gebe es dem, der mir am besten auf eine Katechismusfrage antwortet.\u2018 Dabei fragte er gerade die ungezogensten; sobald sie einigerma\u00dfen zufriedenstellend antworteten, machte er ihnen das kleine Geschenk.<\/p>\n<p>Andere gewann er auf andere Weise: Er nahm sie mit, lud sie ein, mit ihm spazieren zu gehen, brachte sie zum Reden und spielte, wenn n\u00f6tig, mit ihnen. Man sah ihn bisweilen mit einem gro\u00dfen Stock auf der Schulter \u2013 wie Herkules mit der Keule \u2013 beim Spiel \u201eRana\u201c<em>, im <\/em>Volksmund <em>\u201eCirimella\u201c, <\/em>und scheinbar v\u00f6llig in dieses Spiel vertieft. Doch pl\u00f6tzlich unterbrach er die Partie und sagte zum Gef\u00e4hrten: \u201aWillst du am Samstag mit mir zur Beichte gehen?\u2018 Wegen der zeitlichen Entfernung bis Samstag, um das Spiel fortsetzen zu k\u00f6nnen und auch um ihm eine Freude zu machen, antwortete der andere mit Ja. Domenico war damit zufrieden und setzte das Spiel fort. Aber er verlor ihn nicht mehr aus den Augen: Jeden Tag erinnerte er<em> ihn<\/em> aus irgendeinem Anlass an dieses Ja und gab ihm Hinweise, wie man gut beichtet. Kam der Samstag, begleitete er ihn wie ein J\u00e4ger, der gute Beute gemacht hat, in die Kirche, ging ihm gew\u00f6hnlich bei der Beichte voraus, verst\u00e4ndigte oft schon vorher den Beichtvater und blieb danach mit ihm zur Danksagung. Diese Begebenheiten, die h\u00e4ufig vorkamen, bereiteten ihm den gr\u00f6\u00dften Trost und brachten seinen Gef\u00e4hrten gro\u00dfen Nutzen; denn nicht selten geschah es, dass jemand aus einer in der Kirche geh\u00f6rten Predigt keinen Nutzen zog, sich aber Domenicos frommen Einladungen ergab.<\/p>\n<p>Manchmal schmeichelte ihm jemand die ganze Woche hindurch Hoffnungen und lie\u00df sich dann am Samstag zur Beichtzeit nicht mehr sehen. Sobald Domenico ihn wieder traf, sagte er halb im Scherz: \u201aHe, du Schelm! Du hast mich hereingelegt.\u2018 \u2013 \u201aAber sieh\u2018, sagte der andere, \u201aich war nicht bereit, ich f\u00fchlte mich nicht \u2026\u2018 \u2013 \u201aArmer Kerl\u2018, erwiderte Domenico, \u201adu hast dem Teufel nachgegeben, der sehr wohl bereit war, dich zu empfangen; jetzt aber bist du noch weniger bereit, ja ich sehe dich ganz schlechter Laune. Komm, versuch es: Geh beichten, streng dich an und bem\u00fche dich, gut zu beichten; dann wirst du sehen, mit wie viel Freude dein Herz erf\u00fcllt sein wird.\u2018 Nachdem jener gebeichtet hatte, ging er gew\u00f6hnlich sogleich mit freudigem Herzen zu Domenico: \u201aEs stimmt\u2018, sagte er, \u201aich bin wirklich zufrieden; k\u00fcnftig will ich h\u00e4ufiger beichten gehen.\u2018<\/p>\n<p>In Gemeinschaften junger Menschen gibt es gew\u00f6hnlich einige, die \u2013 weil sie etwas unbeholfen, unwissend, weniger erzogen oder von irgendeinem Kummer bedr\u00fcckt sind \u2013 von ihren Gef\u00e4hrten meist beiseitegelassen werden. Gerade diese tragen die Last der Verlassenheit, obwohl sie den Trost eines Freundes am dringendsten br\u00e4uchten.<\/p>\n<p>Diese waren Domenicos Freunde. Er ging auf sie zu, erheiterte sie durch ein gutes Gespr\u00e4ch und gab ihnen gute Ratschl\u00e4ge. So geschah es h\u00e4ufig, dass junge Menschen, die entschlossen waren, sich dem schlechten Verhalten hinzugeben, durch Savios liebevolle Worte ermutigt wieder zu guten Gesinnungen zur\u00fcckkehrten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund baten alle, die gesundheitliche Beschwerden hatten, Domenico, sie zu pflegen; und wer Sorgen hatte, fand Trost, wenn er sie ihm anvertraute. Auf diese Weise stand ihm der Weg offen, fortw\u00e4hrend N\u00e4chstenliebe zu \u00fcben und sein Verdienst vor Gott zu vermehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828415\"><\/a>KAPITEL XIII. Sein Geist des Gebetes \u2013 Verehrung der Mutter Gottes \u2013 Der Marienmonat<a name=\"_Toc504540964\"><\/a><a name=\"_Toc504541399\"><\/a><a name=\"_Toc504541961\"><\/a><a name=\"_Toc530304058\"><\/a><a name=\"_Toc24283671\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter den Gaben, mit denen Gott ihn bereichert hatte, ragte besonders sein Eifer im Gebet hervor. Sein Geist war so sehr an den Umgang mit Gott gew\u00f6hnt, dass er an jedem Ort, selbst mitten im lautesten Treiben, seine Gedanken sammelte und mit frommen Regungen das Herz zu Gott erhob.<\/p>\n<p>Wenn er mit den anderen gemeinsam betete, erschien er wahrhaft wie ein kleiner Engel: unbeweglich, in der ganzen Haltung and\u00e4chtig gesammelt, ohne sich irgendwo anzulehnen au\u00dfer auf seine Knie, mit heiterem Gesicht, leicht geneigtem Kopf und niedergeschlagenen Augen; man h\u00e4tte ihn f\u00fcr einen zweiten heiligen Aloisius halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgte, ihn zu sehen, um davon erbaut zu werden. Im Jahr 1854 wurde Graf Cays zum Prior der im Oratorium errichteten Gesellschaft des heiligen Aloisius gew\u00e4hlt. Als er zum ersten Mal an unseren Feiern teilnahm, sah er einen jungen Menschen in so and\u00e4chtiger Haltung beten, dass er voller Staunen war. Nach den heiligen Feiern wollte er sich erkundigen, wer jener Knabe sei, der Gegenstand seiner Bewunderung gewesen war: Es war Domenico Savio.<\/p>\n<p>Selbst seine Erholungszeit war fast immer geteilt: Einen Teil verbrachte er meist mit frommer Lekt\u00fcre oder mit einem Gebet, das er mit einigen Gef\u00e4hrten in der Kirche f\u00fcr die Seelen im Fegefeuer oder zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria verrichtete.<\/p>\n<p>Domenicos Verehrung f\u00fcr die Mutter Gottes war sehr gro\u00df. Ihr zu Ehren nahm er jeden Tag irgendeine Abt\u00f6tung auf sich. Er blickte Personen des anderen Geschlechts niemals ins Gesicht; auf dem Weg zur Schule hob er nie die Augen. Bisweilen kam er an \u00f6ffentlichen Schaustellungen vorbei, die seine Gef\u00e4hrten mit solcher Begierde betrachteten, dass sie kaum noch wussten, wo sie sich befanden. Fragte man Savio, ob ihm jene Schaustellungen gefallen h\u00e4tten, antwortete er, er habe nichts gesehen. Dar\u00fcber wurde ein Gef\u00e4hrte einmal beinahe \u00e4rgerlich und tadelte ihn: \u201aWozu willst du denn deine Augen haben, wenn du sie nicht benutzt, um diese Dinge anzuschauen?\u2018 \u2013 \u201aIch will sie gebrauchen\u2018, antwortete er, \u201aum das Angesicht unserer himmlischen Mutter Maria zu schauen, wenn ich sie \u2013 sofern ich mit Gottes Hilfe dessen w\u00fcrdig werde \u2013 im Paradies besuchen werde.\u2018<\/p>\n<p>Er hatte eine besondere Verehrung f\u00fcr das Unbefleckte Herz Mariens. Jedes Mal, wenn er in die Kirche kam, ging er vor ihren Altar und bat sie um die Gnade, sein Herz stets von jeder unreinen Neigung frei zu bewahren. \u201aMaria\u2018, sagte er, \u201aich will immer Euer Sohn sein; erwirkt mir, lieber zu sterben, als eine S\u00fcnde gegen die Tugend der Reinheit zu begehen.\u2018<\/p>\n<p>Jeden Freitag w\u00e4hlte er au\u00dferdem einen Teil der Erholungszeit und ging mit einigen Gef\u00e4hrten in die Kirche, um den Rosenkranz von den sieben Schmerzen Mariens oder wenigstens die Litanei zur Schmerzensmutter zu beten.<\/p>\n<p>Er war nicht nur selbst ein Verehrer der allerseligsten Jungfrau Maria, sondern freute sich sehr, wenn er jemand anderen zu \u00dcbungen der Marienfr\u00f6mmigkeit f\u00fchren konnte. An einem Samstag hatte er einen Gef\u00e4hrten eingeladen, mit ihm in die Kirche zu gehen und die Vesper der seligen Jungfrau zu beten. Dieser ging nur ungern darauf ein und f\u00fchrte an, er habe kalte H\u00e4nde. Domenico zog seine Handschuhe aus und gab sie ihm; so gingen beide in die Kirche. Ein anderes Mal nahm er den kleinen Mantel von seinen Schultern und lieh ihn einem anderen, damit dieser gern mit ihm in die Kirche zum Gebet ging. Wer k\u00f6nnte angesichts solcher Akte gro\u00dfherziger Fr\u00f6mmigkeit ohne Bewunderung bleiben?<\/p>\n<p>Zu keiner Zeit erschien Domenico gl\u00fchender in der Verehrung unserer himmlischen Besch\u00fctzerin Maria als im Monat Mai. Er verabredete sich mit anderen, an jedem Tag dieses Monats zus\u00e4tzlich zu den \u00f6ffentlichen Feiern in der Kirche eine besondere \u00dcbung zu verrichten. Er bereitete eine Reihe erbaulicher Beispiele vor, die er mit gro\u00dfer Freude erz\u00e4hlte, um andere zur Marienverehrung anzuregen. In der Erholungszeit sprach er oft dar\u00fcber und ermunterte alle, besonders in diesem Monat zu beichten und h\u00e4ufig die heilige Kommunion zu empfangen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran und trat jeden Tag mit einer Sammlung an den eucharistischen Tisch, wie man sie sich gr\u00f6\u00dfer nicht w\u00fcnschen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Eine bemerkenswerte Begebenheit zeigt die Zartheit seines Herzens in der Marienverehrung. Die Sch\u00fcler des Schlafsaals, in dem er schlief, beschlossen, auf eigene Kosten einen geschmackvollen kleinen Altar zu errichten, um den Abschluss des Marienmonats feierlich zu begehen. Domenico war in dieser Angelegenheit ganz besch\u00e4ftigt; als es aber um den Anteil ging, den <em>jeder <\/em>bezahlen <em>sollte, rief er: \u201aAch weh! Jetzt sind wir sch\u00f6n dran! F\u00fcr solche Dinge braucht man Geld, und ich habe keinen Pfennig in der Tasche. Aber ich will um jeden <\/em>Preis etwas beitragen.\u2018 Er ging, nahm ein Buch, das er als Preis erhalten hatte, bat den Oberen um Erlaubnis und kehrte voller Freude zur\u00fcck: \u201aGef\u00e4hrten, nun kann auch ich etwas zur Ehre Mariens beitragen. Nehmt dieses Buch und erzielt daraus den Nutzen, den ihr k\u00f6nnt; das ist meine Gabe.\u2018<\/p>\n<p>Beim Anblick dieses freiwilligen und so gro\u00dfherzigen Opfers waren seine Gef\u00e4hrten ger\u00fchrt und wollten ebenfalls B\u00fccher und andere Gegenst\u00e4nde anbieten. Daraus veranstalteten sie eine kleine Lotterie, deren Erl\u00f6s reichlich ausreichte, die notwendigen Ausgaben zu decken.<\/p>\n<p>Als der Altar fertig war, wollten die jungen Menschen ihr Fest mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Feierlichkeit begehen. Jeder bem\u00fchte sich sehr darum; da die Ausschm\u00fcckung aber noch nicht ganz vollendet werden konnte, musste in der Nacht vor dem Fest weitergearbeitet werden. \u201aIch\u2018, sagte Savio, \u201aich werde gern die Nacht hindurch arbeiten.\u2018 Seine Gef\u00e4hrten zwangen ihn jedoch, zu Bett zu gehen, weil er kurz zuvor krank gewesen war. Er wollte sich nicht f\u00fcgen und ging nur aus Gehorsam schlafen. \u201aWenigstens\u2018, sagte er zu einem Gef\u00e4hrten, \u201akomm und weck mich sofort, sobald alles fertig ist, damit ich zu den Ersten geh\u00f6re, die den zu Ehren unserer lieben Mutter geschm\u00fcckten Altar sehen.\u2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828416\"><\/a>KAPITEL XIV. Sein h\u00e4ufiger Empfang der heiligen Sakramente der Beichte und der Kommunion<a name=\"_Toc504540965\"><\/a><a name=\"_Toc504541400\"><\/a><a name=\"_Toc504541962\"><\/a><a name=\"_Toc530304059\"><\/a><a name=\"_Toc24283672\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Erfahrung best\u00e4tigt, dass die wirksamsten St\u00fctzen der Jugend die Sakramente der Beichte und der Kommunion sind. Gebt mir einen jungen Menschen, der diese Sakramente h\u00e4ufig empf\u00e4ngt: Ihr werdet sehen, wie er in der Jugend heranw\u00e4chst, das Mannesalter erreicht und, wenn es Gott so gef\u00e4llt, bis ins hohe Alter eine Lebensf\u00fchrung bewahrt, die allen, die ihn kennen, zum Beispiel dient. M\u00f6gen die jungen Menschen diesen Grundsatz verstehen, um ihn zu befolgen; und m\u00f6gen alle, die sich ihrer Erziehung widmen, ihn verstehen, um ihn ihnen nahezubringen.<\/p>\n<p>Bevor Savio im Oratorium zu wohnen begann, empfing er diese beiden Sakramente nach dem Brauch der Schulen einmal im Monat. Danach tat er es sehr viel h\u00e4ufiger. Eines Tages h\u00f6rte er von der Kanzel folgenden Grundsatz: \u201aJunge Menschen, wenn ihr auf dem Weg zum Himmel ausharren wollt, werden euch drei Dinge empfohlen: Geht h\u00e4ufig zum Sakrament der Beichte, empfangt oft die heilige Kommunion, w\u00e4hlt euch einen Beichtvater, dem ihr euer Herz zu \u00f6ffnen wagt, und wechselt ihn nicht ohne Notwendigkeit.\u2018 Domenico verstand die Bedeutung dieser Ratschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Er w\u00e4hlte sich einen Beichtvater, bei dem er regelm\u00e4\u00dfig w\u00e4hrend der ganzen Zeit blieb, die er bei uns verbrachte. Damit dieser sich ein richtiges Urteil \u00fcber sein Gewissen bilden konnte, wollte er, wie gesagt, eine Generalbeichte ablegen. Zuerst beichtete er alle vierzehn Tage, dann alle acht Tage und empfing ebenso h\u00e4ufig die Kommunion. Als der Beichtvater den gro\u00dfen Fortschritt bemerkte, den er im geistlichen Leben machte, riet er ihm, dreimal in der Woche zu kommunizieren; innerhalb eines Jahres gestattete er ihm sogar die t\u00e4gliche Kommunion.<\/p>\n<p>Eine Zeit lang wurde er von Skrupeln geplagt; deshalb wollte er alle vier Tage oder noch \u00f6fter beichten. Sein geistlicher Leiter erlaubte dies jedoch nicht und hielt ihn im Gehorsam bei der w\u00f6chentlichen Beichte.<\/p>\n<p>Zu ihm hatte er unbegrenztes Vertrauen. Auch au\u00dferhalb der Beichte sprach er mit ihm in aller Einfachheit \u00fcber Gewissensfragen. Jemand hatte ihm geraten, bisweilen den Beichtvater zu wechseln, doch er wollte sich niemals dazu bewegen lassen. \u201aDer Beichtvater\u2018, sagte er, \u201aist der Arzt der Seele; und man wechselt gew\u00f6hnlich den Arzt nur, wenn man ihm nicht mehr vertraut oder wenn die Krankheit fast hoffnungslos ist. Bei mir liegt weder das eine noch das andere vor. Ich habe volles Vertrauen zu meinem Beichtvater, der sich mit v\u00e4terlicher G\u00fcte und Sorgfalt um das Wohl meiner Seele bem\u00fcht; und ich sehe in mir kein \u00dcbel, das er nicht heilen k\u00f6nnte.\u2018 Dennoch riet ihm sein gew\u00f6hnlicher geistlicher Leiter, den Beichtvater gelegentlich zu wechseln, besonders bei Exerzitien; und er gehorchte bereitwillig, ohne Schwierigkeiten zu machen.<\/p>\n<p>Savio freute sich \u00fcber seine Lage. \u201aWenn ich irgendeine Sorge im Herzen habe\u2018, sagte er, \u201agehe ich zum Beichtvater, der mir nach dem Willen Gottes Rat gibt; denn Jesus Christus hat gesagt, dass die Stimme des Beichtvaters f\u00fcr uns gleichsam die Stimme Gottes ist. Wenn ich dann etwas Gro\u00dfes w\u00fcnsche, gehe ich, um die heilige Hostie zu empfangen, in der sich <em>corpus quod pro nobis traditum est befindet, <\/em>das hei\u00dft derselbe Leib, dasselbe Blut, dieselbe Seele und Gottheit, die Jesus Christus f\u00fcr uns am Kreuz seinem ewigen Vater dargebracht hat. Was fehlt mir, um gl\u00fccklich zu sein? Nichts in dieser Welt. Mir fehlt nur noch, im Himmel unverh\u00fcllt den genie\u00dfen zu k\u00f6nnen, den ich jetzt mit dem Auge des Glaubens auf dem Altar schaue und anbete.\u2018<\/p>\n<p>Mit solchen Gedanken verbrachte Domenico wahrhaft gl\u00fcckliche Tage. Daher kamen jene Heiterkeit und jene himmlische Freude, die in all seinem Tun hervorleuchteten. Man darf jedoch nicht meinen, er habe die Bedeutung dessen, was er tat, nicht verstanden oder nicht jene christliche Lebensweise gef\u00fchrt, die sich f\u00fcr jemanden ziemt, der h\u00e4ufig kommunizieren m\u00f6chte. Sein Verhalten war vielmehr in jeder Hinsicht untadelig. Ich bat seine Gef\u00e4hrten, mir zu sagen, ob sie in den drei Jahren, die er bei uns lebte, an Savio irgendeinen Fehler bemerkt h\u00e4tten, den man h\u00e4tte verbessern m\u00fcssen, oder irgendeine Tugend, die man ihm h\u00e4tte empfehlen k\u00f6nnen; doch alle versicherten \u00fcbereinstimmend, an ihm niemals etwas gefunden zu haben, das einer Zurechtweisung bedurft h\u00e4tte, und sie h\u00e4tten auch keine Tugend nennen k\u00f6nnen, die ihm noch hinzuzuf\u00fcgen gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Seine Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Eucharistie war fromm und erbaulich. Am Abend vor der Kommunion sprach er vor dem Schlafengehen ein Gebet zu diesem Zweck und schloss stets mit den Worten: \u201aGelobt und gepriesen sei in jedem Augenblick das allerheiligste und g\u00f6ttlichste Sakrament.\u2018 Am Morgen bereitete er sich gen\u00fcgend vor; seine Danksagung hingegen kannte keine Grenze. Wenn er nicht gerufen wurde, verga\u00df er meistens das Fr\u00fchst\u00fcck, die Erholung und manchmal sogar die Schule und blieb im Gebet, oder besser gesagt in der Betrachtung der g\u00f6ttlichen G\u00fcte, die den Menschen auf unaussprechliche Weise die Sch\u00e4tze ihrer unendlichen Barmherzigkeit mitteilt.<\/p>\n<p>Es war f\u00fcr ihn eine wahre Freude, einige Zeit vor Jesus im Sakrament verbringen zu k\u00f6nnen. Wenigstens einmal am Tag besuchte er ihn ohne Ausnahme und lud andere ein, ihn zu begleiten. Sein Lieblingsgebet war ein Kr\u00e4nzchengebet<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> zum Heiligsten Herzen Jesu, um die Beleidigungen zu s\u00fchnen, die es von H\u00e4retikern, Ungl\u00e4ubigen und schlechten Christen empf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Damit seine Kommunionen fruchtbarer w\u00fcrden und ihm zugleich jeder Tag einen neuen Antrieb g\u00e4be, sie mit Eifer zu empfangen, setzte er sich f\u00fcr jeden Tag eine besondere Meinung.<\/p>\n<p>So verteilte er seine Kommunionen \u00fcber die Woche:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Sonntag. Zu <\/em>Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.