{"id":47831,"date":"2026-01-03T10:29:04","date_gmt":"2026-01-03T10:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.donbosco.press\/?p=47831"},"modified":"2026-03-26T16:43:44","modified_gmt":"2026-03-26T16:43:44","slug":"jahresleitgedanken-2026-tut-was-er-euch-sagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.donbosco.press\/de\/mitteilungen-des-generaloberer\/jahresleitgedanken-2026-tut-was-er-euch-sagt\/","title":{"rendered":"Jahresleitgedanke 2026. \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c (Joh 2,5)"},"content":{"rendered":"<p><em>Glaubende Menschen, befreit zu dienen<\/p>\n<p><\/em><br \/>\nKommentar zum Jahresleitgedanken 2026<\/p>\n<p><a href=\"#_Toc220395943\">Einleitung<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395944\">a. Das erste Zeichen Jesu ist eine \u201eEingangspforte\u201c<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395945\">b. Der definitive Einbruch Gottes in die Geschichte<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395946\">c. Jesus er\u00f6ffnet eine Liebesbeziehung, einen Bund der G\u00fcte und F\u00fclle<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395947\">1. SCHAUEN \u2013 Die Zeichen der Zeit annehmen<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395948\">a. Maria war kein \u201esich neutral verhaltender\u201c Gast<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395949\">b. Die Herausforderungen und Schwierigkeiten m\u00fcssen erkannt und angegangen statt aufgeschoben werden<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395950\">c. Die Geschichte ist eine Schatzkiste, die Gottes Handeln offenbart<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395951\">d. Einladung zur Reflexion<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395952\">2. ZUH\u00d6REN \u2013 Im Glauben an Christus verwurzelt sein<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395953\">a. Die Ereignisse m\u00fcssen im Licht Christi gelesen und gelebt werden<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395954\">b. Gottes Wille wird sichtbar in den Ereignissen, die wir erleben<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395955\">c. Ein Prozess, der durch das Wort Gottes gen\u00e4hrt und erleuchtet wird<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395956\">d. Einladung zur Reflexion<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395957\">3. W\u00c4HLEN \u2013 Den Ruf in Freiheit leben<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395958\">a. Freies Zuh\u00f6ren gepaart mit vollkommenem Vertrauen<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395959\">b. Jedes Handeln erh\u00e4lt Sinn (<em>logos<\/em>) nur in und aus Gottes Wort (<em>Logos<\/em>)<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395960\">c. Gefahr eines Glaubens, der sich an die vorherrschende Kultur anpasst<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395961\">d. Einladung zur Reflexion<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395962\">4. HANDELN \u2013 Mit vollkommener Gro\u00dfz\u00fcgigkeit dienen<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395963\">a. Frei dienen, weil wir in Christus verwurzelt sind<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395964\">b. Wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Gottes Plan f\u00fcr die jungen Menschen<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395965\">c. Der Mut des Glaubens<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395966\">d. Einladung zur Reflexion<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395967\">5. 