<\/p>\n<p><em>Montag. <\/em>F\u00fcr meine geistlichen und zeitlichen Wohlt\u00e4ter.<\/p>\n<p><em>Dienstag. <\/em>Zu Ehren des heiligen Dominikus und meines Schutzengels.<\/p>\n<p><em>Mittwoch. Zur<\/em> Schmerzensmutter Maria f\u00fcr die Bekehrung der S\u00fcnder.<\/p>\n<p><em>Donnerstag.<\/em> F\u00fcr die Seelen im Fegefeuer.<\/p>\n<p><em>Freitag. <\/em>Zu Ehren des Leidens Jesu Christi.<\/p>\n<p><em>Samstag. <\/em>Zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria, um ihren Schutz im Leben und im Tod zu erlangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Freude nahm er an allen \u00dcbungen teil, die das Allerheiligste Sakrament betrafen. Wenn er dem Viatikum begegnete, das zu einem Kranken getragen wurde, kniete er sogleich nieder, wo immer er sich befand; und wenn es seine Zeit erlaubte, begleitete er es, bis die Feier beendet war.<\/p>\n<p>Eines Tages kam das Viatikum an ihm vorbei, w\u00e4hrend es regnete und die Stra\u00dfen schlammig waren. Da er keinen besseren Platz hatte, kniete er mitten in den Schlamm. Ein Gef\u00e4hrte tadelte ihn sp\u00e4ter und bemerkte, es sei nicht n\u00f6tig, seine Kleider so zu beschmutzen, und der Herr verlange so etwas nicht. Er antwortete schlicht: \u201aKnie und Hosen geh\u00f6ren ganz dem Herrn; deshalb muss alles dazu dienen, ihm Ehre und Herrlichkeit zu erweisen. Wenn er an mir vor\u00fcbergeht, w\u00fcrde ich mich zu seiner Ehre nicht nur in den Schlamm werfen, sondern mich auch in einen gl\u00fchenden Ofen st\u00fcrzen; denn so w\u00fcrde ich an jenem Feuer unendlicher Liebe teilhaben, das ihn dazu bewogen hat, dieses gro\u00dfe Sakrament einzusetzen.\u2018<\/p>\n<p>Bei einer \u00e4hnlichen Gelegenheit sah er eines Tages einen Soldaten stehen bleiben, gerade als das Allerheiligste Sakrament an ihm vor\u00fcbergetragen wurde. Da Domenico nicht wagte, ihn zum Niederknien aufzufordern, zog er sein kleines Taschentuch aus der Tasche, breitete es auf dem schmutzigen Boden aus und gab dem Soldaten ein Zeichen, es zu benutzen. Der Soldat zeigte sich zun\u00e4chst verlegen; dann lie\u00df er das Taschentuch beiseite und kniete mitten auf der Stra\u00dfe nieder.<\/p>\n<p>Am Fronleichnamsfest wurde er zusammen mit anderen Gef\u00e4hrten als Kleriker gekleidet und zur Prozession der Pfarrei geschickt. Er ging mit gr\u00f6\u00dfter Freude hin und betrachtete dies als ein kostbares Geschenk, wie man ihm kein gr\u00f6\u00dferes h\u00e4tte machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828417\"><\/a>KAPITEL XV. Seine Bu\u00df\u00fcbungen<a name=\"_Toc504540966\"><\/a><a name=\"_Toc504541401\"><\/a><a name=\"_Toc504541963\"><\/a><a name=\"_Toc530304060\"><\/a><a name=\"_Toc24283673\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Alter, seine schwache Gesundheit und die Unschuld seines Lebens h\u00e4tten ihn gewiss von jeder Art von Bu\u00dfe entbunden; doch er wusste, dass ein junger Mensch seine Unschuld ohne Bu\u00dfe nur schwer bewahren kann, und dieser Gedanke lie\u00df ein Leben voller Entbehrungen f\u00fcr ihn wie mit Rosen bedeckt erscheinen. Unter Bu\u00dfe verstehe ich hier nicht das geduldige Ertragen von Beleidigungen und Unannehmlichkeiten; ich spreche auch nicht von der st\u00e4ndigen Abt\u00f6tung und Sammlung aller seiner Sinne beim Gebet, in der Schule, beim Studium und in der Erholung. Diese Bu\u00df\u00fcbungen waren bei ihm fortw\u00e4hrend vorhanden.<\/p>\n<p>Ich spreche nur von den Bu\u00df\u00fcbungen, die dem K\u00f6rper Schmerz zuf\u00fcgen. In seinem Eifer hatte er beschlossen, jeden Samstag zu Ehren der seligen Jungfrau bei Brot und Wasser zu fasten; der Beichtvater verbot es ihm jedoch. Er wollte w\u00e4hrend der Fastenzeit fasten; nach einer Woche erfuhr der Direktor des Hauses davon und untersagte es sofort. Wenigstens das Fr\u00fchst\u00fcck wollte er auslassen, doch auch dies wurde ihm verboten. Der Grund, weshalb man ihm solche Bu\u00df\u00fcbungen nicht erlaubte, lag darin, zu verhindern, dass seine ohnehin schwache Gesundheit v\u00f6llig zugrunde ging. Was sollte er also tun? Da ihm die Enthaltsamkeit beim Essen verboten war, begann er, seinen K\u00f6rper auf andere Weise zu plagen. Er legte Holzsplitter und Ziegelst\u00fccke in sein Bett, um sich sogar die Ruhe unbequem zu machen; er wollte eine Art Bu\u00dfg\u00fcrtel tragen \u2013 auch all dies wurde ihm verboten. Da griff er zu einem neuen Mittel. Im Herbst und Winter lie\u00df er die Jahreszeit fortschreiten, ohne zus\u00e4tzliche Decken auf sein Bett zu legen; so war es schon Januar und er lag noch mit der Sommerdecke. Eines Morgens blieb er wegen einer Beschwerde im Bett, und der Direktor besuchte ihn. Als er ihn ganz zusammengerollt sah, trat er n\u00e4her und bemerkte, dass er nur eine d\u00fcnne Decke \u00fcber sich hatte. \u201aWarum hast du das getan?\u2018 fragte er. \u201aWillst du vor K\u00e4lte sterben?\u2018 \u2013 \u201aNein\u2018, antwortete er, \u201aich werde nicht erfrieren. Jesus war in der H\u00fctte von Bethlehem und als er am Kreuz hing weniger bedeckt als ich.\u2018<\/p>\n<p>Da wurde ihm strengstens verboten, irgendeine Bu\u00df\u00fcbung zu beginnen, ohne zuvor ausdr\u00fccklich um Erlaubnis zu bitten; diesem Befehl unterwarf er sich, wenn auch mit M\u00fche. Einmal traf ich ihn ganz betr\u00fcbt an, wie er ausrief: \u201aArmer Kerl, der ich bin! Ich bin wirklich in Verlegenheit. Der Erl\u00f6ser sagt, dass ich nicht ins Paradies komme, wenn ich keine Bu\u00dfe tue; und mir ist es verboten, Bu\u00dfe zu tun. Welches Paradies wird dann meines sein?\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Die Bu\u00dfe, die der Herr von dir will \u2013 sagte ich zu ihm \u2013, ist der Gehorsam. Gehorche, und das gen\u00fcgt dir.<\/p>\n<p>\u2013 K\u00f6nnten Sie mir nicht irgendeine andere Bu\u00dfe erlauben?<\/p>\n<p>\u2013 Ja: Du darfst die Bu\u00dfe \u00fcben, Beleidigungen, wenn sie dir zugef\u00fcgt werden, geduldig zu ertragen; Hitze, K\u00e4lte, Wind, Regen, M\u00fcdigkeit und alle gesundheitlichen Beschwerden, die Gott dir zu schicken gef\u00e4llt, ergeben hinzunehmen.<\/p>\n<p>\u2013 Aber das muss man doch aus Notwendigkeit ertragen.<\/p>\n<p>\u2013 Was du aus Notwendigkeit ertragen m\u00fcsstest, opfere Gott auf; dann wird es zur Tugend und zum Verdienst f\u00fcr deine Seele.<\/p>\n<p>Mit diesen Ratschl\u00e4gen zufrieden und ihnen ergeben ging er beruhigt davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828418\"><\/a>KAPITEL XVI. Abt\u00f6tungen aller \u00e4u\u00dferen Sinne<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer Savio in seiner \u00e4u\u00dferen Sammlung sah, fand darin so viel Nat\u00fcrlichkeit, dass er leicht h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, der Herr habe ihn eben so geschaffen. Doch diejenigen, die ihn aus der N\u00e4he kannten oder f\u00fcr seine Erziehung verantwortlich waren, k\u00f6nnen versichern, dass dahinter eine gro\u00dfe menschliche Anstrengung stand, unterst\u00fctzt von der Gnade Gottes.<\/p>\n<p>Seine Augen waren sehr lebhaft, und er musste sich nicht wenig Gewalt antun, um sie gesammelt zu halten. \u201aAm Anfang\u2018, erz\u00e4hlte er einem Freund mehrmals, \u201aals ich mir zum Gesetz machte, meine Augen unbedingt beherrschen zu wollen, kostete es mich gro\u00dfe M\u00fche; manchmal bekam ich davon sogar starke Kopfschmerzen.\u2018 Seine Zur\u00fcckhaltung im Blick war so gro\u00df, dass sich unter allen, die ihn kannten, niemand erinnerte, ihn auch nur einen einzigen Blick werfen gesehen zu haben, der die Grenzen strengster Bescheidenheit \u00fcberschritten h\u00e4tte. \u201aDie Augen\u2018, pflegte er zu sagen, \u201asind zwei Fenster. Durch die Fenster geht hindurch, was man hindurchgehen l\u00e4sst. Durch diese Fenster k\u00f6nnen wir einen Engel oder den Teufel mit seinen H\u00f6rnern einlassen und den einen oder den anderen zum Herrn unseres Herzens machen.\u2018<\/p>\n<p>Eines Tages geschah es, dass ein fremder junger Mann unbedacht eine Zeitung mitbrachte, in der unanst\u00e4ndige und irreligi\u00f6se Bilder abgedruckt waren. Eine Schar von Jungen umringte ihn, um die \u201eWunder\u201c jener Bilder zu sehen, vor denen selbst T\u00fcrken und Heiden Abscheu empfunden h\u00e4tten. Auch Savio lief herbei, weil er aus der Entfernung meinte, dort werde irgendein Andachtsbild gezeigt.<\/p>\n<p>Als er n\u00e4her kam, zeigte er sich \u00fcberrascht; dann nahm er, fast l\u00e4chelnd, das Blatt und riss es in kleine St\u00fccke. Seine Gef\u00e4hrten waren voller Staunen, sodass einer den anderen schweigend ansah.<\/p>\n<p>Da sagte er: \u201aArme wir! Der Herr hat uns die Augen gegeben, damit wir die Sch\u00f6nheit der von ihm geschaffenen Dinge betrachten; und ihr benutzt sie, um solche H\u00e4sslichkeiten anzusehen, die die Bosheit der Menschen zum Schaden unserer Seele erfunden hat? Habt ihr etwa vergessen, was so oft gepredigt wurde? Der Erl\u00f6ser sagt uns, dass wir unsere Seele schon durch einen einzigen schlechten Blick mit Schuld beflecken; und ihr weidet eure Augen an solchen Dingen?\u2018<\/p>\n<p>\u201aWir\u2018, antwortete einer, \u201ahaben diese Bilder doch nur angesehen, um zu lachen.\u2018 \u2013 \u201aJa, ja, um zu lachen; inzwischen bereitet ihr euch darauf vor, lachend in die H\u00f6lle zu gehen \u2026 Aber werdet ihr noch lachen, wenn ihr das Ungl\u00fcck h\u00e4ttet, hineinzufallen?\u2018<\/p>\n<p>\u201aAber wir\u2018, begann ein anderer wieder, \u201asehen in diesen Bildern gar nicht so viel B\u00f6ses.\u2018<\/p>\n<p>\u201aUmso schlimmer. Dass ihr beim Ansehen solcher H\u00e4sslichkeiten nicht viel B\u00f6ses erkennt, ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass eure Augen schon daran gew\u00f6hnt sind; und solche Gew\u00f6hnung entschuldigt das B\u00f6se nicht, sondern macht euch noch schuldiger.\u2018<\/p>\n<p>\u201aO Ijob, o Ijob! Du warst alt, du warst ein Heiliger, du warst von einer Krankheit niedergedr\u00fcckt, sodass du auf einem Misthaufen lagst; und dennoch schlossest du mit deinen Augen einen Bund, ihnen hinsichtlich schamloser Dinge nicht die geringste Freiheit zu gew\u00e4hren!\u2018<\/p>\n<p>Bei diesen Worten schwiegen alle, und niemand wagte mehr, ihn zu tadeln oder irgendeine weitere Bemerkung zu machen.<\/p>\n<p>Mit der Bescheidenheit seiner Augen war gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung im Sprechen verbunden.<\/p>\n<p>Ob mit Recht oder Unrecht: Wenn jemand sprach, schwieg er; mehrmals brach er sogar sein eigenes Wort ab, um einem anderen Raum zum Sprechen zu geben. Seine Lehrer und die \u00fcbrigen Oberen stimmen darin \u00fcberein, dass sie niemals auch nur Anlass hatten, ihn darauf hinzuweisen, dass er beim Studium, in der Schule, in der Kirche oder bei der Erf\u00fcllung irgendeiner schulischen oder religi\u00f6sen Pflicht auch nur ein einziges unpassendes Wort gesagt h\u00e4tte. Selbst bei Gelegenheiten, bei denen er beleidigt wurde, wusste er seine Zunge und seinen Zorn zu beherrschen.<\/p>\n<p>Eines Tages hatte er einen Gef\u00e4hrten wegen einer schlechten Gewohnheit ermahnt. Statt die Zurechtweisung dankbar anzunehmen, lie\u00df sich dieser zu brutalen Ausschreitungen hinrei\u00dfen. Er \u00fcbersch\u00fcttete Domenico mit Beschimpfungen und schlug und trat ihn dann. Savio h\u00e4tte sich durchaus k\u00f6rperlich zur Wehr setzen k\u00f6nnen, denn er war \u00e4lter und st\u00e4rker. Doch er nahm keine andere Rache als die eines Christen. Sein Gesicht wurde zwar ganz rot, aber er bezwang den Ansturm des Zorns und beschr\u00e4nkte sich auf diese Worte: \u201aIch verzeihe dir; du hast schlecht gehandelt. Behandle andere nicht auf diese Weise.\u2018<\/p>\n<p>Was sollen wir dann \u00fcber die Abt\u00f6tung der \u00fcbrigen k\u00f6rperlichen Sinne sagen? Ich beschr\u00e4nke mich darauf, nur einige Begebenheiten anzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Im Winter litt er an Frostbeulen an den H\u00e4nden. So schmerzhaft sie auch waren, man h\u00f6rte ihn niemals dar\u00fcber sprechen oder ein Zeichen der Klage geben. Vielmehr schien er daran Freude zu haben. \u201aJe gr\u00f6\u00dfer die Frostbeulen\u2018, sagte er, \u201adesto besser werden sie f\u00fcr die Gesundheit sein\u2018 \u2013 womit er die Gesundheit der Seele meinte. Viele seiner Gef\u00e4hrten versichern, dass er in strenger Winterk\u00e4lte langsam zur Schule zu gehen pflegte, aus dem Wunsch heraus, zu leiden und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Bu\u00dfe zu tun. \u201aMehrmals sah ich ihn\u2018, bezeugt ein Gef\u00e4hrte, \u201aim h\u00e4rtesten Winter mit Nadeln und Federspitzen Haut und sogar Fleisch aufritzen, damit diese Verletzungen zu Wunden w\u00fcrden und ihn seinem g\u00f6ttlichen Meister \u00e4hnlicher machten.\u2018<\/p>\n<p>In Gemeinschaften junger Menschen trifft man manche an, die mit nichts zufrieden sind. Bald beklagen sie sich \u00fcber die religi\u00f6sen Feiern, bald \u00fcber die Ordnung, bald \u00fcber die Ruhezeiten oder das Essen; an allem finden sie etwas auszusetzen.<\/p>\n<p>Solche sind f\u00fcr die Oberen ein wahres Kreuz; denn die Unzufriedenheit eines einzigen \u00fcbertr\u00e4gt sich auf die anderen Gef\u00e4hrten, manchmal nicht ohne erheblichen Schaden f\u00fcr die Gemeinschaft. Savios Verhalten war dem v\u00f6llig entgegengesetzt.<\/p>\n<p>Nie kam ein Wort der Klage \u00fcber seine Lippen, weder wegen der Sommerhitze noch wegen der Winterk\u00e4lte. Ob sch\u00f6nes oder schlechtes Wetter war, er blieb immer gleich fr\u00f6hlich. Was auch immer man ihm bei Tisch vorsetzte, er zeigte sich mit allem zufrieden. Ja, mit bewundernswerter Geschicklichkeit fand er gerade darin ein Mittel zur Abt\u00f6tung. Wenn andere etwas beanstandeten, weil es zu gar, zu roh, zu wenig oder zu stark gesalzen war, zeigte er sich im Gegenteil zufrieden und sagte, genau so schmecke es ihm am besten.<\/p>\n<p>Es war seine gew\u00f6hnliche \u00dcbung, nach seinen Gef\u00e4hrten im Speisesaal zu bleiben, die auf dem Tisch oder auf dem Boden verstreuten Brotkr\u00fcmel aufzusammeln und sie wie etwas Schmackhaftes zu essen. Wenn manche sich dar\u00fcber wunderten, verbarg er seinen Bu\u00dfgeist mit den Worten: \u201aBrotlaibe isst man ja auch nicht im Ganzen; und wenn sie schon in Kr\u00fcmel zerfallen sind, ist den Z\u00e4hnen bereits Arbeit abgenommen.\u2018<\/p>\n<p>Jeden Rest von Suppe, Speise oder anderer Nahrung hob er auf und a\u00df ihn. Das tat er nicht aus Gefr\u00e4\u00dfigkeit, denn oft verschenkte er sogar seine eigene Portion an andere Gef\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Als man ihn fragte, warum er sich so eifrig um jene Reste k\u00fcmmerte, vor denen sich mancher ekeln w\u00fcrde, antwortete er:<\/p>\n<p>\u201aAlles, was wir in der Welt haben, ist ein kostbares Geschenk Gottes. Unter allen Gaben ist jedoch nach seiner heiligen Gnade die gr\u00f6\u00dfte die Nahrung, durch die er unser Leben erh\u00e4lt. Daher verdient auch der kleinste Teil dieser Gabe unsere Dankbarkeit und muss mit der gewissenhaftesten Sorgfalt bewahrt werden.\u2018<\/p>\n<p>Schuhe putzen, die Kleider seiner Gef\u00e4hrten abb\u00fcrsten, den Kranken die niedrigsten Dienste leisten, kehren und \u00e4hnliche Arbeiten waren f\u00fcr ihn eine angenehme Besch\u00e4ftigung. \u201aJeder tue, was er kann\u2018, pflegte er zu sagen. \u201aIch bin nicht f\u00e4hig, gro\u00dfe Dinge zu tun; aber was ich kann, will ich zur gr\u00f6\u00dferen Ehre Gottes tun. Und ich hoffe, dass Gott in seiner unendlichen G\u00fcte diese armseligen Opfer von mir annehmen wird.\u2018<\/p>\n<p>Speisen zu essen, die seinem Geschmack zuwider waren, und jene zu meiden, die ihm gefallen h\u00e4tten; seine Blicke selbst bei gleichg\u00fcltigen Dingen zu beherrschen; sich dort aufzuhalten, wo er einen unangenehmen Geruch wahrnahm; seinen eigenen Willen zu verleugnen; alles, was seinem Leib oder seinem Geist Leid bereitete, mit vollkommener Ergebung zu ertragen \u2013 das waren Tugendakte, die Domenico jeden Tag, ja man kann sagen in jedem Augenblick seines Lebens \u00fcbte.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbergehe daher viele andere Begebenheiten dieser Art. Sie alle zeigen, wie gro\u00df in Domenico der Geist der Bu\u00dfe, der N\u00e4chstenliebe und der Abt\u00f6tung aller Sinne war und zugleich, wie erfinderisch seine Tugend darin war, gro\u00dfe und kleine Gelegenheiten, ja sogar gleichg\u00fcltige Dinge zu nutzen, um sich zu heiligen und sein Verdienst vor dem Herrn zu vermehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828419\"><\/a>KAPITEL XVII. Die Gesellschaft von der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis<a name=\"_Toc504540967\"><\/a><a name=\"_Toc504541402\"><\/a><a name=\"_Toc504541964\"><\/a><a name=\"_Toc530304061\"><\/a><a name=\"_Toc24283674\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann sagen, dass Domenicos ganzes Leben eine \u00dcbung der Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria war. Keine Gelegenheit lie\u00df er vor\u00fcbergehen, ihr irgendeine Huldigung darzubringen. Im Jahr 1854 erkl\u00e4rte der h\u00f6chste Hirte der Kirche die Unbefleckte Empf\u00e4ngnis Mariens zum Glaubensdogma. Savio w\u00fcnschte sehnlichst, die Erinnerung an diesen erhabenen Titel, den die Kirche der K\u00f6nigin des Himmels gegeben hatte, unter uns lebendig und dauerhaft zu machen. \u201aIch m\u00f6chte\u2018, pflegte er zu sagen, \u201aetwas zu Ehren Mariens tun, aber bald, denn ich f\u00fcrchte, dass mir die Zeit fehlen k\u00f6nnte.\u2018<\/p>\n<p>Von seiner gewohnten erfinderischen N\u00e4chstenliebe geleitet, w\u00e4hlte er einige seiner vertrauten Gef\u00e4hrten aus und lud sie ein, sich mit ihm zu einer Gesellschaft zusammenzuschlie\u00dfen, die den Namen Gesellschaft von <em>der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis erhielt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Ihr Ziel war, sich den Schutz der gro\u00dfen Mutter Gottes im Leben und besonders in der Todesstunde zu sichern. Savio schlug dazu zwei Mittel vor: \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit zu Ehren der Unbefleckten Maria selbst zu \u00fcben und zu f\u00f6rdern sowie h\u00e4ufig zu kommunizieren. Gemeinsam mit seinen Freunden verfasste er eine Regel; nach vielen Bem\u00fchungen las er sie am 8. Juni 1856, neun Monate vor seinem Tod, zusammen mit ihnen vor dem Altar der allerseligsten Jungfrau Maria. Ich schreibe sie gern ab, in der Hoffnung, dass sie anderen als Richtschnur dienen k\u00f6nne, dasselbe zu tun. Sie lautet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir, Domenico Savio usw. (es folgen die Namen der anderen Gef\u00e4hrten), um uns im Leben und im Tod den Schutz der allerseligsten unbefleckten Jungfrau zu sichern und uns ganz ihrem heiligen Dienst zu weihen, erkl\u00e4ren am 8. Juni, nachdem wir alle die heiligen Sakramente der Beichte und der Kommunion empfangen haben und entschlossen sind, unserer Mutter eine kindliche und best\u00e4ndige Verehrung zu erweisen, vor ihrem Altar und mit Zustimmung unseres geistlichen Leiters, dass wir, soweit unsere Kr\u00e4fte es erlauben, LUIGI COMOLLO<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> nachahmen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher verpflichten wir uns:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Die Regeln des Hauses gewissenhaft zu beobachten.<\/li>\n<li>Unsere Gef\u00e4hrten zu erbauen, indem wir sie liebevoll ermahnen und sie durch Worte, vor allem aber durch gutes Beispiel zum Guten anregen.<\/li>\n<li>Die Zeit genau zu nutzen. Um uns sodann der Beharrlichkeit in jener Lebensweise zu vergewissern, zu der wir uns verpflichten wollen, unterbreiten wir unserem Direktor folgende Regel.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nr. 1. Als erste Regel nehmen wir einen gewissenhaften Gehorsam gegen\u00fcber unseren Oberen an, denen wir uns mit unbegrenztem Vertrauen unterstellen.<\/p>\n<p>Nr. 2. Die Erf\u00fcllung der eigenen Pflichten wird unsere erste und besondere Besch\u00e4ftigung sein.<\/p>\n<p>Nr. 3. Gegenseitige N\u00e4chstenliebe wird unsere Herzen vereinen und uns alle unsere Br\u00fcder ohne Unterschied lieben lassen; wir werden sie mit Milde ermahnen, wenn eine Zurechtweisung n\u00fctzlich erscheint.<\/p>\n<p>Nr. 4. Wir w\u00e4hlen w\u00f6chentlich eine halbe Stunde f\u00fcr unsere Zusammenkunft. Nach der Anrufung des Heiligen Geistes und einer kurzen geistlichen Lesung werden die Fortschritte der Gesellschaft in Fr\u00f6mmigkeit und Tugend besprochen.<\/p>\n<p>Nr. 5. Unter vier Augen werden wir einander auf jene Fehler aufmerksam machen, die wir verbessern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nr. 6. Wir werden uns bem\u00fchen, untereinander auch den geringsten Anlass zu Missfallen zu vermeiden, und die Gef\u00e4hrten sowie andere beschwerliche Personen geduldig ertragen.<\/p>\n<p>Nr. 7. Es wird kein bestimmtes Gebet festgesetzt, denn die Zeit, die nach Erf\u00fcllung unserer Pflicht verbleibt, soll dem Zweck gewidmet werden, der unserer Seele am n\u00fctzlichsten erscheint.<\/p>\n<p>Nr. 8. Dennoch nehmen wir folgende wenige \u00dcbungen an:<\/p>\n<ul>\n<li>1. H\u00e4ufiger Empfang der heiligen Sakramente, so oft es uns gestattet wird.<\/li>\n<li>2. Wir werden an allen Sonntagen, gebotenen Feiertagen, w\u00e4hrend aller Novenen und an den Festen der allerseligsten Jungfrau Maria und der heiligen Schutzpatrone des Oratoriums zum eucharistischen Tisch treten.<\/li>\n<li>3. Unter der Woche werden wir uns bem\u00fchen, donnerstags zu kommunizieren, sofern uns nicht eine wichtige Besch\u00e4ftigung daran hindert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nr. 9. Jeden Tag, besonders beim Rosenkranzgebet, werden wir Maria unsere Gemeinschaft empfehlen und sie bitten, uns die Gnade der Beharrlichkeit zu erwirken.<\/p>\n<p>Nr. 10. Wir werden uns bem\u00fchen, jeden Samstag zu Ehren Mariens eine besondere \u00dcbung oder einen Akt christlicher Fr\u00f6mmigkeit zu Ehren ihrer Unbefleckten Empf\u00e4ngnis zu vollbringen.<\/p>\n<p>Nr. 11. Daher werden wir beim Gebet, bei frommen Lesungen, w\u00e4hrend der Gottesdienste, beim Studium und in der Schule ein noch erbaulicheres Verhalten zeigen.<\/p>\n<p>Nr. 12. Wir werden das heilige Wort Gottes mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt bewahren und die geh\u00f6rten Wahrheiten immer wieder bedenken.<\/p>\n<p>Nr. 13. Wir werden jeden Zeitverlust vermeiden, um unsere Seele vor den Versuchungen zu sch\u00fctzen, die uns im M\u00fc\u00dfiggang gew\u00f6hnlich heftig angreifen; deshalb:<\/p>\n<p>Nr. 14. Nachdem wir die Pflichten erf\u00fcllt haben, die jedem von uns zukommen, werden wir die verbleibenden freien Stunden n\u00fctzlichen Besch\u00e4ftigungen widmen, etwa frommer und lehrreicher Lekt\u00fcre oder dem Gebet.<\/p>\n<p>Nr. 15. Erholung ist nach dem Essen, nach der Schule und nach dem Studium vorgeschrieben oder wenigstens erlaubt.<\/p>\n<p>Nr. 16. Wir werden uns bem\u00fchen, unseren Oberen alles mitzuteilen, was unserem sittlichen Verhalten n\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Nr. 17. Wir werden uns ebenfalls bem\u00fchen, mit den Erlaubnissen, die uns die G\u00fcte unserer Oberen gew\u00e4hrt, sehr sparsam umzugehen; denn eines unserer besonderen Ziele ist eine genaue Beobachtung der Hausordnung, die allzu oft durch den Missbrauch solcher Erlaubnisse verletzt wird.<\/p>\n<p>Nr. 18. Wir werden von unseren Oberen das als Nahrung Bestimmte annehmen, ohne uns jemals \u00fcber die Speisen bei Tisch zu beklagen, und auch die anderen davon abhalten.<\/p>\n<p>Nr. 19. Wer dieser Gesellschaft beitreten m\u00f6chte, muss vor allem sein Gewissen durch das Sakrament der Beichte reinigen und sich am eucharistischen Tisch st\u00e4rken; dann soll er durch eine Woche Probezeit sein Verhalten zeigen, diese Regeln aufmerksam lesen und Gott sowie der allerseligsten unbefleckten Jungfrau Maria ihre genaue Beobachtung versprechen.<\/p>\n<p>Nr. 20. Am Tag seiner Aufnahme werden die Br\u00fcder zur heiligen Kommunion gehen und die g\u00f6ttliche Majest\u00e4t bitten, dem Gef\u00e4hrten die Tugend der Beharrlichkeit, des Gehorsams und die wahre Gottesliebe zu schenken.<\/p>\n<p>Nr. 21. Die Gesellschaft steht unter dem Schutz der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis, deren Namen wir tragen und deren Andachtsmedaille wir bei uns haben werden. Ein aufrichtiges, kindliches und unbegrenztes Vertrauen auf Maria, eine besondere Z\u00e4rtlichkeit ihr gegen\u00fcber und eine best\u00e4ndige Verehrung werden uns \u00fcber jedes Hindernis erheben, uns fest in unseren Entschl\u00fcssen, streng gegen uns selbst, liebevoll gegen\u00fcber unserem N\u00e4chsten und in allem gewissenhaft machen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem empfehlen wir den Br\u00fcdern, die heiligen Namen Jesu und Mariens zuerst in Herz und Geist, dann in ihre B\u00fccher und auf Gegenst\u00e4nde zu schreiben, die ihnen vor Augen kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unser Direktor wird gebeten, diese Regeln zu pr\u00fcfen und uns sein Urteil dar\u00fcber mitzuteilen. Wir versichern ihm, dass wir alle vollst\u00e4ndig von seinem Willen abh\u00e4ngen. Er kann an dieser Regel jene \u00c4nderungen vornehmen, die ihm zweckm\u00e4\u00dfig erscheinen.<\/p>\n<p>Und Maria? M\u00f6ge sie unsere Bem\u00fchungen segnen, denn die Eingebung, dieser frommen Gesellschaft Leben zu geben, kam ganz von ihr. M\u00f6ge sie unseren Hoffnungen zul\u00e4cheln und unsere Bitten erh\u00f6ren. Unter ihrem Mantel geborgen und durch ihren Schutz gest\u00e4rkt werden wir den St\u00fcrmen dieses tr\u00fcgerischen Meeres trotzen und die Angriffe des h\u00f6llischen Feindes \u00fcberwinden. Von ihr auf diese Weise gest\u00e4rkt, hoffen wir, unseren Gef\u00e4hrten zur Erbauung, unseren Oberen zum Trost und ihre geliebten S\u00f6hne zu sein. Wenn Gott uns Gnade und Leben schenkt, ihm im priesterlichen Dienst dienen zu k\u00f6nnen, werden wir uns mit allen unseren Kr\u00e4ften bem\u00fchen, dies mit gr\u00f6\u00dftem Eifer zu tun. Im Misstrauen gegen unsere eigenen Kr\u00e4fte und in unbegrenztem Vertrauen auf g\u00f6ttliche Hilfe d\u00fcrfen wir hoffen, dass wir nach diesem Tal der Tr\u00e4nen, getr\u00f6stet durch die Gegenwart Mariens, in jener letzten Stunde sicher jenen ewigen Lohn erreichen, den Gott denen bereith\u00e4lt, die ihm im Geist und in der Wahrheit dienen.\u201c<\/p>\n<p>Der Direktor des Oratoriums las tats\u00e4chlich die oben dargelegte Lebensregel und billigte sie nach sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung unter folgenden Bedingungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die genannten Versprechen haben nicht die Kraft eines Gel\u00fcbdes.<\/li>\n<li>Sie verpflichten auch nicht unter irgendeiner S\u00fcndenschuld.<\/li>\n<li>Bei den Zusammenk\u00fcnften soll irgendein \u00e4u\u00dferes Werk der N\u00e4chstenliebe festgelegt werden, etwa die Reinigung der Kirche, die Betreuung eines unwissenderen Kindes oder dessen Katechismusunterricht.<\/li>\n<li>Die Wochentage sollen so eingeteilt werden, dass an jedem Tag einige Kommunionen stattfinden.<\/li>\n<li>Keine religi\u00f6se \u00dcbung soll ohne besondere Erlaubnis der Oberen hinzugef\u00fcgt werden.<\/li>\n<li>Als grundlegendes Ziel soll die F\u00f6rderung der Verehrung der allerseligsten unbefleckten Jungfrau Maria und des Allerheiligsten Sakraments gelten.<\/li>\n<li>Bevor jemand aufgenommen wird, soll man ihn das Leben Luigi Comollos<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> lesen lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828420\"><\/a>KAPITEL XVIII. Seine besonderen Freundschaften \u2013 Seine Beziehung zu dem jungen Camillo Gavio<a name=\"_Toc504540968\"><\/a><a name=\"_Toc504541403\"><\/a><a name=\"_Toc504541965\"><\/a><a name=\"_Toc530304062\"><\/a><a name=\"_Toc24283675\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder war mit Domenico befreundet; wer ihn nicht liebte, achtete ihn wegen seiner Tugenden. Er verstand es, mit allen gut auszukommen. Er war in der Tugend so gefestigt, dass man ihm riet, mit einigen etwas ungezogenen jungen Menschen Umgang zu pflegen, um zu versuchen, sie f\u00fcr den Herrn zu gewinnen. Er nutzte Erholung, Spiele und selbst gleichg\u00fcltige Gespr\u00e4che, um daraus geistlichen Nutzen zu ziehen. Dennoch waren die Mitglieder der Gesellschaft von der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis seine besonderen Freunde. Mit ihnen kam er, wie gesagt, bald zu geistlichen Besprechungen, bald zu \u00dcbungen christlicher Fr\u00f6mmigkeit zusammen. Diese Zusammenk\u00fcnfte fanden mit Erlaubnis der Oberen statt, wurden jedoch von den jungen Menschen selbst begleitet und geordnet. Sie besprachen darin, wie die Novenen vor den gr\u00f6\u00dferen Festen zu halten seien; sie verteilten die Kommunionen, die jeder an bestimmten Wochentagen empfangen sollte; sie teilten sich jene jungen Menschen zu, die sittliche Begleitung brauchten, und jeder nahm einen von ihnen gleichsam als Sch\u00fctzling an. Dann <em>wandten sie<\/em> alle Mittel an, die die christliche N\u00e4chstenliebe nahelegt, um ihn auf den Weg der Tugend zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Savio geh\u00f6rte zu den Eifrigsten, und man kann sagen, dass er bei diesen Besprechungen die Rolle des Lehrers \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte mehrere Gef\u00e4hrten Savios nennen, die an diesen Zusammenk\u00fcnften teilnahmen und viel mit ihm verkehrten; da sie jedoch noch leben, scheint es klug, nicht \u00fcber sie zu sprechen. Ich werde nur zwei nennen, die bereits in die himmlische Heimat gerufen wurden: Camillo Gavio aus Tortona und Giovanni Massaglia aus Marmorito.<\/p>\n<p>Gavio blieb nur zwei Monate bei uns, doch diese Zeit gen\u00fcgte, um bei seinen Gef\u00e4hrten ein heiliges Andenken an ihn zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Seine leuchtende Fr\u00f6mmigkeit und seine gro\u00dfe Begabung f\u00fcr Malerei und Bildhauerei hatten die Stadtverwaltung seiner Heimat dazu bewogen, ihn zu unterst\u00fctzen, damit er nach Turin kommen und seine k\u00fcnstlerischen Studien fortsetzen k\u00f6nne. In der Heimat hatte er eine schwere Krankheit durchgemacht. Als er ins Oratorium kam, sei es, weil er noch genesend war, sei es, weil er sich fern von Heimat und Angeh\u00f6rigen befand, sei es auch wegen der Gesellschaft ihm v\u00f6llig unbekannter junger Menschen, stand er da und sah den anderen beim Spielen zu, war aber in ernste Gedanken versunken. Savio bemerkte ihn, n\u00e4herte sich sofort, um ihn zu tr\u00f6sten, und f\u00fchrte mit ihm genau folgendes Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Savio begann: \u201aNun, mein Lieber, du kennst hier noch niemanden, nicht wahr?\u2018<\/p>\n<p><em>Gavio. \u2013 <\/em>Das stimmt; aber ich erhole mich, indem ich den anderen beim Spielen zusehe.<\/p>\n<p>\u2013 Wie hei\u00dft du?<\/p>\n<p>\u2013 Camillo Gavio aus Tortona.<\/p>\n<p>\u2013 Wie alt bist du?<\/p>\n<p>\u2013 Ich bin f\u00fcnfzehn Jahre alt.<\/p>\n<p>\u2013 Woher kommt die Traurigkeit, die man in deinem Gesicht sieht? Warst du vielleicht krank?<\/p>\n<p>\u2013 Ja, ich war wirklich krank; ich hatte eine Krankheit mit Herzklopfen, die mich an den Rand des Grabes brachte, und ich bin noch nicht ganz davon genesen.<\/p>\n<p>\u2013 Du m\u00f6chtest gesund werden, nicht wahr?<\/p>\n<p>\u2013 Nicht so sehr; ich m\u00f6chte den Willen Gottes tun.<\/p>\n<p>Diese letzten Worte lie\u00dfen erkennen, dass Gavio ein junger Mensch von ungew\u00f6hnlicher Fr\u00f6mmigkeit war, und bereiteten Savios Herz wahren Trost. So fuhr er voller Vertrauen fort: \u201aWer den Willen Gottes tun will, will sich selbst heiligen. Du willst also heilig werden?\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Diesen Wunsch habe ich sehr stark.<\/p>\n<p>\u2013 Gut, dann werden wir die Zahl unserer Freunde vermehren. Du wirst zu denen geh\u00f6ren, die an dem teilnehmen, was wir tun, um heilig zu werden.<\/p>\n<p>\u2013 Was du mir sagst, ist sch\u00f6n; aber ich wei\u00df nicht, was ich tun soll!<\/p>\n<p>\u2013 Ich sage es dir mit wenigen Worten: Wisse, dass wir hier die Heiligkeit darin bestehen lassen, sehr fr\u00f6hlich zu sein. Wir bem\u00fchen uns nur, die S\u00fcnde zu meiden wie einen gro\u00dfen Feind, der uns die Gnade Gottes und den Frieden des Herzens raubt; wir bem\u00fchen uns, unsere Pflichten genau zu erf\u00fcllen und die \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit h\u00e4ufig zu pflegen. Schreib dir von heute an als Merksatz<em> auf: Servite Domino in laetitia<\/em> \u2013 dient dem Herrn in heiliger Freude.<\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch war wie Balsam f\u00fcr Gavios Kummer und schenkte ihm echten Trost. Von jenem Tag an wurde er ein treuer Freund Savios und ein best\u00e4ndiger Nachahmer seiner Tugenden. Doch die Krankheit, die ihn an den Rand des Grabes gebracht hatte und nicht v\u00f6llig geheilt war, kehrte nach zwei Monaten zur\u00fcck; trotz der Sorge von \u00c4rzten und Freunden fand man kein Heilmittel mehr. Nach einigen Tagen zunehmender Verschlechterung empfing er mit gro\u00dfer Erbauung die letzten Sakramente und gab am 30. Dezember 1856<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> seine Seele dem Sch\u00f6pfer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Domenico besuchte ihn w\u00e4hrend seiner Krankheit mehrmals und bot sich an, nachts bei ihm zu wachen, obwohl man ihm dies nicht gestattete. Als er erfuhr, dass Gavio gestorben war, wollte er ihn ein letztes Mal sehen; beim Anblick des Toten sagte er bewegt:<\/p>\n<p>\u201aLeb wohl, Gavio. Ich bin innerlich \u00fcberzeugt, dass du in den Himmel geflogen bist; bereite deshalb einen Platz f\u00fcr mich vor. Ich werde immer dein Freund bleiben; solange der Herr mich am Leben l\u00e4sst, werde ich f\u00fcr die Ruhe deiner Seele beten.\u2018<\/p>\n<p>Danach ging er mit den anderen Gef\u00e4hrten in das Zimmer des Verstorbenen, um das Totenoffizium zu beten; im Lauf des Tages wurden weitere Gebete verrichtet. Dann lud er einige der besten Mitsch\u00fcler ein, die heilige Kommunion zu empfangen, und auch er selbst empfing sie mehrfach f\u00fcr den verstorbenen Freund.<\/p>\n<p>Unter anderem sagte er zu seinen Freunden: \u201aMeine Lieben, vergessen wir die Seele unseres Freundes nicht. Ich hoffe, dass er jetzt schon die Herrlichkeit des Himmels genie\u00dft; dennoch wollen wir nicht aufh\u00f6ren, f\u00fcr die Ruhe seiner Seele zu beten. Alles, was wir jetzt f\u00fcr ihn tun, wird Gott eines Tages andere auch f\u00fcr uns tun lassen.\u2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828421\"><\/a>KAPITEL XIX. Seine Beziehung zu dem jungen Giovanni Massaglia<a name=\"_Toc504540969\"><\/a><a name=\"_Toc504541404\"><\/a><a name=\"_Toc504541966\"><\/a><a name=\"_Toc530304063\"><\/a><a name=\"_Toc24283676\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>L\u00e4nger und inniger waren Savios Beziehungen zu Massaglia aus Marmorito, einem Ort unweit von Mondonio.