150 Jahre Salesianische Mitarbeiter\/-innen Don Boscos: Der prophetische Traum Don Boscos geht weiter<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395968\">6. Einige pastorale Vorschl\u00e4ge<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395969\">1. \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c: hin zu einer P\u00e4dagogik des pers\u00f6nlichen Zuh\u00f6rens<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395970\">2. Maria in Kana: Lehrmeisterin einer authentischen Freiheit<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395971\">3. Die Kunst, die Zeichen der Zeit mit den jungen Menschen zu deuten<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395972\">4. W\u00e4hlen: christliche Freiheit als Berufungsantwort<\/a><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"#_Toc220395973\">5. 150 Jahre Salesianische Mitarbeiter\/-innen Don Boscos: ein Vorbild f\u00fcr heute<\/a><br \/>\n<a href=\"#_Toc220395974\">Schluss<\/a><\/p>\n<p><em>Liebe Mitbr\u00fcder,<br \/>\nliebe Don-Bosco-Schwestern,<br \/>\nliebe Mitglieder der Don-Bosco-Familie,<br \/>\nliebe Jugendliche,<br \/>\n<\/em><br \/>\njedes Jahr ist der JAHRESLEITGEDANKE eine Gelegenheit, dass alle Gruppen der Don-Bosco-Familie sich mit einem einzigen Thema besch\u00e4ftigen, um sich auszutauschen und intensive Augenblicke des Gebets und der Reflexion, des Zuh\u00f6rens und der Geschwisterlichkeit zu leben. Es ist ein Wunsch und eine Hoffnung, dass jede Gruppe \u2013 und die einzelnen Personen in ihr \u2013 dabei Nahrung f\u00fcr den Weg und Unterst\u00fctzung f\u00fcr das eigene erzieherisch-pastorale und pers\u00f6nliche Erleben finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395943\"><\/a><strong>Einleitung<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der JAHRESLEITGEDANKE, der uns im vergangenen Jahr begleitet hat und sich mit dem Thema des Heiligen Jahres, <strong><em>Hoffnung<\/em><\/strong>, besch\u00e4ftigte, bot uns allen die M\u00f6glichkeit, auf das Geheimnis Christi als Lichtquelle zu schauen, das uns dabei hilft, Gottes Wunder im gegenw\u00e4rtigen Moment zu betrachten. Wir haben Augenblicke erlebt, die uns im Glauben an das, was der Herr uns noch offenbaren wird, gest\u00e4rkt haben, und wir haben die Hoffnung als Kraft des <strong>\u201eSchon\u201c<\/strong> und als Mut des <strong>\u201eNoch nicht\u201c<\/strong> wahrgenommen. Wir haben auch betrachtet, wie die Kraft der Hoffnung Don Bosco geholfen und ihn auf seinem Weg gest\u00fctzt hat, Gottes Plan zu entdecken und umzusetzen.<br \/>\nVor 150 Jahren war die Hoffnung der Antrieb des pastoralen Herzens Don Boscos, eines Herzens, das f\u00e4hig war, die Zeichen der Zeit zu deuten und getragen vom Glauben an Gott auf die Welt zu schauen. Die Erinnerung an den <strong>150. Jahrestag der ersten salesianischen Missionsaussendung<\/strong> will nicht eine auf einen bestimmten zeitlichen Moment beschr\u00e4nkte Feier sein. Als wir uns an diesen historischen Augenblick erinnert haben, haben wir betrachtet, wie der Geist Gottes in Don Bosco ein offenes und verf\u00fcgbares Herz gefunden hat. Don Boscos Antwort war eine Antwort, die eine kleinliche und selbstbezogene Lebenssicht zu \u00fcberwinden wusste.<br \/>\nDon Bosco lebte in Turin, aber sein Herz und sein Verstand bewohnten die ganze Welt. Seine Hoffnung war auf der Gewissheit gegr\u00fcndet, dass \u2013 sobald Gottes Plan einmal entdeckt worden ist \u2013 es keinen anderen Weg gibt, als seinem Willen bis zum Ende zu folgen. Wenn wir die g\u00f6ttliche Tugend der Hoffnung betrachten, die sein Leben belebte, k\u00f6nnen wir erahnen, was schon seine ersten Sch\u00fcler f\u00fchlten und sp\u00e4ter so benannten: Don Bosco als Mann des Glaubens und gl\u00e4ubiger Mensch \u2013 \u201eDon Bosco mit Gott\u201c.