<\/p>\n<p>Beide kamen zur selben Zeit in das Haus des Oratoriums; ihre Heimatorte lagen nahe beieinander; beide hatten denselben Willen, den geistlichen Stand zu ergreifen, und den aufrichtigen Wunsch, heilig zu werden.<\/p>\n<p>\u2013 Es gen\u00fcgt nicht \u2013 sagte Domenico eines Tages zu seinem Freund \u2013, es gen\u00fcgt nicht zu sagen, dass wir Geistliche werden wollen; wir m\u00fcssen uns darum bem\u00fchen, jene Tugenden zu erwerben, die f\u00fcr diesen Stand notwendig sind.<\/p>\n<p>\u2013 Das stimmt \u2013 antwortete der Freund \u2013, aber wenn wir unsererseits tun, was wir k\u00f6nnen, wird Gott uns die Gnade und Kraft nicht fehlen lassen, eine so gro\u00dfe Gunst zu verdienen: Diener Jesu Christi zu werden.<\/p>\n<p>Als die Osterzeit kam, machten sie zusammen mit den anderen jungen Menschen die geistlichen Exerzitien in sehr vorbildlicher Weise. Nach deren Abschluss sagte Domenico zu seinem Gef\u00e4hrten: \u201aIch m\u00f6chte, dass wir wahre Freunde sind, wahre Freunde in den Dingen der Seele. Deshalb w\u00fcnsche ich, dass wir von jetzt an einander in allem ermahnen, was zum geistlichen Wohl beitragen kann. Wenn du also an mir irgendeinen Fehler bemerkst, sag es mir sofort, damit ich ihn verbessern kann; oder wenn du etwas Gutes erkennst, das ich tun k\u00f6nnte, vers\u00e4ume nicht, es mir vorzuschlagen.\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Das werde ich gern f\u00fcr dich tun, obwohl du es nicht n\u00f6tig hast; aber du musst es noch viel mehr mir gegen\u00fcber tun. Denn wie du wei\u00dft, bin ich wegen meines Alters, meines Studiums und meiner Schulstufe gr\u00f6\u00dferen Gefahren ausgesetzt.<\/p>\n<p>\u2013 Lassen wir die H\u00f6flichkeiten beiseite und helfen wir einander, unserer Seele Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Von da an wurden Savio und Massaglia wahre Freunde, und ihre Freundschaft blieb dauerhaft, weil sie auf Tugend gegr\u00fcndet war. Durch Beispiel und Rat wetteiferten sie darin, einander zu helfen, das B\u00f6se zu meiden und das Gute zu \u00fcben.<\/p>\n<p>Am Ende des Schuljahres, nachdem die Pr\u00fcfungen abgelegt waren, erhielt jeder junge Mensch des Hauses die Erlaubnis, die Ferien bei den Eltern oder bei anderen Verwandten zu verbringen.<\/p>\n<p>Einige wollten im Studium vorankommen und sich besser den \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit widmen und zogen es deshalb vor, im Oratorium zu bleiben; darunter waren Savio und Massaglia. Da ich wusste, wie sehns\u00fcchtig ihre Angeh\u00f6rigen sie erwarteten und wie sehr sie selbst Erholung von ihrer M\u00fcdigkeit brauchten, sagte ich zu beiden: \u201aWarum geht ihr nicht einige Tage in die Ferien?\u2018 Statt zu antworten, begannen sie zu lachen. \u2013 \u201aWas wollt ihr mir mit diesem Lachen sagen?\u2018<\/p>\n<p>Domenico antwortete: \u201aWir wissen, dass unsere Angeh\u00f6rigen mit Freude auf uns warten; auch wir lieben sie und w\u00fcrden gern hingehen. Aber wir wissen auch: Solange der Vogel im K\u00e4fig ist, genie\u00dft er zwar keine Freiheit, doch ist er vor dem Falken sicher. Au\u00dferhalb des K\u00e4figs dagegen fliegt er, wohin er will, kann aber von einem Augenblick zum anderen in die Klauen des h\u00f6llischen Falken geraten.\u2018<\/p>\n<p>Trotzdem hielt ich es f\u00fcr gut, sie wegen ihrer Gesundheit eine Zeit lang nach Hause zu schicken; sie f\u00fcgten sich meinem Willen nur aus Gehorsam und blieben dort genau so viele Tage, wie ihnen ausdr\u00fccklich vorgeschrieben worden waren.<\/p>\n<p>Wollte ich die sch\u00f6nen Tugendz\u00fcge des jungen Massaglia beschreiben, m\u00fcsste ich zu einem gro\u00dfen Teil wiederholen, was \u00fcber Savio gesagt wurde, dessen treuer Nachfolger er zu Lebzeiten war. Er erfreute sich guter Gesundheit und gab im Studium die besten Hoffnungen. Nach Abschluss der Rhetorikklasse bestand er erfolgreich die Pr\u00fcfung f\u00fcr die Einkleidung als Kleriker. Doch dieses Gewand, das er so liebte und so hoch achtete, konnte er nur einige Monate tragen. Von einer Erk\u00e4ltung befallen, die zun\u00e4chst wie ein gew\u00f6hnlicher Schnupfen aussah, wollte er nicht einmal seine Studien unterbrechen. Damit er gr\u00fcndlich behandelt w\u00fcrde und keine Gelegenheit zum Studieren h\u00e4tte, nahmen die Eltern ihn mit nach Hause. W\u00e4hrend dieses Aufenthalts in der Heimat schrieb er seinem Freund folgenden Brief:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lieber Freund,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich dachte, ich m\u00fcsste nur einige Tage zu Hause verbringen und dann ins Oratorium zur\u00fcckkehren; deshalb habe ich alle meine Schulsachen dort gelassen. Jetzt merke ich jedoch, dass sich die Sache hinzieht und der Ausgang meiner Krankheit immer ungewisser wird. Der Arzt sagt mir, es gehe besser; mir scheint, es gehe schlechter. Wir werden sehen, wer recht hat. Lieber Domenico, fern von dir und vom Oratorium empfinde ich gro\u00dfen Kummer, weil ich hier nicht die M\u00f6glichkeit habe, mich den Andachts\u00fcbungen zu widmen. Ich tr\u00f6ste mich nur, indem ich mich an jene Tage erinnere, die wir festsetzten, um uns gemeinsam auf die heilige Kommunion vorzubereiten und sie zu empfangen.<\/p>\n<p>Ich hoffe dennoch, dass wir, obwohl k\u00f6rperlich getrennt, nicht auch im Geist getrennt sein werden.<\/p>\n<p>Unterdessen bitte ich dich, in den Studiensaal zu gehen und als eine Art Aufseher mein Pult zu besuchen. Dort wirst du einige handschriftliche Bl\u00e4tter finden; daneben liegt der <em>Kempis, also De imitatione <\/em>Christi. Mach daraus ein einziges Paket und schick es mir. Achte darauf, dass es das lateinische Buch ist; denn obwohl mir die \u00dcbersetzung gef\u00e4llt, bleibt sie doch eine \u00dcbersetzung, in der ich nicht jene Freude finde, die ich am lateinischen Original habe. Ich bin m\u00fcde vom Nichtstun; dennoch verbietet mir der Arzt das Studieren. Ich gehe viel in meinem Zimmer umher und sage oft: \u201aWerde ich von dieser Krankheit genesen? Werde ich meine Gef\u00e4hrten wiedersehen? Wird dies meine letzte Krankheit sein?\u2018 Was aus all dem werden wird, wei\u00df Gott allein. Mir scheint, ich sei bereit, in allen drei F\u00e4llen den heiligen und liebenswerten Willen Gottes zu tun.<\/p>\n<p>Wenn du einen guten Rat hast, schreib ihn mir. Sag mir, wie es um deine Gesundheit steht; denke in deinen Gebeten an mich, besonders wenn du die heilige Kommunion empf\u00e4ngst. Mut! Liebe mich von ganzem Herzen im Herrn. Wenn wir im gegenw\u00e4rtigen Leben nicht lange miteinander verweilen k\u00f6nnen, hoffe ich, dass wir eines Tages in s\u00fc\u00dfer Gemeinschaft in der seligen Ewigkeit gl\u00fccklich leben werden.<\/p>\n<p>Gr\u00fc\u00dfe unsere Freunde, besonders die Mitbr\u00fcder der Gesellschaft von der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis. Der Herr sei mit dir; glaube mir stets als deinem innig ergebenen<\/p>\n<p>GIOVANNI MASSAGLIA.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Domenico f\u00fchrte den Auftrag seines Freundes aus und f\u00fcgte der Sendung der erbetenen Dinge folgenden Brief bei:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein lieber Massaglia,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dein Brief hat mir Freude bereitet, weil ich dadurch erfahren habe, dass du noch lebst. Seit deiner Abreise hatten wir n\u00e4mlich keine Nachricht mehr von dir, und ich wusste nicht, ob ich f\u00fcr dich das Gloria Patri oder das <em>De profundis <\/em>beten <em>sollte. Du wirst <\/em>die Gegenst\u00e4nde erhalten, um die du mich gebeten hast. Ich muss dir nur sagen, dass der Kempis zwar ein guter Freund ist, aber tot ist und sich niemals von selbst vom Platz bewegt. Du musst ihn also suchen, ihn aufr\u00fctteln, ihn lesen und dich bem\u00fchen, das in die Tat umzusetzen, was du darin liest.<\/p>\n<p>Du sehnst dich nach den M\u00f6glichkeiten, die wir hier f\u00fcr die \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit haben, und du hast recht. Wenn ich in Mondonio bin, habe ich dasselbe Problem. Ich versuchte, es dadurch auszugleichen, dass ich t\u00e4glich das Allerheiligste Sakrament besuchte und m\u00f6glichst viele Gef\u00e4hrten mitnahm. Neben dem Kempis las<em> ich den Tesoro nascosto nella santa <\/em>messa des seligen Leonardo. Wenn es dir <em>gut <\/em>scheint, mach du es ebenso. Du sagst mir, du w\u00fcsstest nicht, ob du wieder ins Oratorium kommen wirst, um uns zu besuchen. Auch meine sterbliche H\u00fclle erscheint schon ziemlich abgenutzt, und alles l\u00e4sst mich ahnen, dass ich mich mit gro\u00dfen Schritten dem Ende meiner Studien und meines Lebens n\u00e4here. Jedenfalls machen wir es so: Beten wir f\u00fcreinander, damit wir beide einen guten Tod sterben. Wer von uns zuerst ins Paradies geht, soll dem Freund einen Platz vorbereiten und ihm, wenn dieser ihn aufsucht, die Hand reichen, um ihn in die Wohnung des Himmels einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Gott erhalte uns immer in seiner Gnade und helfe uns, heilig zu werden \u2013 aber bald heilig, denn ich f\u00fcrchte, dass uns die Zeit fehlen k\u00f6nnte. Alle unsere Freunde sehnen sich nach deiner R\u00fcckkehr ins Oratorium und gr\u00fc\u00dfen dich herzlich im Herrn.<\/p>\n<p>Ich meinerseits erkl\u00e4re mich mit br\u00fcderlicher Liebe und Zuneigung stets als dein<\/p>\n<p><em>innigster Freund<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>DOMENICO SAVIO.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Krankheit des jungen Massaglia schien zun\u00e4chst leicht. Mehrmals schien sie vollst\u00e4ndig \u00fcberwunden, mehrmals kehrte sie zur\u00fcck, bis er beinahe unerwartet ans Ende seines Lebens gelangte.<\/p>\n<p>\u201eEr hatte Zeit\u201c, schrieb der Theologe Valfr\u00e9, sein geistlicher Leiter w\u00e4hrend der Ferien, \u201emit gr\u00f6\u00dfter Vorbildlichkeit alle Tr\u00f6stungen unserer heiligen katholischen Religion zu empfangen; er starb den Tod des Gerechten, der die Welt verl\u00e4sst, um in den Himmel zu fliegen.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Der Verlust dieses Freundes betr\u00fcbte Savio tief. Obwohl er sich dem g\u00f6ttlichen Willen ergab, beweinte er ihn mehrere Tage. Es war das erste Mal, dass ich jenes engelhafte Gesicht traurig werden und vor Schmerz weinen sah. Sein einziger Trost bestand darin, f\u00fcr den verstorbenen Freund zu beten und andere zum Gebet f\u00fcr ihn anzuregen. Bisweilen h\u00f6rte man ihn ausrufen: \u201aLieber Massaglia, du bist gestorben, und ich hoffe, dass du schon mit Gavio im Paradies bist. Wann werde ich euch in der unermesslichen Seligkeit des Himmels wiedersehen?\u2018<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ganzen Zeit, die Domenico seinen Freund \u00fcberlebte, behielt er ihn in seinen \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit stets gegenw\u00e4rtig. Er pflegte zu sagen, er k\u00f6nne weder die heilige Messe h\u00f6ren noch an einer Andachts\u00fcbung teilnehmen, ohne Gott die Seele dessen zu empfehlen, der sich zu Lebzeiten so sehr um sein Wohl bem\u00fcht hatte. Dieser Verlust war f\u00fcr Domenicos zartes Herz sehr schmerzlich und beeintr\u00e4chtigte auch seine Gesundheit merklich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828422\"><\/a>KAPITEL XX. Besondere Gnaden und au\u00dfergew\u00f6hnliche Begebenheiten<a name=\"_Toc504540970\"><\/a><a name=\"_Toc504541405\"><\/a><a name=\"_Toc504541967\"><\/a><a name=\"_Toc530304064\"><\/a><a name=\"_Toc24283677\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bisher habe ich Dinge erz\u00e4hlt, die nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches an sich haben \u2013 es sei denn, man wollte eine best\u00e4ndig gute Lebensf\u00fchrung au\u00dfergew\u00f6hnlich nennen, die sich durch die Unschuld des Lebens, Bu\u00dfwerke und \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit immer weiter vervollkommnete. Au\u00dfergew\u00f6hnlich k\u00f6nnte man auch die Lebendigkeit seines Glaubens, seine feste Hoffnung, seine gl\u00fchende Liebe und seine Beharrlichkeit im Guten bis zum letzten Atemzug nennen. Hier will ich jedoch besondere Gnaden und einige ungew\u00f6hnliche Begebenheiten darlegen, die vielleicht Anlass zu Kritik geben werden. Deshalb halte ich es f\u00fcr gut, den Leser darauf hinzuweisen, dass das, was ich hier berichte, volle \u00c4hnlichkeit mit Begebenheiten besitzt, die in der Bibel und in den Lebensbeschreibungen der Heiligen verzeichnet sind. Ich berichte Dinge, die ich mit eigenen Augen gesehen habe; ich versichere, dass ich gewissenhaft die Wahrheit schreibe, \u00fcberlasse aber die Beurteilung ganz dem besonnenen Leser. Hier ist der Bericht.<\/p>\n<p>Mehrmals geschah es, wenn er in die Kirche ging, besonders an Tagen, an denen Domenico die heilige Kommunion empfing oder das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt war, dass er wie den Sinnen entr\u00fcckt blieb; so verging manchmal eine allzu lange Zeit, wenn man ihn nicht rief, damit er seine gew\u00f6hnlichen Pflichten erf\u00fclle.<\/p>\n<p>Eines Tages fehlte er beim Fr\u00fchst\u00fcck, in der Schule und sogar beim Mittagessen, und niemand wusste, wo er war. Im Studiensaal war er nicht, im Bett ebenfalls nicht. Als man dies dem Direktor berichtete, kam ihm der Verdacht auf das, was tats\u00e4chlich der Fall war: Domenico k\u00f6nnte in der Kirche sein, wie es schon fr\u00fcher vorgekommen war. Er ging in die Kirche, trat in den Chorraum und sah ihn dort unbeweglich wie einen Stein. Er hatte einen Fu\u00df auf den anderen gestellt, eine Hand auf das Pult des Antiphonars gelegt, die andere auf der Brust; sein Gesicht war starr zum Tabernakel gerichtet. Er bewegte nicht einmal die Augenlider. Der Direktor rief ihn \u2013 keine Antwort. Er r\u00fcttelte ihn, da wandte Domenico den Blick zu ihm und sagte: \u201aOh, ist die Messe schon vorbei?\u2018 \u2013 \u201aSchau\u2018, antwortete der Direktor und zeigte ihm die Uhr, \u201aes ist zwei Uhr.\u2018 Domenico bat dem\u00fctig um Verzeihung f\u00fcr die \u00dcbertretung der Hausordnung. Der Direktor schickte ihn zum Essen und sagte: \u201aWenn jemand dich fragt: Woher kommst du?, dann antworte, dass du einen Auftrag von mir ausgef\u00fchrt hast.\u2018 Dies wurde gesagt, um unpassende Fragen zu vermeiden, die seine Gef\u00e4hrten ihm vielleicht gestellt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>An einem anderen Tag wollte ich nach der gew\u00f6hnlichen Danksagung nach der Messe die Sakristei verlassen, als ich im Chor eine Stimme h\u00f6rte, wie von jemandem, der ein Gespr\u00e4ch f\u00fchrte. Ich ging nachsehen und fand Savio, der sprach und dann innehielt, als ob er einer Antwort Raum g\u00e4be. Unter anderem h\u00f6rte ich deutlich diese Worte: \u201aJa, mein Gott, ich habe es Euch schon gesagt und sage es Euch nochmals: Ich liebe Euch und will Euch bis zum Tod lieben. Wenn Ihr seht, dass ich Euch beleidigen werde, sendet mir den Tod: ja, lieber den Tod, aber nicht s\u00fcndigen.\u2018<\/p>\n<p>Bisweilen fragte ich ihn, was er w\u00e4hrend jener langen Verz\u00f6gerungen tue, und er antwortete in aller Einfachheit: \u201aArmer Kerl, der ich bin! Eine Zerstreuung \u00fcberkommt mich, und in diesem Augenblick verliere ich den Faden meiner Gebete; dann scheint es mir, so sch\u00f6ne Dinge zu sehen, dass die Stunden wie ein Augenblick vergehen.\u2018<\/p>\n<p>Eines Tages trat er in mein Zimmer und sagte: \u201aSchnell, kommen Sie mit mir; es gibt ein gutes Werk zu tun.\u2018 \u2013 \u201aWohin willst du mich f\u00fchren?\u2018 fragte ich. \u2013 \u201aMachen Sie schnell\u2018, f\u00fcgte er hinzu, \u201amachen Sie schnell.\u2018 Ich z\u00f6gerte noch; doch da er darauf bestand und ich schon bei anderen Gelegenheiten die Bedeutung solcher Einladungen erfahren hatte, gab ich nach. Ich folgte ihm. Er ging aus dem Haus, durch eine Stra\u00dfe, dann durch eine andere und noch eine weitere, ohne stehen zu bleiben oder ein Wort zu sagen. Schlie\u00dflich bog er in eine andere Stra\u00dfe ein; ich folgte ihm von T\u00fcr zu T\u00fcr, bis er stehen blieb. Er stieg eine Treppe hinauf, ging bis in den dritten Stock und l\u00e4utete kr\u00e4ftig. \u201aHier m\u00fcssen Sie hineingehen\u2018, sagte er \u2013 und ging sofort fort.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr wurde mir ge\u00f6ffnet. \u201aOh, schnell!\u2018 sagte man mir. \u201aSchnell, sonst ist es zu sp\u00e4t. Mein Mann hatte das Ungl\u00fcck, Protestant zu werden; jetzt liegt er im Sterben und bittet inst\u00e4ndig darum, als guter Katholik sterben zu k\u00f6nnen.\u2018<\/p>\n<p>Ich begab mich sofort an das Bett des Kranken, der eine lebhafte Sorge zeigte, die Angelegenheiten seines Gewissens zu ordnen. Nachdem die Dinge dieser Seele in gr\u00f6\u00dfter Eile in Ordnung gebracht waren, kam der Pfarrer der Pfarrei St. Augustinus, den man schon zuvor hatte rufen lassen. Er konnte ihm das Sakrament der Krankensalbung nur noch mit einer einzigen Salbung spenden, denn der Kranke starb unmittelbar darauf.<\/p>\n<p>Eines Tages wollte ich Savio fragen, wie er hatte wissen k\u00f6nnen, dass sich dort ein Kranker befand. Er sah mich mit schmerzlichem Ausdruck an und begann dann zu weinen. Ich stellte ihm keine weitere Frage mehr.<\/p>\n<p>Die Unschuld seines Lebens, seine Liebe zu Gott und sein Verlangen nach den himmlischen Dingen hatten Domenicos Geist in einen solchen Zustand versetzt, dass man sagen konnte, er sei gew\u00f6hnlich ganz in Gott versunken.<\/p>\n<p>Bisweilen unterbrach er die Erholung, wandte den Blick ab und begann allein umherzugehen. Fragte man ihn, warum er seine Gef\u00e4hrten so verlasse, antwortete er: \u201aDie gew\u00f6hnlichen Zerstreuungen \u00fcberkommen mich, und es scheint mir, als \u00f6ffne sich das Paradies \u00fcber meinem Haupt; dann muss ich mich von den Gef\u00e4hrten entfernen, damit ich ihnen nicht Dinge sage, die sie vielleicht l\u00e4cherlich machen w\u00fcrden.\u2018 Eines Tages sprach man w\u00e4hrend der Erholung von dem gro\u00dfen Lohn, den Gott im Himmel denen bereitet hat, die das Gewand der Unschuld bewahren. Unter anderem sagte man: \u201aDie Unschuldigen sind im Himmel der Person unseres g\u00f6ttlichen Erl\u00f6sers am n\u00e4chsten und werden ihm in Ewigkeit besondere Lobges\u00e4nge singen.\u2018<\/p>\n<p>Das gen\u00fcgte, um seinen Geist zum Herrn zu erheben; er blieb unbeweglich und sank wie leblos in die Arme eines der Anwesenden.<\/p>\n<p>Solche Verz\u00fcckungen des Geistes widerfuhren ihm beim Studium, auf dem Hin- und R\u00fcckweg von der Schule und sogar in der Schule selbst.<\/p>\n<p>Sehr gern sprach er vom R\u00f6mischen Papst und \u00e4u\u00dferte den lebhaften Wunsch, ihn vor seinem Tod noch sehen zu k\u00f6nnen. Wiederholt versicherte er, er habe ihm etwas von gro\u00dfer Bedeutung zu sagen.<\/p>\n<p>Da er immer wieder dasselbe sagte, wollte ich ihn fragen, was denn jene wichtige Sache sei, die er dem Papst mitteilen wolle.<\/p>\n<p>\u2013 Wenn ich mit dem Papst sprechen k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich ihm sagen, dass er inmitten der Drangsale, die ihn erwarten, nicht aufh\u00f6ren soll, sich mit besonderer Sorge um England zu k\u00fcmmern; Gott bereitet dem Katholizismus in jenem Reich einen gro\u00dfen Triumph vor.<\/p>\n<p>\u2013 Worauf st\u00fctzt du diese Worte?<\/p>\n<p>\u2013 Ich sage es Ihnen, aber ich m\u00f6chte nicht, dass Sie mit anderen dar\u00fcber sprechen, damit ich nicht vielleicht dem Spott ausgesetzt werde. Wenn Sie jedoch nach Rom gehen, sagen Sie es Pius IX. Es war so: Eines sch\u00f6nen Morgens, w\u00e4hrend ich nach der Kommunion die Danksagung hielt, wurde ich von einer starken Zerstreuung \u00fcberrascht. Mir schien, ich s\u00e4he eine riesige Ebene voller Menschen, die in dichten Nebel geh\u00fcllt waren. Sie gingen umher, aber wie Menschen, die den Weg verloren haben und nicht mehr sehen, wohin sie den Fu\u00df setzen. \u201aDieses Land\u2018, sagte mir jemand, der neben mir stand, \u201aist England.\u2018 Als ich noch Weiteres fragen wollte, sah ich Papst Pius IX., genau so, wie ich ihn auf einigen Bildern dargestellt gesehen hatte. Majest\u00e4tisch gekleidet und eine \u00fcberaus helle Fackel in den H\u00e4nden tragend, schritt er auf jene ungeheure Menschenmenge zu. Je n\u00e4her er kam, desto mehr verschwand im Licht dieser Fackel der Nebel, und die Menschen standen in einer Helligkeit wie am Mittag. \u201aDiese Fackel\u2018, sagte mir der Begleiter, \u201aist die katholische Religion, die die Engl\u00e4nder erleuchten soll.\u2018<\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Als ich im Jahr 1858 nach Rom kam, wollte ich diese Begebenheit dem Papst erz\u00e4hlen, der sie mit G\u00fcte und Freude anh\u00f6rte. \u201aDies\u2018, sagte der Papst, \u201abest\u00e4rkt mich in meinem Vorsatz, mit Nachdruck zugunsten Englands zu arbeiten, dem ich bereits meine lebhafteste Sorge zugewandt habe. Dieser Bericht ist f\u00fcr mich, wenn nichts anderes, doch wie der Rat einer guten Seele.\u2018<\/p>\n<p>Viele andere \u00e4hnliche Begebenheiten lasse ich aus. Es gen\u00fcgt mir, sie schriftlich festzuhalten und anderen zu \u00fcberlassen, sie zu ver\u00f6ffentlichen, wenn man der Ansicht sein wird, dass dies zur gr\u00f6\u00dferen Ehre Gottes dient.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828423\"><\/a>KAPITEL XXI. Seine Gedanken \u00fcber den Tod und seine Vorbereitung auf einen heiligen Tod<a name=\"_Toc504540971\"><\/a><a name=\"_Toc504541406\"><\/a><a name=\"_Toc504541968\"><\/a><a name=\"_Toc530304065\"><\/a><a name=\"_Toc24283678\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer gelesen hat, was wir bisher \u00fcber den jungen Domenico Savio geschrieben haben, wird leicht erkennen, dass sein Leben eine best\u00e4ndige Vorbereitung auf den Tod war. Er betrachtete die Gesellschaft von der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis als ein wirksames Mittel, sich den Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria in der Todesstunde zu sichern, die ihm, wie jeder ahnte, nicht fern war. Ich wei\u00df nicht, ob er von Gott eine Offenbarung \u00fcber den Tag und die Umst\u00e4nde seines Todes erhalten hatte oder nur eine fromme Vorahnung. Sicher ist jedoch, dass er lange vor seinem Tod davon sprach und zwar mit einer solchen Klarheit, dass jemand, der erst nach seinem Tod dar\u00fcber gesprochen h\u00e4tte, es nicht besser h\u00e4tte tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit R\u00fccksicht auf seinen Gesundheitszustand wurde alles getan, um ihn beim Studium und bei den \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit zu m\u00e4\u00dfigen. Dennoch nahmen seine Kr\u00e4fte von Tag zu Tag ab, sei es wegen seiner nat\u00fcrlichen Zartheit, wegen einiger pers\u00f6nlicher Beschwerden oder wegen der best\u00e4ndigen Anspannung des Geistes. Er selbst bemerkte es und sagte bisweilen: \u201aIch muss mich beeilen, sonst \u00fcberrascht mich die Nacht auf dem Weg.\u2018 Damit wollte er sagen, dass ihm nur wenig Lebenszeit blieb und er eifrig gute Werke tun m\u00fcsse, bevor der Tod komme.<\/p>\n<p>In diesem Haus ist es Brauch, dass unsere jungen Menschen einmal im Monat die \u00dcbung vom guten Tod halten. Diese \u00dcbung besteht darin, sich auf Beichte und Kommunion vorzubereiten, als w\u00e4ren es die letzten des Lebens. Der regierende Papst Pius IX. hat in seiner gro\u00dfen G\u00fcte diese \u00dcbung mit verschiedenen Abl\u00e4ssen bereichert. Domenico hielt sie mit einer Sammlung, wie man sie gr\u00f6\u00dfer nicht beschreiben kann. Am Ende der heiligen Feier pflegt man ein Vaterunser und Ave Maria f\u00fcr <em>denjenigen zu <\/em>beten, der unter den Anwesenden als Erster sterben wird. Eines Tages sagte er scherzend: \u201aStatt zu sagen: f\u00fcr denjenigen, der als Erster sterben wird, sagen Sie doch so: ein <em>Vaterunser<\/em> und<em> Ave<\/em> Maria f\u00fcr Domenico Savio, der von uns als Erster sterben wird.\u2018 Das sagte er mehrmals.<\/p>\n<p>Gegen Ende April 1856 trat er zum Direktor und fragte ihn, wie er den Marienmonat heilig begehen solle.<\/p>\n<p>\u2013 Du wirst ihn feiern \u2013 antwortete dieser \u2013, indem du deine Pflichten genau erf\u00fcllst, jeden Tag ein Beispiel zu Ehren Mariens erz\u00e4hlst und dich bem\u00fchst, so zu leben, dass du t\u00e4glich die heilige Kommunion empfangen kannst.<\/p>\n<p>\u2013 Das werde ich gewissenhaft zu tun versuchen; aber um welche Gnade soll ich bitten?<\/p>\n<p>\u2013 Du wirst die heilige Jungfrau bitten, dir von Gott Gesundheit und Gnade zu erwirken, damit du heilig wirst.<\/p>\n<p>\u2013 Dass sie mir helfe, heilig zu werden, dass sie mir helfe, einen heiligen Tod zu sterben, und dass sie mir in den letzten Augenblicken des Lebens beistehe und mich in den Himmel f\u00fchre.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zeigte er im Verlauf jenes Monats einen solchen Eifer, dass er wie ein Engel in menschlicher Gestalt erschien. Wenn er schrieb, sprach er von Maria; wenn er studierte, sang oder zur Schule ging, geschah alles zu ihrer Ehre. In der Erholungszeit sorgte er daf\u00fcr, jeden Tag ein Beispiel bereit zu haben, um es bald diesen, bald jenen versammelten Gef\u00e4hrten zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Eines Tages sagte ein Gef\u00e4hrte zu ihm: \u201aWenn du in diesem Jahr alles tust, was willst du dann im n\u00e4chsten Jahr noch tun?\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Lass mich nur machen \u2013 antwortete er. \u2013 In diesem Jahr will ich tun, was ich kann; n\u00e4chstes Jahr, wenn ich noch da bin, werde ich dir sagen, was ich tun werde.<\/p>\n<p>Um alle Mittel zu nutzen, die ihm zur Wiedererlangung der Gesundheit dienen konnten, lie\u00df ich mehrere \u00c4rzte zu einer Beratung zusammenkommen. Alle bewunderten Domenicos Heiterkeit, seine Geistesgegenwart und die Besonnenheit seiner Antworten. Doktor Francesco Vallauri seligen Andenkens, einer der verdienstvollen beratenden \u00c4rzte, sagte voller Bewunderung: \u201aWelch kostbare Perle ist doch dieser junge Mensch!\u2018<\/p>\n<p>\u2013 Was ist die Ursache des Leidens, durch das seine Gesundheit von Tag zu Tag mehr abnimmt? \u2013 fragte ich ihn.<\/p>\n<p>\u2013 Seine zarte Konstitution, seine fr\u00fch entwickelte Einsicht und die fortw\u00e4hrende Anspannung des Geistes sind wie Feilen, die unmerklich an seinen Lebenskr\u00e4ften zehren.<\/p>\n<p>\u2013 Welches Heilmittel k\u00f6nnte ihm am meisten n\u00fctzen?<\/p>\n<p>\u2013 Das n\u00fctzlichste Heilmittel w\u00e4re, ihn ins Paradies gehen zu lassen, wof\u00fcr er mir sehr gut vorbereitet scheint. Das Einzige, was sein Leben noch verl\u00e4ngern k\u00f6nnte, w\u00e4re, ihn f\u00fcr einige Zeit ganz vom Studium fernzuhalten und ihn mit k\u00f6rperlichen Besch\u00e4ftigungen zu betrauen, die seinen Kr\u00e4ften angemessen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828424\"><\/a>KAPITEL XXII. Seine Sorge f\u00fcr die Kranken \u2013 Er verl\u00e4sst das Oratorium \u2013 Seine Worte bei dieser Gelegenheit<a name=\"_Toc504540972\"><\/a><a name=\"_Toc504541407\"><\/a><a name=\"_Toc504541969\"><\/a><a name=\"_Toc530304066\"><\/a><a name=\"_Toc24283679\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ersch\u00f6pfung seiner Kr\u00e4fte war nicht so gro\u00df, dass sie ihn st\u00e4ndig ans Bett gefesselt h\u00e4tte; daher ging er zuweilen zur Schule oder zum Studium oder besch\u00e4ftigte sich mit h\u00e4uslichen Arbeiten. Zu den Dingen, denen er sich mit besonderer Freude widmete, geh\u00f6rte der Dienst an kranken Kameraden, wenn sich solche im Haus befanden.<\/p>\n<p>\u2013 Ich habe vor Gott keinerlei Verdienst, sagte er, wenn ich die Kranken pflege oder besuche, denn ich tue es mit allzu gro\u00dfer Freude; ja, es ist f\u00fcr mich eine liebe Erholung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er ihnen leibliche Dienste erwies, verstand er es sehr geschickt, stets auch etwas Geistliches anzuregen. Dieser Leib, <em>sagte er zu<\/em> einem kranken Kameraden, wird doch nicht ewig dauern, nicht wahr? Man muss zulassen, dass er sich nach und nach abnutzt, bis er ins Grab kommt; dann aber, mein Lieber, wird unsere Seele, von den Fesseln des Leibes befreit, glorreich zum Himmel fliegen und eine Gesundheit und ein Gl\u00fcck ohne Ende genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es geschah, dass ein Kamerad sich weigerte, eine Arznei zu trinken, weil sie bitter war. Mein Lieber, sagte Domenico zu ihm, wir m\u00fcssen jedes Heilmittel einnehmen, denn damit gehorchen wir Gott, der \u00c4rzte und Arzneien eingesetzt hat, weil sie notwendig sind, um die verlorene Gesundheit wiederzuerlangen; und wenn uns der Geschmack widersteht, werden wir f\u00fcr unsere Seele umso mehr Verdienst erwerben. Glaubst du \u00fcbrigens, deine Arznei sei so bitter und herb wie die Galle mit Essig, die Jesus am Kreuz zu trinken bekam? Diese Worte, mit seiner bewundernswerten Offenheit gesprochen, bewirkten, dass niemand mehr Einw\u00e4nde zu erheben wagte.<\/p>\n<p>Obwohl Savios Gesundheit sehr angegriffen war, war der Gedanke, nach Hause zu gehen, f\u00fcr ihn h\u00f6chst unangenehm, weil es ihm leidtat, sein Studium und seine gewohnten Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen zu unterbrechen. Einige Monate zuvor hatte ich ihn bereits nach Hause geschickt; doch er blieb dort nur wenige Tage, und bald sah ich ihn wieder im Oratorium erscheinen. Ich muss es sagen: Der Schmerz dar\u00fcber war gegenseitig; ich h\u00e4tte ihn um jeden Preis in diesem Haus behalten, denn meine Zuneigung zu ihm war die eines Vaters zu einem Sohn, der aller Liebe w\u00fcrdig ist. Doch der Rat der \u00c4rzte lautete so, und ich wollte ihm folgen, umso mehr, als sich seit einigen Tagen ein hartn\u00e4ckiger Husten gezeigt hatte.<\/p>\n<p>Man benachrichtigte daher den Vater und setzte die Abreise auf den 1. M\u00e4rz 1857 fest.<\/p>\n<p>Domenico f\u00fcgte sich diesem Entschluss, aber nur, um Gott ein Opfer daraus zu machen. Warum, fragte man ihn, gehst du so ungern nach Hause, wo du dich doch freuen solltest, die Gesellschaft deiner geliebten Eltern zu genie\u00dfen? Weil, antwortete er, ich meine Tage im Oratorium beschlie\u00dfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\u2013 Du wirst nach Hause gehen, und wenn du dich gesundheitlich etwas erholt hast, wirst du zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>\u2013 O nein, das nicht, nein; ich gehe fort und werde nicht mehr zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Am Abend vor seiner Abreise wich er mir nicht von der Seite; immer hatte er etwas zu fragen. Unter anderem sagte er: Was ist das Beste, was ein Kranker tun kann, um vor Gott Verdienste zu erwerben?<\/p>\n<p>\u2013 Gott h\u00e4ufig das aufopfern, was er leidet.<\/p>\n<p>\u2013 Was k\u00f6nnte er noch tun?<\/p>\n<p>\u2013 Dem Herrn sein Leben aufopfern.<\/p>\n<p>\u2013 Kann ich sicher sein, dass mir meine S\u00fcnden vergeben worden sind?<\/p>\n<p>\u2013 Ich versichere dir im Namen Gottes, dass dir deine S\u00fcnden vergeben worden sind.<\/p>\n<p>\u2013 Kann ich sicher sein, dass ich gerettet werde?<\/p>\n<p>\u2013 Ja, durch die g\u00f6ttliche Barmherzigkeit, die dir nicht fehlt, kannst du deiner Rettung sicher sein.<\/p>\n<p>\u2013 Wenn der Teufel k\u00e4me, um mich zu versuchen, was sollte ich ihm antworten?<\/p>\n<p>\u2013 Du wirst ihm antworten, dass du deine Seele Jesus Christus \u00fcbergeben hast und dass er sie um den Preis seines Blutes erkauft hat; wenn der Teufel dir noch eine andere Schwierigkeit vorhielte, wirst du ihn fragen, was er f\u00fcr deine Seele getan habe. Jesus Christus dagegen hat sein ganzes Blut vergossen, um sie aus der H\u00f6lle zu befreien und sie mit sich ins Paradies zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u2013 Werde ich vom Paradies aus meine Kameraden im Oratorium und meine Eltern sehen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u2013 Ja, vom Paradies aus wirst du alles sehen, was im Oratorium geschieht; du wirst deine Eltern und alles, was sie betrifft, sehen und noch tausendmal sch\u00f6nere Dinge.<\/p>\n<p>\u2013 Werde ich sie besuchen kommen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u2013 Du wirst kommen k\u00f6nnen, sofern dies zur gr\u00f6\u00dferen Ehre Gottes gereicht.<\/p>\n<p>Diese und sehr viele andere Fragen stellte er und glich einem Menschen, der schon mit einem Fu\u00df an der Pforte des Paradieses stand und sich, bevor er eintrat, noch genau \u00fcber die Dinge unterrichten wollte, die sich darin befanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828425\"><\/a>KAPITEL XXIII. Er verabschiedet sich von seinen Kameraden<a name=\"_Toc504540973\"><\/a><a name=\"_Toc504541408\"><\/a><a name=\"_Toc504541970\"><\/a><a name=\"_Toc530304067\"><\/a><a name=\"_Toc24283680\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Morgen seiner Abreise hielt er mit seinen Kameraden die \u00dcbung vom guten Tod, und zwar mit solcher Andacht bei der Beichte und beim Kommunionempfang, dass ich, der ich Zeuge davon war, nicht wei\u00df, wie ich es ausdr\u00fccken soll. Ich muss, sagte er, diese \u00dcbung gut machen, denn ich hoffe, dass sie f\u00fcr mich wirklich die \u00dcbung meines guten Todes sein wird. Sollte ich auf dem Weg sterben, h\u00e4tte ich wenigstens schon die Kommunion empfangen. Den Rest des Vormittags verwendete er ganz darauf, seine Sachen in Ordnung zu bringen. Er richtete seinen Koffer her und legte jeden Gegenstand so hinein, als m\u00fcsste er ihn nie mehr ber\u00fchren. Danach ging er von einem Kameraden zum andern: Dem einen gab er einen Rat, einen anderen ermahnte er, sich von einem Fehler zu bessern, einen dritten ermunterte er, im Guten auszuharren. Einen, dem er zwei Soldi zur\u00fcckgeben musste, rief er zu sich und sagte: Komm her, bringen wir unsere Rechnung in Ordnung, sonst wird mir das bei der Abrechnung mit dem Herrn Schwierigkeiten machen. Er sprach zu den Mitgliedern der Gesellschaft der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis und ermunterte sie mit den lebhaftesten Worten, in der Erf\u00fcllung der der allerseligsten Maria gegebenen Versprechen standhaft zu bleiben und ihr das lebendigste Vertrauen zu schenken. Im Augenblick der Abreise rief er mich und sagte genau diese Worte: Sie wollen also diesen meinen Kadaver (carcame, das hei\u00dft Skelett) nicht behalten, und ich bin gezwungen, ihn nach Mondonio mitzunehmen. Die M\u00fche w\u00fcrde nur wenige Tage dauern \u2026 dann w\u00e4re alles vorbei; doch der Wille Gottes geschehe. Wenn Sie nach Rom gehen, denken Sie an den Auftrag wegen Englands beim Papst; beten Sie, dass ich einen guten Tod sterben darf, und auf Wiedersehen im Paradies. Wir waren an der T\u00fcr angelangt, die aus dem Oratorium hinausf\u00fchrte, und er hielt noch immer meine Hand fest, als er sich den Kameraden zuwandte, die ihn umringten, und sagte: Lebt wohl, geliebte Kameraden, lebt alle wohl; betet f\u00fcr mich, und auf Wiedersehen dort, wo wir immer beim Herrn sein werden. Er war schon an der Hoft\u00fcr, als ich ihn zur\u00fcckkommen und zu mir sagen sah:<\/p>\n<p>\u2013 Geben Sie mir ein Geschenk, das ich als Andenken an Sie bewahren kann.