<br \/>\nDieses Jahr m\u00f6chte ich den <strong><em>Glauben<\/em><\/strong> als Thema f\u00fcr den Jahresleitgedanken vorschlagen. Dieses ist allm\u00e4hlich, aber deutlich hervorgetreten, als sich die verschiedenen Gruppen der Don-Bosco-Familie Anfang Juni 2025 zur Weltconsulta getroffen haben. Die gemeinsamen \u00dcberlegungen wiesen auf das Thema <strong><em>Glauben<\/em><\/strong> hin: nicht nur als nat\u00fcrliche Weiterf\u00fchrung der Hoffnung, sondern als \u201eFundament\u201c derselben. Wenn sich die Kraft der Hoffnung auf den Glauben gr\u00fcndet, tr\u00e4gt ein wirklich von Hoffnung erf\u00fclltes Leben zu einer tieferen und authentischeren Glaubensbeziehung zu Jesus bei, dem Sohn des Vaters, der f\u00fcr uns Mensch geworden ist und durch die Kraft des Heiligen Geistes weiterhin unter uns gegenw\u00e4rtig ist. Es wird also eine Pilgerfahrt im Glauben f\u00fcr die gesamte Don-Bosco-Familie sein: gemeinsam, um uns zu erneuern, gemeinsam, um als Christen (und Salesianer) in der Welt zu leben.<br \/>\nIn seiner ersten Enzyklika <strong><em>Lumen fidei<\/em><\/strong><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><em><strong>[1]<\/strong><\/em><\/a> schreibt Papst Franziskus dazu einige sehr treffende Anmerkungen. Zuallererst fordert uns Papst Franziskus, als allgemeine Einleitung in das Thema Glauben, auf, unseren Blick zu korrigieren: Glaube nicht als etwas theologisch weit Entferntes, sondern als <strong>\u201eein Licht, das entdeckt werden muss\u201c<\/strong>. Glauben, den Glauben leben bedeutet, im Licht unterwegs sein zu wollen. Glaube ist also jenes Fundament, das wir haben, und der Weg, den wir einschlagen, weil wir unser Leben auf eine sch\u00f6ne und gesunde Art und Weise leben wollen. Den Glauben anzunehmen, dr\u00fcckt den tiefen Wunsch aus, im Licht zu leben, indem man sich weigert, in der Dunkelheit, in der Leere, im Unsinn zu leben. Papst Franziskus schreibt, dass wir diesem Aufruf, <strong>seine [des Glaubens, A. d. \u00dc.]<\/strong> <strong>\u201eArt von Licht wiederzugewinnen\u201c<\/strong>, aus dem Grund folgen wollen, dass, \u201ewenn seine Flamme erlischt, [&#8230;] am Ende auch alle anderen Leuchten ihre Kraft\u201c verlieren. \u201eDas Licht des Glaubens besitzt n\u00e4mlich eine ganz besondere Eigenart, da es f\u00e4hig ist, das <em>gesamte<\/em> Sein des Menschen zu erleuchten\u201c (Nr. 4).<br \/>\nDiese erste Aufforderung spricht uns direkt an, wenn wir erkennen, dass es unsere Sendung ist, zum Glauben und im Glauben zu erziehen. Die Herausforderung, die sich unmittelbar stellt, ist ganz offensichtlich: Wie k\u00f6nnen wir das tun, wenn diese Lichtquelle in mir dabei ist zu erl\u00f6schen? Wie k\u00f6nnen wir ruhig bleiben, wenn wir bemerken, dass das Erl\u00f6schen des Lichtes in unserem Herzen auf lange Sicht bedeutet, dass wir die jungen Menschen und alle, die wir begleiten, in v\u00f6lliger Dunkelheit zur\u00fccklassen?<br \/>\nDar\u00fcber hinaus hat dieses Licht <strong>einige Eigenheiten<\/strong>, die genannt werden m\u00fcssen. Es sind Eigenheiten, die in harten und schwierigen Momenten als St\u00fctzen auf dem Glaubensweg dienen.<br \/>\nZuallererst kann die St\u00e4rke des Glaubenslichts <strong>\u201enicht von uns selber ausgehen<\/strong>, [sondern] es muss aus einer urspr\u00fcnglicheren Quelle kommen, es muss letztlich von Gott kommen\u201c (Nr. 4). Es geht n\u00e4mlich nicht darum, rein menschliche, obschon intelligente und professionelle Dinge anzubieten, sondern um weit mehr. Dieses Licht geh\u00f6rt uns also nicht, sondern ist uns geschenkt.<br \/>\nEs gibt einen zweiten Aspekt, der aus dieser au\u00dferordentlichen Gnade Gottes hervorgeht, und Papst Franziskus beschreibt ihn in tiefgr\u00fcndigen und zugleich liebevollen Worten: <strong>\u201eDer Glaube keimt in der Begegnung mit dem lebendigen Gott auf<\/strong>, der uns ruft und uns seine Liebe offenbart, eine Liebe, die uns zuvorkommt und auf die wir uns st\u00fctzen k\u00f6nnen, um gefestigt zu sein und unser Leben aufzubauen\u201c. Der Glaube ist kein Produkt. Er entsteht nicht so sehr <strong>\u201enach der<\/strong> Begegnung mit Gott\u201c, sondern <strong>\u201ein der<\/strong> Begegnung mit Gott\u201c. Eine Begegnung, die erlebt werden sollte als Ausdruck v\u00f6lliger Freiheit und als st\u00e4ndige Quelle, die uns mit ihrem Licht n\u00e4hrt.