<\/p>\n<p>\u2013 Sag mir, welches Geschenk dir gef\u00e4llt, und ich gebe es dir sofort. M\u00f6chtest du ein Buch?<\/p>\n<p>\u2013 Nein; etwas Besseres.<\/p>\n<p>\u2013 M\u00f6chtest du Geld f\u00fcr die Reise?<\/p>\n<p>\u2013 Ja, gerade das: Geld f\u00fcr die Reise in die Ewigkeit. Sie haben gesagt, dass Sie vom Papst einige vollkommene Abl\u00e4sse f\u00fcr die Todesstunde erhalten haben; nehmen Sie auch mich unter diejenigen auf, die daran teilhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u2013 Ja, mein Sohn, auch du kannst in diese Zahl aufgenommen werden, und ich werde deinen Namen sofort in jenes Verzeichnis eintragen.<\/p>\n<p>Danach verlie\u00df er das Oratorium, wo er etwa drei Jahre mit so gro\u00dfer Freude f\u00fcr sich selbst und zu so gro\u00dfer Erbauung seiner Kameraden und seiner Oberen gelebt hatte; er verlie\u00df es, um nie mehr zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Wir alle waren \u00fcber seine ungew\u00f6hnlichen Abschiedsgr\u00fc\u00dfe erstaunt. Wir wussten, dass er unter vielen gesundheitlichen Beschwerden litt; da er sich jedoch fast immer au\u00dfer Bett hielt, ma\u00dfen wir seiner Krankheit keine gro\u00dfe Bedeutung bei. Zudem war seine Miene stets heiter, sodass niemand seinem Gesicht ansehen konnte, dass er an k\u00f6rperlichen oder seelischen Leiden litt. Obwohl uns jene ungew\u00f6hnlichen Abschiedsgr\u00fc\u00dfe betr\u00fcbt hatten, hofften wir doch, ihn bald wieder unter uns zur\u00fcckkehren zu sehen. Aber so war es nicht: Er war reif f\u00fcr den Himmel; in seinem kurzen Leben hatte er bereits den Lohn der Gerechten verdient, als h\u00e4tte er ein sehr hohes Alter erreicht, und der Herr wollte ihn in der Bl\u00fcte seiner Jahre zu sich rufen, um ihn von den Gefahren zu befreien, an denen oft selbst die besten Seelen Schiffbruch erleiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828426\"><\/a>KAPITEL XXIV. Verlauf seiner Krankheit \u2013 Letzte Beichte, Empfang der Wegzehrung \u2013 Erbauliche Begebenheiten<a name=\"_Toc504540974\"><\/a><a name=\"_Toc504541409\"><\/a><a name=\"_Toc504541971\"><\/a><a name=\"_Toc530304068\"><\/a><a name=\"_Toc24283681\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Domenico verlie\u00df Turin am 1. M\u00e4rz um zwei Uhr nachmittags in Begleitung seines Vaters, und die Reise verlief gut; ja, es schien, als h\u00e4tten ihm die Fahrt, der Wechsel der Landschaft und die Gesellschaft seiner Angeh\u00f6rigen gutgetan. Zu Hause angekommen, blieb er vier Tage lang au\u00dfer Bett. Als man jedoch sah, dass seine Kr\u00e4fte und sein Appetit abnahmen und der Husten immer st\u00e4rker wurde, hielt man es f\u00fcr gut, ihn vom Arzt untersuchen zu lassen. Dieser fand die Krankheit weit ernster, als sie \u00e4u\u00dferlich erschien. Er ordnete an, dass er zu Hause bleibe und sich sofort zu Bett lege, und da er eine entz\u00fcndliche Erkrankung annahm, lie\u00df er Aderl\u00e4sse vornehmen.<\/p>\n<p>Es ist der Jugend eigen, vor Aderl\u00e4ssen gro\u00dfe Furcht zu empfinden. Daher ermahnte der Wundarzt Domenico, als er den Eingriff begann, das Gesicht abzuwenden, Geduld zu haben und Mut zu fassen. Er aber lachte und sagte: Was ist schon ein kleiner Stich im Vergleich mit den N\u00e4geln, die in die H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe unseres unschuldigsten Erl\u00f6sers geschlagen wurden? Dann sah er w\u00e4hrend des ganzen Eingriffs mit v\u00f6lliger Seelenruhe, scherzend und ohne das geringste Zeichen von Unruhe, zu, wie das Blut aus seinen Adern floss. Nach einigen Aderl\u00e4ssen schien sich die Krankheit zu bessern; so versicherte der Arzt, so glaubten die Angeh\u00f6rigen: Domenico aber dachte anders. Von dem Gedanken geleitet, dass es besser sei, die Sakramente rechtzeitig zu empfangen, als sie zu vers\u00e4umen, rief er seinen Vater: Papa, sagte er zu ihm, es ist gut, wenn wir den himmlischen Arzt zu Rate ziehen. Ich m\u00f6chte beichten und die heilige Kommunion empfangen.<\/p>\n<p>Die Eltern, die ebenfalls glaubten, die Krankheit bessere sich, h\u00f6rten diesen Wunsch mit Schmerz; nur um ihm zu willfahren, lie\u00df man den Pfarrer rufen, damit er ihm die Beichte abnehme. Dieser kam sogleich zur Beichte und brachte ihm danach, wiederum um ihm zu willfahren, die heilige Wegzehrung. Jeder kann sich vorstellen, mit welcher Andacht und Sammlung er kommunizierte. Jedes Mal, wenn er zu den heiligen Sakramenten trat, schien er stets ein heiliger Aloisius zu sein. Nun aber, da er glaubte, dies sei wirklich die letzte Kommunion seines Lebens, wer k\u00f6nnte den Eifer und die z\u00e4rtlichen Regungen ausdr\u00fccken, die aus jenem unschuldigen Herzen zu seinem geliebten Jesus emporstiegen?<\/p>\n<p>Da erinnerte er sich an die Versprechen, die er bei der ersten Kommunion gegeben hatte. Mehrmals sagte er: Ja, ja, o Jesus, o Maria, ihr werdet jetzt und immer die Freunde meiner Seele sein. Ich wiederhole es und sage es tausendmal: lieber sterben als s\u00fcndigen. Nach der Danksagung sagte er ganz ruhig: Jetzt bin ich zufrieden; es ist wahr, dass ich die lange Reise in die Ewigkeit antreten muss, aber mit Jesus als meinem Begleiter habe ich nichts zu f\u00fcrchten. O sagt es immer, sagt es allen: Wer Jesus zum Freund und Gef\u00e4hrten hat, braucht kein \u00dcbel mehr zu f\u00fcrchten, nicht einmal den Tod.<\/p>\n<p>Seine Geduld war bei allen Beschwerden, die er im Lauf seines Lebens ertrug, beispielhaft; in dieser letzten Krankheit aber erschien er als ein wahres Vorbild der Heiligkeit.<\/p>\n<p>Er wollte nicht, dass ihm jemand bei den gew\u00f6hnlichen Bed\u00fcrfnissen half. Solange ich kann, sagte er, m\u00f6chte ich meinen lieben Eltern die M\u00fche verringern; sie haben meinetwegen schon so viele Beschwerden und M\u00fchen ertragen; k\u00f6nnte ich es ihnen doch wenigstens irgendwie vergelten! Auch die widerw\u00e4rtigsten Arzneien nahm er gleichm\u00fctig ein; zehn Aderl\u00e4sse ertrug er, ohne die geringste Missstimmung zu zeigen.<\/p>\n<p>Nach vier Krankheitstagen freute sich der Arzt mit dem Kranken und sagte zu den Angeh\u00f6rigen: Danken wir der g\u00f6ttlichen Vorsehung, wir sind an einem guten Punkt; die Krankheit ist \u00fcberwunden, wir brauchen nur noch eine vern\u00fcnftige Genesungszeit. Die guten Eltern freuten sich \u00fcber diese Worte. Domenico aber begann zu lachen und f\u00fcgte hinzu: Die Welt ist \u00fcberwunden; ich muss mich nur noch in rechter Weise vor Gott einfinden. Nachdem der Arzt gegangen war, lie\u00df er sich von dessen Worten nicht t\u00e4uschen und bat, ihm das Sakrament der heiligen \u00d6lung zu spenden. Auch hierin gaben die Angeh\u00f6rigen ihm nach, denn weder sie noch der Pfarrer sahen bei ihm eine unmittelbare Todesgefahr; vielmehr lie\u00dfen die Heiterkeit seines Gesichtes und die Fr\u00f6hlichkeit seiner Worte ihn tats\u00e4chlich als auf dem Weg der Besserung erscheinen. Ob er nun von frommen Empfindungen bewegt war oder von einer g\u00f6ttlichen Stimme, die zu seinem Herzen sprach, eingegeben wurde: Tatsache ist, dass er die Tage und Stunden seines Lebens z\u00e4hlte, wie man mit Rechenoperationen z\u00e4hlt, und jeden Augenblick dazu benutzte, sich auf das Erscheinen vor Gott vorzubereiten. Bevor er die heilige \u00d6lung empfing, betete er: O Herr, vergebt meine S\u00fcnden; ich liebe euch, ich will euch in Ewigkeit lieben! Dieses Sakrament, das ich durch eure unendliche Barmherzigkeit empfangen darf, tilge aus meiner Seele alle S\u00fcnden, die ich mit dem Geh\u00f6r, mit den Augen, mit dem Mund, mit den H\u00e4nden und mit den F\u00fc\u00dfen begangen habe; mein Leib und meine Seele m\u00f6gen durch die Verdienste eures Leidens geheiligt werden. Amen.<\/p>\n<p>Bei jeder Gelegenheit antwortete er mit solcher Klarheit der Stimme und solcher Folgerichtigkeit der Gedanken, dass wir ihn f\u00fcr vollkommen gesund gehalten h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Es war der 9. M\u00e4rz, der vierte Tag seiner Krankheit und der letzte seines Lebens. Man hatte bereits zehn Aderl\u00e4sse und andere Heilmittel angewandt, und seine Kr\u00e4fte waren v\u00f6llig ersch\u00f6pft; deshalb wurde ihm der p\u00e4pstliche Segen erteilt. Er <em>selbst sprach <\/em>das Confiteor und antwortete auf die Worte des Priesters. Als er h\u00f6rte, dass der Papst ihm durch diesen religi\u00f6sen Akt den apostolischen Segen mit vollkommenem Ablass gew\u00e4hrte, empfand er den gr\u00f6\u00dften Trost. <em>Deo gratias, <\/em>sagte er immer <em>wieder, et semper Deo <\/em>gratias. Dann wandte er sich zum Kreuz und sprach diese Verse, die ihm w\u00e4hrend seines Lebens sehr vertraut waren:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herr, meine ganze Freiheit schenke ich euch,<\/p>\n<p>Hier sind meine Kr\u00e4fte, hier ist mein Leib,<\/p>\n<p>Alles geb\u2019 ich euch, denn alles ist euer, o Gott,<\/p>\n<p>Und eurem Willen \u00fcberlasse ich mich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828427\"><\/a>KAPITEL XXV. Seine letzten Augenblicke und sein kostbarer Tod<a name=\"_Toc504540975\"><\/a><a name=\"_Toc504541410\"><\/a><a name=\"_Toc504541972\"><\/a><a name=\"_Toc530304069\"><\/a><a name=\"_Toc24283682\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist eine Glaubenswahrheit, dass der Mensch im Augenblick des Todes die Frucht seiner Werke<em> erntet. Quae seminaverit homo, haec et <\/em>metet. Hat er in seinem Leben gute Werke ges\u00e4t, so wird er in jenen letzten Augenblicken Fr\u00fcchte des Trostes ernten; hat er b\u00f6se Werke ges\u00e4t, so wird er Trostlosigkeit \u00fcber Trostlosigkeit ernten. Dennoch kommt es zuweilen vor, dass gute Seelen nach einem heiligen Leben beim Nahen der Todesstunde Furcht und Schrecken empfinden. Dies geschieht nach den anbetungsw\u00fcrdigen Ratschl\u00fcssen Gottes, der jene Seelen von den kleinen Flecken reinigen will, die sie vielleicht im Leben angenommen haben, und ihnen so die Krone der Herrlichkeit im Himmel sichern und noch sch\u00f6ner machen will. Bei unserem Savio war es nicht so. Ich glaube, Gott wollte ihm schon jenes Hundertfache schenken, das er den Seelen der Gerechten der Herrlichkeit des Paradieses vorausgehen l\u00e4sst. Denn die bis zum letzten Augenblick des Lebens bewahrte Unschuld, sein lebendiger Glaube, seine unabl\u00e4ssigen Gebete, seine langen Bu\u00df\u00fcbungen und sein ganzes von Pr\u00fcfungen durchzogenes Leben verdienten ihm gewiss jenen Trost in der Todesstunde.<\/p>\n<p>So sah er den Tod mit der Ruhe einer unschuldigen Seele herannahen; ja, es schien, als empfinde selbst sein Leib nicht die N\u00f6te und Bedr\u00e4ngnisse, die von den Anstrengungen untrennbar sind, mit denen die Seele nat\u00fcrlicherweise die Fesseln des Leibes l\u00f6st. Kurz, Savios Tod kann eher Ruhe als Tod genannt werden.<\/p>\n<p>Es war der Abend des 9. M\u00e4rz 1857. Er hatte alle Tr\u00f6stungen unserer heiligen katholischen Religion empfangen. Wer ihn nur sprechen h\u00f6rte und die Heiterkeit seines Gesichtes sah, h\u00e4tte gemeint, er liege zur Erholung im Bett. Die fr\u00f6hliche Miene, die noch immer lebhaften Blicke und sein volles Bewusstsein erstaunten alle, und niemand au\u00dfer ihm selbst konnte sich vorstellen, dass er im Sterben lag.<\/p>\n<p>Eineinhalb Stunden, bevor er den letzten Atemzug tat, besuchte ihn der Pfarrer; als er seine Ruhe sah, h\u00f6rte er mit Staunen zu, wie er seine Seele Gott empfahl. Domenico sprach h\u00e4ufige und lange Sto\u00dfgebete, die alle seinen lebhaften Wunsch ausdr\u00fcckten, bald in den Himmel zu gehen. Was soll man zur Empfehlung der Seele einem Sterbenden dieser Art noch sagen? sagte der Pfarrer. Nachdem er mit ihm einige Gebete gesprochen hatte, wollte der Pfarrer hinausgehen, als Savio ihn rief und sagte: Herr Pfarrer, bevor Sie gehen, geben Sie mir noch einen Gedanken mit. \u2013 Ich w\u00fcsste nicht, antwortete er, welchen Gedanken ich dir noch mitgeben sollte. \u2013 Etwas, das mich tr\u00f6stet. \u2013 Ich kann dir nichts anderes sagen, als dass du dich an das Leiden des Herrn erinnerst. \u2013 Deo gratias,<em> antwortete er,<\/em> das Leiden unseres Herrn Jesus Christus sei immer in meinem Geist, in meinem Mund, in meinem Herzen. Jesus, Josef und Maria, steht mir in diesem letzten Todeskampf bei; Jesus, Josef und Maria, in Frieden mit euch scheide meine Seele. Nach diesen Worten schlief er ein und ruhte eine halbe Stunde. Dann erwachte er, blickte seine Angeh\u00f6rigen an und sagte: Papa, jetzt ist es soweit.<\/p>\n<p>\u2013 Hier bin ich, mein Sohn; was brauchst du?<\/p>\n<p>\u2013 Mein lieber Papa, es ist Zeit; nehmt meinen<em> Giovane provveduto<\/em><a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> und lest mir die Gebete f\u00fcr einen guten Tod vor.<\/p>\n<p>Bei diesen Worten brach die Mutter in Tr\u00e4nen aus und verlie\u00df das Zimmer des Kranken. Dem Vater wollte das Herz vor Schmerz brechen, und die Tr\u00e4nen erstickten seine Stimme; dennoch fasste er Mut und begann jenes Gebet zu lesen. Domenico wiederholte aufmerksam und deutlich jedes Wort; am Ende jedes Abschnitts wollte er jedoch allein sagen: Barmherziger Jesus, habt Erbarmen mit mir. Als man zu den Worten gelangte: Wenn meine Seele schlie\u00dflich vor euch erscheinen und zum ersten Mal den unsterblichen Glanz eurer Majest\u00e4t sehen wird, verwerft sie nicht von eurem Angesicht, sondern geruht, mich in den liebenden Scho\u00df eurer Barmherzigkeit aufzunehmen, damit ich ewig euer Lob singe; nun, f\u00fcgte er hinzu, genau das ist es, was ich w\u00fcnsche. O lieber Papa, ewig das Lob des Herrn zu singen! Danach schien er wieder ein wenig einzuschlafen wie jemand, der ernsthaft \u00fcber eine Sache von gro\u00dfer Bedeutung nachdenkt. Kurz darauf erwachte er und sagte mit klarer, l\u00e4chelnder Stimme: Leb wohl, lieber Papa, leb wohl; der Pfarrer wollte mir noch etwas sagen, und ich kann mich nicht mehr daran erinnern \u2026 O, was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Sache sehe ich! W\u00e4hrend er dies sagte und mit paradiesischer Miene l\u00e4chelte, hauchte er, die H\u00e4nde in Kreuzform vor der Brust gefaltet, ohne die geringste Bewegung seine Seele aus.<\/p>\n<p>Geh nun, treue Seele, zu deinem Sch\u00f6pfer; der Himmel steht dir offen, die Engel und die Heiligen haben dir ein gro\u00dfes Fest bereitet; jener Jesus, den du so sehr geliebt hast, l\u00e4dt dich ein und ruft dir zu: Komm, guter und treuer Diener, komm; du hast gek\u00e4mpft und den Sieg errungen, nun komm und nimm Besitz von einer Freude, die dir niemals mehr fehlen wird:<em> Intra in gaudium Domini tui.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828428\"><\/a>KAPITEL XXVI. Nachricht von seinem Tod \u2013 Worte von Prof. Don Picco an seine Sch\u00fcler<a name=\"_Toc504540976\"><\/a><a name=\"_Toc504541411\"><\/a><a name=\"_Toc504541973\"><\/a><a name=\"_Toc530304070\"><\/a><a name=\"_Toc24283683\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Domenicos Vater sah, wie er die von uns berichteten Worte sprach und dann den Kopf senkte, als wolle er ruhen, meinte er wirklich, er sei wieder eingeschlafen. Er lie\u00df ihn einige Augenblicke in dieser Haltung; dann wollte er ihn rufen und bemerkte, dass er bereits tot war. Ich \u00fcberlasse es jedem, sich die Trostlosigkeit der Eltern beim Verlust eines Sohnes vorzustellen, der mit Unschuld und Fr\u00f6mmigkeit die liebensw\u00fcrdigsten Umgangsformen verband, die ihn allen teuer machten!<\/p>\n<p>Auch wir im Haus des Oratoriums warteten voller Sorge auf Nachrichten von diesem verehrten Freund und Kameraden, als ich von seinem Vater einen Brief erhielt, der so begann: \u201eMit Tr\u00e4nen in den Augen teile ich Ihnen die traurigste Nachricht mit: Mein lieber Sohn Domenico, Ihr Sch\u00fcler, wie eine reine Lilie, wie Aloisius Gonzaga, gab gestern Abend, am 9. dieses Monats M\u00e4rz, seine Seele dem Herrn zur\u00fcck, nachdem er in der tr\u00f6stlichsten Weise die heiligen Sakramente und den p\u00e4pstlichen Segen empfangen hatte.\u201c<\/p>\n<p>Diese Nachricht versetzte seine Kameraden in Best\u00fcrzung. Der eine beweinte in ihm den Verlust eines Freundes, eines treuen Ratgebers; ein anderer beklagte, ein Vorbild wahrer Fr\u00f6mmigkeit verloren zu haben. Einige versammelten sich, um f\u00fcr die Ruhe seiner Seele zu beten. Die meisten aber sagten:<\/p>\n<p>Er war heilig; jetzt ist er schon im Paradies. Andere begannen, sich ihm als einem F\u00fcrsprecher bei Gott anzuvertrauen. Alle wetteiferten darum, irgendeinen Gegenstand zu erhalten, der ihm geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Als Prof. Don Picco diese Nachricht erhielt, war er tief betr\u00fcbt. Nachdem seine Sch\u00fcler versammelt waren, teilte er ihnen tief bewegt die traurige Nachricht mit folgenden Worten mit: \u201eEs ist noch nicht lange her, meine lieben jungen Freunde, dass ich, als ich mit euch zuf\u00e4llig \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit des menschlichen Lebens sprach, euch darauf hinwies, dass der Tod manchmal auch euer bl\u00fchendes Jugendalter nicht verschont. Als Beispiel f\u00fchrte ich euch an, wie vor zwei Jahren gerade in diesen Tagen dieselbe Schule ein junger Mann voller Leben und Kraft besuchte, hier sa\u00df und mir zuh\u00f6rte, der nach einer Abwesenheit von nur wenigen Tagen aus diesem Leben schied, von Verwandten und Freunden beweint.