<br \/>\nDiese kurze Einf\u00fchrung legt bereits die notwendigen Grundlagen, um das Thema Glauben in eine Beziehungsdynamik einzuordnen. Eine Dynamik, die f\u00fcr unser salesianisches Charisma charakteristisch ist. Die Erfahrung des Glaubens in der Begegnung mit Jesus, dem Sohn Gottes, wird durch die Kraft seines Geistes zum R\u00fcckgrat unseres Handelns. Durch diese dreifaltige Energie sind wir die ersten Nutznie\u00dfer jener Gabe, die allem, was wir sind, und folglich auch allem, was wir f\u00fcr das Heil der Jugendlichen tun und anbieten, Form und Sinn verleiht.<\/p>\n<p><strong>\u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c (Joh 2,5)<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<em>Glaubende Menschen, befreit zu dienen<br \/>\n<\/em><br \/>\nLassen wir uns dieses Jahr von einem Satz aus dem Johannesevangelium leiten, der von Maria zu Beginn dieses Evangeliums gesagt wird. Bei einer Hochzeit, die einfach ein sch\u00f6nes Fest sein sollte, trat ein Problem auf: Der Wein war ausgegangen. Angesichts der M\u00f6glichkeit, dass ein Fest zu einem Misserfolg wird, finden wir die aus dem Herzen Mariens kommende Reaktion: Es ist notwendig einzugreifen. Maria pr\u00e4sentiert Jesus einfach nur die reale Situation. Aber seine Stunde, die Stunde Jesu, ist noch nicht gekommen. Maria, die f\u00fcrsorgliche Mutter, fordert mit gro\u00dfer Gelassenheit die Diener einzig dazu auf, dem Geh\u00f6r zu schenken, was Jesus ihnen sagen wird, sobald \u201eseine Stunde\u201c gekommen ist.<br \/>\nDieses Jahr schlage ich euch vor, die Aufforderung Mariens mit derselben Haltung freier Verf\u00fcgbarkeit anzunehmen, die wir bei den Dienern sehen. Auch wir als Mitglieder der unterschiedlichen Gruppen der Don-Bosco-Familie m\u00fcssen uns an die Wahrheit unserer Entscheidung und Identit\u00e4t erinnern: Wir sind Dienerinnen und Diener, einfach nur Dienende. Auch zu uns sagt Maria heute: \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c Was auch immer Jesus uns sagt, wir m\u00fcssen es einfach annehmen, verinnerlichen und leben, ohne Wenn und Aber.<br \/>\nIch lade euch alle ein, liebe Schwestern und Br\u00fcder, nachdem wir die Kraft der Hoffnung erfahren haben, jener \u201eHoffnung, die nicht entt\u00e4uscht\u201c, die Worte Mariens in unser Herz eindringen zu lassen und unseren Blick und unser Geh\u00f6r auf Jesus zu richten, auf das, was er uns sagen wird, im Bewusstsein und in der Freude, Dienende zu sein.<br \/>\nSeien wir von demselben Glauben getragen, wenn wir die Kr\u00fcge bis zum Rand f\u00fcllen und das in Wein verwandelte Wasser in unseren Alltag bringen, den wir mit allen teilen. Da viele von uns in vorderster Linie bei schwierigen Situationen und an kritischen Orten stehen, erkennen wir das Risiko eines schwachen, manchmal sogar fehlenden Glaubens mit den dramatischen Folgen, die wir dann feststellen, wenn der \u201eWein\u201d der G\u00fcte, der Empathie und der Liebe nicht geteilt wird.<\/p>\n<p><strong>Johannesevangelium 2,1-11<br \/>\n<\/strong><em>Am dritten Tag fand in Kana in Galil\u00e4a eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine J\u00fcnger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!<br \/>\nEs standen dort sechs steinerne Wasserkr\u00fcge, wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach; jeder fasste ungef\u00e4hr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: F\u00fcllt die Kr\u00fcge mit Wasser! Und sie f\u00fcllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Sch\u00f6pft jetzt und bringt es dem, der f\u00fcr das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm. Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser gesch\u00f6pft hatten, wussten es. Da lie\u00df er den Br\u00e4utigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die G\u00e4ste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.<br \/>\nSo tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galil\u00e4a, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine J\u00fcnger glaubten an ihn.