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Als ich euch damals jenen schmerzlichen Fall in Erinnerung rief, war ich weit davon entfernt zu denken, dass das laufende Jahr durch einen \u00e4hnlichen Schmerz getr\u00fcbt werden sollte und dass sich ein solches Beispiel so bald an einem von denen erneuern w\u00fcrde, die mir zuh\u00f6rten. Ja, meine Lieben, ich muss euch mit einer schmerzlichen Nachricht betr\u00fcben. Die Sense des Todes hat vorgestern das Leben eines eurer tugendhaftesten Kameraden gem\u00e4ht, des guten jungen Domenico Savio. Ihr erinnert euch vielleicht, wie er in den letzten Tagen seines Schulbesuchs von einem hartn\u00e4ckigen Husten gequ\u00e4lt wurde; deshalb wunderte sich keiner von uns, als wir h\u00f6rten, dass er deswegen gezwungen war, der Schule fernzubleiben. Um seine Krankheit besser behandeln zu lassen und weil er, wie er mehreren wiederholt sagte, sein nahes Ende bereits voraussah, folgte er dem Rat der \u00c4rzte und seiner Oberen und kehrte in den Scho\u00df seiner Familie zur\u00fcck. Dort entwickelte sich die Krankheit mit au\u00dferordentlicher Heftigkeit, und nach nur vier Krankheitstagen gab er seinen unschuldigen Geist dem Sch\u00f6pfer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eGestern las ich den Brief, mit dem der trostlose Vater die schmerzliche Nachricht mitteilte; in seiner Schlichtheit zeichnete er ein solches Bild vom heiligen Tod jenes Engels, dass ich zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt wurde. Er findet keine passenderen Worte, um seinen geliebten Sohn zu loben, als ihn einen zweiten heiligen Aloisius Gonzaga zu nennen, sowohl in der Heiligkeit seines Lebens als auch in der seligen Ergebung in den Tod. Ich versichere euch, dass es mich sehr schmerzt, dass er meine Schule so kurze Zeit besucht hat und dass seine schwache Gesundheit mir in dieser kurzen Zeit nicht gestattet hat, ihn besser kennenzulernen und mit ihm vertrauter zu werden, als es in einer ziemlich zahlreichen Schule m\u00f6glich ist. Deshalb \u00fcberlasse ich es seinen Oberen, euch zu sagen, wie heilig seine Gesinnung und wie gl\u00fchend seine Fr\u00f6mmigkeit war; ich \u00fcberlasse es seinen Kameraden und Freunden, die t\u00e4glich mit ihm zusammen waren und vertraut mit ihm umgingen, euch von der Bescheidenheit seiner Sitten und seines ganzen Benehmens und vom Ernst seiner Rede zu erz\u00e4hlen; ich \u00fcberlasse es seinen Angeh\u00f6rigen, euch von seinem Gehorsam, seinem Respekt und seiner F\u00fcgsamkeit zu berichten. Und was k\u00f6nnte ich euch noch in Erinnerung rufen, das euch allen nicht bekannt w\u00e4re? Ich will nur sagen, dass er sich stets durch sein Benehmen und seine Ruhe in der Schule, durch seinen Flei\u00df und seine Genauigkeit bei der Erf\u00fcllung jeder Pflicht und durch seine best\u00e4ndige Aufmerksamkeit f\u00fcr meinen Unterricht auszeichnete; und ich w\u00e4re gl\u00fccklich, wenn jeder von euch sich vorn\u00e4hme, seinem heiligen Beispiel zu folgen.<\/p>\n<p>\u201eNoch bevor Alter und Studien es ihm erlaubten, unsere Schule zu besuchen, war er bereits drei Jahre unter denen, die im Oratorium des heiligen Franz von Sales Unterkunft und Unterricht erhielten. Mehrmals hatte ich vom Direktor jenes Oratoriums von ihm sprechen und ihn als einen der flei\u00dfigsten und tugendhaftesten jungen Menschen des Hauses r\u00fchmen h\u00f6ren. So gro\u00df war sein Eifer f\u00fcr das Studium, so rasch der Fortschritt, den er in den ersten Lateinklassen gemacht hatte, dass ich ihn sehr gern zu meinen Sch\u00fclern z\u00e4hlen wollte und gro\u00dfe Erwartungen an die Begabung seines Geistes setzte. Noch bevor ich ihn in meiner Schule hatte, hatte ich ihn einigen meiner Sch\u00fcler als einen Mitbewerber angek\u00fcndigt, mit dem es sch\u00f6n sein w\u00fcrde, nicht weniger im Studium als in der Tugend zu wetteifern. Bei meinen h\u00e4ufigen Besuchen im Oratorium sah ich sein so sanftes Gesicht, wie ihr es gekannt habt, und seinen so unschuldigen Blick; nie sah ich ihn, ohne mich gedr\u00e4ngt zu f\u00fchlen, ihn zu lieben und zu bewundern. Die sch\u00f6nen Hoffnungen, die ich auf ihn gesetzt hatte, entt\u00e4uschte er gewiss nicht, als er im laufenden Schuljahr meine Schule zu besuchen begann. An euch wende ich mich, geliebte junge Freunde, die ihr Zeugen seiner Sammlung und seines Flei\u00dfes wart, nicht nur w\u00e4hrend der Zeit, in der die Pflicht ihn aufforderte, mir zuzuh\u00f6ren, sondern auch in jener Zeit, die viele junge Menschen, denen es an F\u00fcgsamkeit und Flei\u00df nicht fehlt, gew\u00f6hnlich ohne Bedenken verlieren. Euch, die ihr nicht nur in der Schule, sondern auch im allt\u00e4glichen Zusammenleben seine Kameraden wart, frage ich, ob ihr ihn jemals etwas tun gesehen habt, das gezeigt h\u00e4tte, dass er eine seiner Pflichten vergessen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>\u201eIch meine ihn noch zu sehen, wie er mit jener Bescheidenheit, die ihm ganz eigen war, die Schule betrat, seinen Platz einnahm und w\u00e4hrend der ganzen Zeit vor Unterrichtsbeginn, fern vom eitlen Geschw\u00e4tz, das bei jungen Menschen seines Alters \u00fcblich ist, seine Lektion wiederholte, Notizen schrieb oder sich mit einer n\u00fctzlichen Lekt\u00fcre besch\u00e4ftigte; und wenn dann der Unterricht begann, mit welcher Aufmerksamkeit sah ich sein engelgleiches Gesicht an meinen Worten h\u00e4ngen! Daher ist es nicht verwunderlich, dass er trotz seines zarten Alters und seiner schwachen Gesundheit mit seiner Begabung sehr gro\u00dfe Fortschritte im Studium machte. Ein Beweis daf\u00fcr ist, dass er in einer betr\u00e4chtlichen Zahl von Jugendlichen, von denen die meisten mehr als mittelm\u00e4\u00dfig begabt waren, fast immer die ersten Pl\u00e4tze seiner Klasse einnahm, obwohl die Krankheit, die ihn schlie\u00dflich ins Grab f\u00fchrte, bereits in ihm schlummerte und ihn deshalb zu h\u00e4ufigen Abwesenheiten zwang. Eine Sache aber fesselte meine Aufmerksamkeit ganz besonders und zog meine Bewunderung auf sich: zu sehen, wie sein jugendlicher Geist mit Gott vereint und im Gebet liebevoll und gl\u00fchend war. Selbst bei weniger zerstreuten jungen Menschen ist es gew\u00f6hnlich, dass sie, von nat\u00fcrlicher Lebhaftigkeit und von den Zerstreuungen mitgerissen, denen dieses feurige Alter so leicht unterliegt, sehr wenig \u00fcber den Sinn der Gebete nachdenken, die sie sprechen sollen, und sie fast ohne innere Regung begleiten. So kommt es, dass bei einem gro\u00dfen Teil von ihnen kaum mehr als Lippen und Stimme beteiligt sind. Wenn also Zerstreuung bei der Jugend schon bei den Gebeten so \u00fcblich ist, die sie in der Stille und Ruhe der Kirchen oder in der Einsamkeit ihrer Zimmer bei den t\u00e4glichen Gebeten an den Herrn richten, dann wisst ihr, junge Freunde, wie viel leichter dies bei den sehr kurzen Gebeten geschieht, die vor und nach dem Schulunterricht gesprochen werden. Gerade dabei durfte ich aber Domenicos Eifer in der Fr\u00f6mmigkeit und die Vereinigung seiner Seele mit Gott bewundern. Wie oft sah ich ihn mit seinem zum Himmel gerichteten Blick \u2013 zu jenem Himmel, der so bald seine Wohnung werden sollte \u2013 alle seine Empfindungen sammeln und sie mit jener F\u00fclle des Herzens dem Herrn und seiner allerseligsten Mutter darbringen, die solche Gebete verlangen! Und diese Empfindungen, geliebte junge Freunde, waren es, die seine Gedanken bei der Erf\u00fcllung jeder Pflicht beseelten; sie waren es, die jede seiner Handlungen und jedes seiner Worte heiligten und sein ganzes Leben auf die Ehre Gottes ausrichteten. O gl\u00fccklich die jungen Menschen, die sich von solchen Gedanken leiten lassen! Sie werden ihr Gl\u00fcck in diesem und im anderen Leben begr\u00fcnden und auch die Eltern gl\u00fccklich machen, die sie erziehen, die Lehrer, die sie unterrichten, und alle Menschen, die sich um ihr Wohl bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Geliebte junge Freunde, das Leben ist ein h\u00f6chst kostbares Geschenk, das Gott uns gemacht hat, um uns die M\u00f6glichkeit zu geben, Verdienste f\u00fcr den Himmel zu erwerben; und so wird es sein, wenn alles, was wir tun, so beschaffen ist, dass es jenem h\u00f6chsten Geber dargebracht werden kann, wie es unser Domenico tat. Was aber sollen wir von jenem jungen Menschen sagen, der sein ganzes Leben verbringt und das Ziel v\u00f6llig vergisst, zu dem Gott ihn bestimmt hat; der niemals einen Augenblick findet, in dem er daran denkt, seine Empfindungen dem Sch\u00f6pfer zu weihen; der in seinem Herzen niemals einer Sehnsucht Raum gibt, die ihn zu seinem Gott erhebt? Und was sollen wir von jenem jungen Menschen sagen, der alles tut, um solche Empfindungen von sich fernzuhalten oder sie zu bek\u00e4mpfen und zu ersticken, wenn er sp\u00fcrt, dass sie in sein Herz eindringen wollen? Ach, denkt ein wenig \u00fcber das heilige Leben und das heilige Ende eures so lieben Kameraden nach, \u00fcber das beneidenswerte Los, dessen er, wie wir vertrauen d\u00fcrfen, sich erfreut; und dann kehrt mit euren Gedanken zu euch selbst zur\u00fcck und pr\u00fcft, was euch noch fehlt, um ihm \u00e4hnlich zu werden, und wie ihr sein m\u00f6chtet, wenn ihr euch wie er an dem Punkt bef\u00e4ndet, vor jenem Gericht zu erscheinen, an dem Gott von allen \u00fcber den kleinsten Fehler strenge Rechenschaft verlangen wird. Wenn ihr bei diesem Vergleich einen gro\u00dfen Unterschied findet, dann nehmt ihn euch zum Vorbild, ahmt seine christlichen Tugenden nach und bereitet eure Seele darauf vor, wie die seine rein und makellos vor den Augen Gottes zu sein, damit wir auf den unerwarteten Ruf, den fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unfehlbar jeder von uns h\u00f6ren muss, mit Heiterkeit im Gesicht und mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen antworten k\u00f6nnen, wie es euer engelgleicher Mitsch\u00fcler tat. H\u00f6rt noch einen Wunsch, mit dem ich diese Worte schlie\u00dfe. Wenn ich bemerke, dass meine Sch\u00fcler ihr Verhalten merklich bessern, wenn ich sie von nun an genauer in ihren Pflichten und st\u00e4rker von der Bedeutung wahrer Fr\u00f6mmigkeit durchdrungen sehe, werde ich dies der heiligen Beispielkraft unseres Domenico zuschreiben und es als eine von oben durch seine Gebete erflehte Gnade ansehen, zum Lohn daf\u00fcr, dass ihr kurze Zeit seine Kameraden und ich sein Lehrer sein durften.\u201c<\/p>\n<p>So schilderte Prof. Don Picco seinen Sch\u00fclern den tiefen und schmerzlichen Eindruck, den die Nachricht vom Tod seines lieben Sch\u00fclers Domenico Savio auf ihn gemacht hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc241828429\"><\/a>KAPITEL XXVII. Nacheiferung in Savios Tugend \u2013 Viele empfehlen sich ihm an, um himmlische Gnaden zu erlangen, und werden erh\u00f6rt \u2013 Ein Andenken f\u00fcr alle<a name=\"_Toc504540977\"><\/a><a name=\"_Toc504541412\"><\/a><a name=\"_Toc504541974\"><\/a><a name=\"_Toc530304071\"><\/a><a name=\"_Toc24283684\"><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer gelesen hat, was wir \u00fcber den jungen Domenico Savio geschrieben haben, wird sich nicht dar\u00fcber wundern, dass Gott sich w\u00fcrdigte, ihn mit besonderen Gaben zu beg\u00fcnstigen und seine Tugenden auf vielerlei Weise erstrahlen zu lassen. Schon zu seinen Lebzeiten bem\u00fchten sich viele, seinen Ratschl\u00e4gen und Beispielen zu folgen und seine Tugenden nachzuahmen; viele empfahlen sich, bewegt von seinem untadeligen Verhalten, der Heiligkeit seines Lebens und der Unschuld seiner Sitten, seinem Gebet. Und es werden nicht wenige Gnaden erz\u00e4hlt, die durch die Gebete des jungen Savio zu Gott erlangt wurden, solange er noch im irdischen Leben war. Nach seinem Tod aber wuchsen das Vertrauen und die Verehrung ihm gegen\u00fcber sehr stark.<\/p>\n<p>Kaum war die Nachricht von seinem Tod zu uns gelangt, da nannten ihn mehrere seiner Kameraden einen Heiligen. Sie versammelten sich, um die Litanei f\u00fcr einen Verstorbenen zu beten; statt aber ora pro eo,<em> das hei\u00dft: <\/em>Heilige<em> Maria, bitte f\u00fcr die Ruhe seiner Seele, zu antworten,<\/em> sagten nicht wenige: ora<em> pro nobis: Heilige Maria, bitte f\u00fcr uns. Denn,<\/em> sagten sie, Savio genie\u00dft zu dieser Stunde bereits die Herrlichkeit des Paradieses und braucht unsere Gebete nicht mehr.<\/p>\n<p>Andere f\u00fcgten hinzu: Wenn Domenico Savio, der ein so reines und heiliges Leben f\u00fchrte, nicht unmittelbar ins Paradies gegangen ist, wer kann dann hoffen, dorthin zu gelangen? So bem\u00fchten sich schon damals verschiedene Freunde und Kameraden, die seine Tugenden zu Lebzeiten bewundert hatten, ihn sich im Guten zum Vorbild zu nehmen, und begannen, sich ihm als himmlischem Besch\u00fctzer anzuvertrauen.<\/p>\n<p>Fast jeden Tag erz\u00e4hlte man von empfangenen Gnaden, bald f\u00fcr den Leib, bald f\u00fcr die Seele. Ich sah einen jungen Menschen, der unter Zahnschmerzen litt, die ihn au\u00dfer sich brachten. Nachdem er sich mit einem kurzen Gebet seinem Kameraden Savio empfohlen hatte, wurde er augenblicklich ruhig und ist bis heute von diesem qu\u00e4lenden Leiden nicht mehr heimgesucht worden. Viele empfahlen sich ihm, um von Fieber befreit zu werden, und wurden erh\u00f6rt. Ich war Zeuge eines Falles, in dem jemand augenblicklich die Gnade erhielt, von heftigem Fieber befreit zu werden.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Vor mir liegen viele Berichte von Personen, die himmlische Gnaden schildern, die sie durch Savios F\u00fcrsprache von Gott erlangt haben. Obwohl Charakter und Ansehen der Personen, die diese Tatsachen bezeugen, in jeder Hinsicht glaubw\u00fcrdig sind, halte ich es, da sie noch leben, f\u00fcr besser, sie vorerst wegzulassen und mich hier nur darauf zu beschr\u00e4nken, eine besondere Gnade zu berichten, die ein Philosophiestudent, ein Schulkamerad Domenicos, erhalten hat.<\/p>\n<p>Im Jahr 1858 erlitt dieser junge Mann schwere gesundheitliche Beschwerden. Seine Gesundheit war so angegriffen, dass er den Philosophiekurs unterbrechen und sich vielen Behandlungen unterziehen musste; am Ende des Jahres war es ihm nicht m\u00f6glich, die Pr\u00fcfung abzulegen. Es lag ihm sehr am Herzen, sich wenigstens auf die Allerheiligenpr\u00fcfung<em> vorbereiten<\/em> zu k\u00f6nnen, denn auf diese Weise h\u00e4tte er den Verlust eines Studienjahres vermieden. Doch als seine Beschwerden zunahmen, schwanden seine Hoffnungen immer mehr. Er verbrachte den Herbst teils bei seinen Verwandten in der Heimat, teils bei Freunden auf dem Land und glaubte bereits, seine Gesundheit habe sich etwas gebessert. Als er aber nach Turin zur\u00fcckkehrte und kurze Zeit zu studieren begann, erlitt er einen schlimmeren R\u00fcckfall als zuvor. \u201eIch stand kurz vor den Pr\u00fcfungen\u201c, berichtet er, \u201eund meine Gesundheit befand sich in beklagenswertem Zustand. Magen- und Kopfbeschwerden nahmen mir jede Hoffnung, die ersehnte Pr\u00fcfung ablegen zu k\u00f6nnen, die f\u00fcr mich von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung war. Ermutigt durch alles, was ich \u00fcber meinen geliebten Kameraden Domenico erz\u00e4hlen h\u00f6rte, wollte auch ich mich ihm empfehlen und hielt zu Gott eine Novene zu Ehren dieses meines Mitsch\u00fclers. Unter den Gebeten, die ich mir vorgenommen hatte, war dieses: Lieber Kamerad, du, der du zu meinem gr\u00f6\u00dften Trost und Gl\u00fcck mehr als ein Jahr mein Mitsch\u00fcler warst, du, der du mit mir in heiligem Wettstreit darum rangst, in unserer Klasse den ersten Platz einzunehmen, du wei\u00dft, wie sehr ich meine Pr\u00fcfung ablegen muss. Erbitte mir daher, ich bitte dich, vom Herrn ein wenig Gesundheit, damit ich mich vorbereiten kann.<\/p>\n<p>\u201eNoch war der f\u00fcnfte Tag der Novene nicht vollendet, als sich meine Gesundheit so merklich und rasch zu bessern begann, dass ich mich bald ans Studium setzen und mit ungew\u00f6hnlicher Leichtigkeit die vorgeschriebenen Stoffe lernen und die Pr\u00fcfung sehr gut bestehen konnte. Die Gnade war auch nicht nur von kurzer Dauer; denn gegenw\u00e4rtig befinde ich mich in einem geregelten Gesundheitszustand, wie ich ihn seit mehr als einem Jahr nicht mehr genossen hatte. Ich erkenne diese Gnade als von Gott durch die F\u00fcrsprache dieses meines Kameraden erlangt an, der zu Lebzeiten mein vertrauter Freund war und mir jetzt, da er die Herrlichkeit des Himmels genie\u00dft, Hilfe und Trost ist. Seit diese Gnade erlangt wurde, sind mehr als zwei Monate vergangen, und meine Gesundheit ist zu meinem gro\u00dfen Trost und Vorteil unver\u00e4ndert geblieben.