<br \/>\n<\/em><br \/>\nWir kommen nun zum Kern des Textes, der uns zum Titel des diesj\u00e4hrigen Jahresleitgedankens inspiriert hat, und betrachten das erste \u201eZeichen\u201c, das Jesus in Kana in Galil\u00e4a vollbringt, wie es Johannes erz\u00e4hlt (2,1-11).<br \/>\n<strong>Drei kurze, einleitende \u00dcberlegungen<\/strong> bieten uns den \u201ehermeneutischen\u201c Schl\u00fcssel, der die Bibelstelle bedeutsam f\u00fcr unsere pers\u00f6nliche und gemeinschaftliche Erfahrung macht.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395944\"><\/a><strong><em>a. Das erste Zeichen Jesu ist eine \u201eEingangspforte\u201c<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Papst Franziskus kommentiert diese Stelle in einer seiner Audienzen mit einem sehr konkreten Bild. Er sagt, dass das erste Zeichen Jesu \u201e<em>eine Art \u201aEingangspforte<\/em>\u2018 [ist], in die Worte und S\u00e4tze gemei\u00dfelt sind, die das ganze Geheimnis Christi erleuchten und das Herz der J\u00fcnger f\u00fcr den Glauben \u00f6ffnen\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Das erste Zeichen Jesu ist kein zu bewunderndes Schauspiel, sondern eher eine Einladung, die sich an das Herz eines jeden glaubenden Menschen richtet. Darin finden wir den Hinweis auf jene Haltungen, die die Annahme des Glaubens an ihn gew\u00e4hrleisten, wie am Ende des Abschnitts angedeutet wird: \u201eSeine J\u00fcnger glaubten an ihn\u201c (V. 11). Dieses erste Zeichen in Kana trifft unmittelbar den Kern der Botschaft Jesu: die Aufforderung, unser Leben auf sein Wort zu setzen. Heute ist \u201eKana\u201c das Haus, in dem wir wohnen, das Werk, in dem wir unsere Sendung leben, die Gruppe junger Menschen, von Dozenten oder Eltern, die wir begleiten. Wir sind die dienenden Menschen und die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger der verschiedenen konkreten, allt\u00e4glichen Erfahrungen.<br \/>\nWie in Kana hat Maria auch heute noch eine grundlegende und entscheidende Aufgabe in diesem Prozess. Sie ist mit uns unterwegs und l\u00e4dt uns ein, den Schritt zum Glauben zu machen, zu einem freiwillig angenommenen Glauben, um authentisch dienende Menschen sein zu k\u00f6nnen. Dieser Prozess, der aus <em>Glauben<\/em>, <em>Freiheit<\/em> und <em>Dienen<\/em> besteht, ist derselbe, den Don Bosco w\u00e4hrend seines gesamten Lebens erfahren hat. Auch Don Bosco erkannte Maria seit seinem Traum mit neun Jahren als Mutter und Lehrmeisterin an. Sie unterst\u00fctzte ihn in seinem Glauben und gab ihm den Mut, ein frei dienender Mensch f\u00fcr die jungen Leute auf dem Gebiet zu sein, das sie ihm gezeigt hatte.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395945\"><\/a><strong><em>b. Der definitive Einbruch Gottes in die Geschichte<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einen zweiten Denkansto\u00df gibt Papst Benedikt XVI., ausgehend von den Worten, die dieses erste Zeichen einleiten: <em>\u201eAm dritten Tag fand in Kana in Galil\u00e4a eine Hochzeit statt\u201c<\/em>. (V. 1)<br \/>\nIn seinem Buch <em>Jesus von Nazareth<\/em> sagt Papst Benedikt, dass wir uns hier <em>mitten im Geheimnis Gottes befinden, der sich zeigt. Die Datierung ist ein Symbol f\u00fcr jedes Handeln Gottes in der Geschichte<\/em>. Der \u201edritte Tag\u201c ist ein Vorverweis auf die Vollendung der Heilsgeschichte in der Auferstehung Christi am dritten Tag. Genau in diesem Augenblick geschieht der <em>\u201edefinitive Einbruch Gottes in die Erde\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em>. Kana ist ein Ort, der dem\u00fctig und verborgen die Vollendung des Liebesprojektes Gottes f\u00fcr die Menschheit enth\u00e4lt. Kana ist jeder Ort, an den wir gesandt werden, ein Ort, an dem Gott weiterhin gegenw\u00e4rtig ist \u2013 durch diejenigen, die sein Wort h\u00f6ren, daran glauben und danach leben.