\u201c<\/p>\n<p>Mit dieser Begebenheit beschlie\u00dfe ich das Leben des jungen Savio und behalte mir vor, weiter unten einige andere Tatsachen in Form eines Anhangs zu drucken, so wie es zur gr\u00f6\u00dferen Ehre Gottes und zum Nutzen der Seelen am geeignetsten erscheint. Nun aber, lieber Leser, da du die G\u00fcte hattest zu lesen, was \u00fcber diesen tugendhaften jungen Menschen geschrieben wurde, m\u00f6chte ich, dass du mit mir zu einem Schluss gelangst, der mir, dir und allen, denen dieses B\u00fcchlein in die H\u00e4nde kommt, wahren Nutzen bringen kann: Ich m\u00f6chte n\u00e4mlich, dass wir uns mit entschlossenem Herzen bem\u00fchen, den jungen Savio in jenen Tugenden nachzuahmen, die mit unserem Stand vereinbar sind. In seiner armen Lebenslage f\u00fchrte er ein \u00fcberaus frohes, tugendhaftes und unschuldiges Leben, das von einem heiligen Tod gekr\u00f6nt wurde. Ahmen wir ihn in seiner Lebensweise nach, und wir werden ein doppeltes Unterpfand daf\u00fcr haben, ihm auch in seinem kostbaren Tod \u00e4hnlich zu werden.<\/p>\n<p>Vers\u00e4umen wir vor allem nicht, Savio im h\u00e4ufigen Empfang des Sakraments der Beichte nachzuahmen, das seine St\u00fctze in der best\u00e4ndigen \u00dcbung der Tugend und der sichere F\u00fchrer war, der ihn zu einem so glorreichen Lebensende f\u00fchrte. Treten wir im Lauf unseres Lebens h\u00e4ufig und mit der erforderlichen inneren Haltung zu diesem Bad des Heils; und jedes Mal, wenn wir uns ihm nahen, wollen wir nicht vers\u00e4umen, einen Gedanken auf die fr\u00fcheren Beichten zu richten, um uns zu vergewissern, dass sie gut abgelegt wurden; und wenn wir erkennen, dass es n\u00f6tig ist, wollen wir die Fehler beheben, die sich vielleicht eingeschlichen haben. Mir scheint, dies sei das sicherste Mittel, gl\u00fcckliche Tage mitten in den Tr\u00fcbsalen des Lebens zu verbringen; an dessen Ende werden auch wir ruhig den Augenblick des Todes nahen sehen. Dann werden wir mit Heiterkeit im Gesicht und Frieden im Herzen unserem Herrn Jesus Christus entgegengehen, der uns g\u00fctig aufnehmen wird, um uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit zu richten und uns \u2013 wie ich f\u00fcr mich und f\u00fcr dich, lieber Leser, hoffe \u2013 aus den Tr\u00fcbsalen dieses Lebens in die selige Ewigkeit zu f\u00fchren, damit wir ihn in alle Ewigkeit loben und preisen. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit einem Anhang \u00fcber die durch seine F\u00fcrsprache erlangten Gnaden, herausgegeben von Priester Giovanni Bosco<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vierte, vermehrte Auflage, Turin, 1878, Salesianische Druckerei und Buchhandlung, Sampierdarena \u2013 Nizza Marittima<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Lies: <em>Bauern. Der <\/em>typographische Fehler stammt aus der IV. Auflage (Anm.<em> d. Hrsg.).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Fr\u00fcher hie\u00df der Ort Castelnuovo di Rivalba, weil er von den Grafen Biandrate, den Herren dieses Ortes, abh\u00e4ngig war. Um das Jahr 1300 wurde er von den Astigiani erobert und danach Castelnuovo d\u2019Asti genannt. \u2013 Zu jener Zeit war er stark von arbeitsamen und dem Handel sehr ergebenen Menschen bev\u00f6lkert, die ihr Gewerbe in verschiedenen St\u00e4dten Europas aus\u00fcbten. Er war die Heimat vieler ber\u00fchmter M\u00e4nner. Der bekannte Giovanni Argentero, der gro\u00dfe Arzt jenes Jahrhunderts<em> genannt, <\/em>wurde 1513 in Castelnuovo d\u2019Asti geboren und schrieb zahlreiche Werke von gro\u00dfer Gelehrsamkeit. Er war sehr fromm und der gro\u00dfen Mutter Gottes tief ergeben und errichtete ihr zu Ehren die Kapelle der seligen Jungfrau vom Volk in der Pfarrkirche des hl. Augustinus in Turin. Sein Leib wurde in der Metropolitankirche mit einer ehrenvollen Inschrift beigesetzt, die noch heute zu sehen ist. \u2013 Viele andere Pers\u00f6nlichkeiten zeichneten diesen Ort aus. Zuletzt war es der Priester Giuseppe Cafasso, ein wegen seiner Fr\u00f6mmigkeit, theologischen Wissenschaft und Liebe zu Kranken, Gefangenen, zum Tode Verurteilten und Ungl\u00fccklichen jeder Art h\u00f6chst achtenswerter Mann. Er wurde 1811 geboren und starb 1860. (Vgl. Casalis, W\u00f6rterbuch.) (a). \u2013<em> * Zur <\/em>Bequemlichkeit der Leser erinnern wir daran, dass die piemontesische Meile 2,466 km entsprach (Anm.<em> d. Hrsg.).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Man sagt Riva di Chieri, um den Ort von anderen gleichnamigen Ortschaften zu unterscheiden; er liegt vier Kilometer von Chieri entfernt. Kaiser Friedrich belehnte mit einer Urkunde von 1164 den Grafen Biandrate mit der Herrschaft \u00fcber Riva di Chieri. Sp\u00e4ter wurde der Ort den Astigiani \u00fcberlassen. Im sechzehnten Jahrhundert kam er unter die Herrschaft des Hauses Savoyen. \u2013 Monsignore Agostino della Chiesa und Bonino berichten<em> in der medizinischen<\/em> Biographie ausf\u00fchrlich \u00fcber viele ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten, die dort geboren wurden<em> (a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Kaplan dieses Weilers war damals der Priester Giovanni Zucca aus Moriondo, der jetzt in seinem Heimatort wohnt <em>(a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Mondonio, auch Mondomio oder Mondone genannt, ist ein kleiner Ort mit etwa 400 Einwohnern, zwei Meilen von Castelnuovo d\u2019Asti entfernt, mit dem er durch eine Stra\u00dfe leicht verbunden ist, die neuerdings durch den Durchstich eines H\u00fcgels angelegt wurde. \u2013 Es gibt Nachrichten \u00fcber diesen Ort, die bis ins Jahr 1034 zur\u00fcckreichen. Durch den Vertrag von Cherasco von 1631 kam er unter die Herrschaft des Hauses Savoyen. (Vgl. Casalis, W\u00f6rterbuch.) (a). <em>\u2013 Diese <\/em>historische Anmerkung wurde vom Verfasser in der IV. Auflage hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Der Priester Giuseppe Cugliero, der einige Jahre als Benefiziat-Kaplan in Pino di Chieri verbracht hatte, ruhte nach einem vorbildlichen Leben im Herrn in demselben Ort <em>(a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Jene Wiesen sind heute vollst\u00e4ndig mit Geb\u00e4uden \u00fcberbaut, und der Ort jenes Streites entspricht dem Gel\u00e4nde, auf dem die Pfarrkirche Santa Barbara steht (a). (Anmerkung,<em> hinzugef\u00fcgt in der<\/em> 5. <em>Auflage.)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Dieses Kr\u00e4nzchengebet findet sich in vielen B\u00fcchern abgedruckt, unter anderem <em>im Giovane Provveduto (a).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> LUIGI COMOLLO wurde 1818 in Cinzano geboren und starb 1839 im Alter von 22 Jahren im Seminar von Chieri im Ruf au\u00dferordentlicher Tugend. Das Leben dieses Vorbildes der Jugend wurde im ersten Jahrgang der Letture Cattoliche zum <em>zweiten Mal gedruckt (a).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>Einer von denen, die Domenico Savio bei der Gr\u00fcndung der Gesellschaft der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis und bei der Ausarbeitung ihrer Regeln am wirksamsten unterst\u00fctzten, war Giuseppe Bongioanni. Nachdem er Vater und Mutter verloren hatte, war er von einer Tante dem Direktor des Oratoriums empfohlen worden, der ihn im November 1854 aus N\u00e4chstenliebe aufnahm. Er war damals 17 Jahre alt und kam, von den Umst\u00e4nden widerwillig gezwungen, noch mit einem Geist, der von den Eitelkeiten der Welt und von nichtigen Vorurteilen in religi\u00f6sen Dingen erf\u00fcllt war. Doch das Wirken der g\u00f6ttlichen Gnade zeigte sich an ihm deutlich; denn in kurzer Zeit gewann er das Haus, die Regeln und die Oberen sehr lieb, berichtigte nach und nach seine Vorstellungen und widmete sich mit gro\u00dfem Eifer dem Erwerb der Tugenden und den \u00dcbungen der Fr\u00f6mmigkeit. Da er mit sehr scharfem Verstand und gro\u00dfer Lernf\u00e4higkeit begabt war, wurde er dem Studium zugef\u00fchrt. Mit bewundernswerter Schnelligkeit vollendete er die klassischen Studien und erzielte dabei ausgezeichnete Erfolge. Mit lebhafter Einbildungskraft begabt, zeigte er gro\u00dfe dichterische F\u00e4higkeiten sowohl in italienischer Sprache als auch im Dialekt; w\u00e4hrend er in vertrauten Gespr\u00e4chen seine Freunde durch Improvisationen \u00fcber scherzhafte Themen unterhielt, verfasste er am Schreibtisch sehr sch\u00f6ne Gedichte, von denen viele ver\u00f6ffentlicht wurden, darunter jenes zu Ehren Mariens, Hilfe der Christen, das mit den Worten beginnt:<em> Salve, Salve, pietosa Maria usw. <\/em>und im Giovane <em>Provveduto zu finden <\/em>ist.<\/p>\n<p>Nachdem er die kirchliche Laufbahn eingeschlagen hatte, zeichnete er sich w\u00e4hrend der Klerikerzeit stets durch Fr\u00f6mmigkeit, treue Befolgung der Regeln und Eifer f\u00fcr das Wohl seiner Kameraden aus. 1863 zum Priester geweiht, widmete er sich mit unaussprechlichem Eifer dem heiligen Dienst. Obwohl seine Stimme wenig beg\u00fcnstigt war, fand seine Predigt doch wegen der Sch\u00f6nheit des Inhalts und der Salbung des Vortrags so gro\u00dfen Anklang, dass man ihm sehr gern zuh\u00f6rte und er reiche Fr\u00fcchte erzielte.<\/p>\n<p>Nachdem er Domenico Savio, mit dem ihn eine heilige Freundschaft verband, bei der Gr\u00fcndung der Gesellschaft der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis unterst\u00fctzt hatte, gr\u00fcndete er, damals noch Kleriker, mit Erlaubnis des Oberen eine weitere Vereinigung zu Ehren des Allerheiligsten Sakraments. Ihr Ziel war es, die Verehrung unter der Jugend zu f\u00f6rdern und die durch Tugend besonders ausgezeichneten Sch\u00fcler im Dienst bei den heiligen Funktionen zu schulen, sodass ein kleiner Klerus entstand, der deren W\u00fcrde und Feierlichkeit erh\u00f6hen sollte. Diese Vereinigung pflegte er als Priester mit noch gr\u00f6\u00dferer T\u00e4tigkeit und mit ausgezeichneten Ergebnissen weiter. Man kann mit Recht sagen: Wenn die Kongregation des heiligen Franz von Sales der Kirche bereits eine sch\u00f6ne Zahl von Dienern des Altars schenken konnte, so ist dies zu einem gro\u00dfen Teil den heiligen Bem\u00fchungen des Priesters Bongioanni um den Piccolo Clero zu verdanken.<\/p>\n<p>Als sich 1868 die Weihe der in Valdocco zu Ehren Mariens, Hilfe der Christen, errichteten Kirche n\u00e4herte, setzte Don Bongioanni sich mit ganzer Kraft daf\u00fcr ein, alles f\u00fcr diese Feier Notwendige vorzubereiten, besonders den Piccolo Clero darauf, am Festtag und w\u00e4hrend der folgenden Oktav, die ebenfalls au\u00dferordentlich feierlich begangen werden sollte, seine Aufgabe erbaulich zu erf\u00fcllen. Von gl\u00fchender Liebe zur allerseligsten Jungfrau Maria erf\u00fcllt, sparte er keine Sorge, M\u00fche und keinen Schwei\u00df, besonders am Vorabend, dem 8. Juni jenes Jahres. Die Jungfrau, Hilfe der Christen, nahm seine gl\u00fchende Verehrung und Huldigung wohlgef\u00e4llig an und erwirkte ihm bald den Lohn daf\u00fcr. Zuvor jedoch wollte sie ihn einer Pr\u00fcfung unterwerfen, die, mit Ergebung getragen, dem guten Priester gewiss gro\u00dfes Verdienst einbrachte. Er, der sich so sehr f\u00fcr das Gelingen der Feiern eingesetzt hatte, erkrankte am 9. Juni, dem Tag der Weihe, so sehr, dass er das Bett nicht verlassen konnte. In den folgenden Tagen dauerte die Krankheit an. Da er wenigstens einmal die heiligen Geheimnisse in der neuen Kirche feiern wollte, bat er die allerseligste Jungfrau inst\u00e4ndig, ihm diese Gnade zu erwirken. Am Sonntag innerhalb der Oktav f\u00fchlte er eine solche Besserung seiner Kr\u00e4fte, dass er nach geb\u00fchrender Vorbereitung zum Altar gehen und zur unermesslichen Freude seines Herzens die heilige Messe feiern konnte. Nach der Messe sagte er zu einigen seiner Freunde, er sei so gl\u00fccklich, dass er wohl das Nunc dimittis anstimmen k\u00f6nne. Und so geschah es: Als er sp\u00fcrte, <em>dass seine Kr\u00e4fte <\/em>nachlie\u00dfen, kehrte er ins Bett zur\u00fcck und stand nicht mehr auf. Am folgenden Mittwoch, als die Oktav beendet war, wurde f\u00fcr die verstorbenen Wohlt\u00e4ter ein Totengottesdienst gehalten; am Nachmittag, nachdem alle Funktionen und Feierlichkeiten beendet waren, reisten die jungen Sch\u00fcler der verschiedenen Kollegien, die zur Teilnahme am Fest gekommen waren, an ihre Bestimmungsorte ab.<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter gab der Priester Giuseppe Bongioanni, versehen mit den Tr\u00f6stungen der Religion, betreut von seinem geliebten Direktor und umgeben von einem Kreis seiner liebsten Freunde und Mitbr\u00fcder, seine sch\u00f6ne Seele dem Herrn zur\u00fcck und ging, wie man fest hoffen darf, hin, um zu sehen, wie im Himmel jene gefeiert wird, die der Gegenstand seiner z\u00e4rtlichsten Verehrung gewesen war<em> (a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Lies: 29. Dezember 1855. (Anm.<em> d. Hrsg.).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>Der Priester und Theologe Carlo Valfr\u00e8 wurde am 23. Juli 1813 in Villafranca di Piemonte geboren. Mit wahrhaft vorbildlichem Verhalten und mit gutem Erfolg durchlief er seine Studien; seiner Berufung folgend, trat er in den geistlichen Stand ein. Mit apostolischem Eifer wirkte er viele Jahre im heiligen Dienst, bis er bei einer Ausschreibung der Pfarrei Marmorito f\u00fcr w\u00fcrdig befunden wurde.<\/p>\n<p>Unerm\u00fcdlich erf\u00fcllte er seine Pflichten. Der Unterricht armer Kinder, die Betreuung der Kranken und die Unterst\u00fctzung der Armen waren die kennzeichnenden Z\u00fcge seines Eifers. An G\u00fcte, N\u00e4chstenliebe und Uneigenn\u00fctzigkeit konnte er jedem Priester mit Seelsorgeverantwortung als Vorbild dienen.<\/p>\n<p>Wenn die Pfarrpflichten es erlaubten, ging er auch an andere Orte, um Exerzitien, Triduen, Novenen und \u00c4hnliches zu halten. Der Herr segnete seine M\u00fchen, die stets von reicher Frucht gekr\u00f6nt waren.<\/p>\n<p>Doch gerade zu einer Zeit, als wir ihn am meisten brauchten, befand Gott ihn f\u00fcr den Himmel reif. Nach kurzer Krankheit ging er mit dem Tod des Gerechten am 12. Februar 1861 im sch\u00f6nen Alter von 47 Jahren in das selige Leben ein.<\/p>\n<p>Dieser Verlust nahm der Kirche einen w\u00fcrdigen Diener und Marmorito einen Hirten, der mit Recht Vater des Volkes genannt wurde; doch sind wir alle sehr getr\u00f6stet in der Hoffnung, im Himmel bei Gott einen F\u00fcrsprecher gewonnen zu haben <em>(a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Mit diesem Namen bezeichnete er das ganz f\u00fcr die Jugend bestimmte Buch mit dem Titel: Il <em>Giovane Provveduto <\/em>per la pratica de\u2019 suoi doveri, degli esercizi di cristiana piet\u00e0, per la recita dell\u2019uffizio della B. Vergine, dei vespri di tutto l\u2019anno e dell\u2019uffizio dei morti usw. <em>(a).<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Leone Cocchis, Sch\u00fcler der zweiten Rhetorikklasse, ein junger Mann von sch\u00f6nen Hoffn1ungen, gestorben am 25. M\u00e4rz 1855 im Alter von 15 Jahren<em> (a)<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>Diese Verehrung und dieses Vertrauen auf den jungen Savio nahmen sehr zu, seit dort Domenicos Vater eine bemerkenswerte Begebenheit erz\u00e4hlt hatte, deren Wahrheit er an jedem Ort und vor jeder Person zu best\u00e4tigen bereit ist. Er berichtete sie folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>\u201eDer Verlust dieses meines Sohnes\u201c, sagt er, \u201ewar f\u00fcr mich Ursache tiefster Betr\u00fcbnis, die durch den Wunsch noch verst\u00e4rkt wurde, zu wissen, was aus ihm im anderen Leben geworden sei. Gott wollte mich tr\u00f6sten. Etwa einen Monat nach seinem Tod, eines Nachts, nachdem ich lange keinen Schlaf finden konnte, schien mir, als \u00f6ffne sich die Decke des Zimmers, in dem ich schlief, weit; und siehe, inmitten eines gro\u00dfen Lichtes erschien mir Domenico mit l\u00e4chelndem, freudigem Gesicht, zugleich aber mit majest\u00e4tischer und eindrucksvoller Erscheinung. Bei diesem \u00fcberraschenden Anblick war ich au\u00dfer mir. O Domenico! rief ich aus: Mein Domenico! Wie geht es dir? Wo bist du? Bist du schon im Paradies? \u2013 Ja, Vater, antwortete er, ich bin wirklich im Paradies! \u2013 Ach, erwiderte ich, wenn Gott dir die gro\u00dfe Gnade erwiesen hat, die Seligkeit des Himmels zu genie\u00dfen, dann bete f\u00fcr deine Br\u00fcder und Schwestern, damit sie eines Tages zu dir kommen k\u00f6nnen. \u2013 Ja, ja, Vater, antwortete er, ich werde Gott f\u00fcr sie bitten, damit sie eines Tages zu mir kommen und mit mir die unermessliche Seligkeit des Himmels genie\u00dfen k\u00f6nnen. \u2013 Bete auch f\u00fcr mich, erwiderte ich, bete f\u00fcr deine Mutter, damit wir alle gerettet werden und uns eines Tages gemeinsam im Paradies wiederfinden. \u2013 Ja, ja, ich werde beten. Nachdem er dies gesagt hatte, verschwand er, und das Zimmer war wieder dunkel wie zuvor.\u201c<\/p>\n<p>Der Vater versichert, dass er schlicht die Wahrheit aussagt, und erkl\u00e4rt, dass er weder vorher noch nachher, weder wachend noch schlafend, durch eine \u00e4hnliche Erscheinung getr\u00f6stet worden sei<em> (a)<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin also der Stoff; Sie sollen der Schneider sein.\u201c Mit diesen Worten vertraute sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":55091,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"iawp_total_views":1,"footnotes":""},"categories":[145],"tags":[2575,2635,1825,1969,1813,2504],"class_list":["post-55100","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-don-bosco","tag-don-bosco","tag-empfehlungen","tag-erhaltene-gnaden","tag-heilige","tag-jugend","tag-charyzmat-salezjanski"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55100"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55102,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55100\/revisions\/55102"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}