<br \/>\nDiese \u00dcberlegung hat eine wirklich bedeutsame Tragweite f\u00fcr uns. Wenn \u201eKana\u201c jeder Ort ist, an dem wir wohnen, dann sind wir diejenigen, die der Herr beruft, Zeichen und Tr\u00e4ger seiner Liebe f\u00fcr die jungen Menschen, f\u00fcr die Menschheit zu sein. Sicherlich h\u00e4ngt der \u201eEinbruch Gottes in die Erde\u201c nicht von uns ab, aber uns ist die M\u00f6glichkeit gegeben, diesen als ein umsonst erhaltenes und frei empfangenes Geschenk zu erleichtern. Jede unserer gro\u00dfz\u00fcgigen Handlungen ist Teil dieses Plans Gottes &#8230;; doch birgt auch jeder unserer Widerst\u00e4nde oder jede unserer Ablehnungen die Gefahr, anderen diesen \u201eguten Wein\u201d vorzuenthalten.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395946\"><\/a><strong><em>c. Jesus er\u00f6ffnet eine Liebesbeziehung, einen Bund der G\u00fcte und F\u00fclle<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der dritte einleitende Denkansto\u00df kommt wiederum von Papst Benedikt XVI.: Die Atmosph\u00e4re der \u201eHochzeitsfeier\u201c ist die passendste Dimension, die die Beziehung Gottes zur gesamten Menschheit charakterisiert, den ehelichen Bund par excellence.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><br \/>\nWir werden uns wahrhaft bewusst, dass Jesus uns nicht einfach eine Botschaft hinterlassen hat. Durch dieses erste Zeichen <em>ist Jesus im Begriff, eine Liebesbeziehung, einen Bund der G\u00fcte und F\u00fclle zu er\u00f6ffnen<\/em>. Jesus l\u00e4dt uns ein, in eine lebendige und belebende Beziehung einzutreten. Mit ihm wohnen wir in einem heiligen Bereich, in dem wir vor allem entdecken, dass wir geliebt sind. In dieser Liebesbeziehung werden wir positiv herausgefordert und ermutigt, ihm zu folgen.<br \/>\nWenn wir anerkennen, dass wir immer auf der Suche nach diesem \u201eguten Wein\u201c sind, der nie versiegt, gibt es nur einen zu gehenden Weg, der, den Maria uns weist: \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c Die Hochzeitsfeier l\u00e4utet einerseits eine neue Realit\u00e4t ein und besiegelt andererseits den neuen und ewigen Bund.<br \/>\nWir k\u00f6nnen sagen, <em>dass die Erfahrung von Kana ein wahrer \u201eScho\u00df\u201c ist, in dem uns die Treue Gottes begegnet und die Suche des Menschen nach Liebe vervollst\u00e4ndigt und zur Vollendung gebracht wird<\/em>. Das hei\u00dft: Wenn die Stunde gekommen ist, antwortet man auf den Vorschlag Jesu mit Gehorsam (<em>ob-audire<\/em>; ge-horchen), indem man auf den Glauben h\u00f6rt und ihn treu lebt.<br \/>\n<em>So wird das Festmahl zum Altar, an dem reichlich der neue Wein des Wortes Gottes ausgeschenkt wird. Eine gro\u00dfz\u00fcgige<\/em> Verteilung, Ergebnis eines in Freiheit gelebten Glaubens. Der Einladung Marias folgend, wird dieses vom Wort Jesu erleuchtete Leben in Form des Dienens zum Wohle aller gelebt, in voller Bereitschaft des Herzens.<\/p>\n<p>Im Licht des Abschnitts \u00fcber die Hochzeit von Kana nennt uns der JAHRESLEITGEDANKE 2026 verschiedene Herausforderungen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass der Aufruf an jede Gruppe der Don-Bosco-Familie, ihr eigenes Charisma besser zu leben, in diesem Abschnitt des Evangeliums weitere Anregungen findet, um zugunsten der Jugendlichen und all jener gelebt zu werden, die die salesianische Sendung teilen. Nicht nur das, sondern auch, um vielen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt zu dienen, denen der Herr den Wein der Hoffnung und die Freude der Gemeinschaft bringen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395947\"><\/a><strong>1. SCHAUEN \u2013 Die Zeichen der Zeit annehmen<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein erster Aufruf, den ich euch bitte anzunehmen und \u00fcber den ihr nachdenken sollt, betrifft die Haltung Mariens: <strong><em>die Frau, die aufmerksam f\u00fcr das ist, was um sie herum geschieht<\/em><\/strong>. Im Evangelium hei\u00dft es einfach: <em>\u201eAm dritten Tag fand in Kana in Galil\u00e4a eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei\u201c<\/em> (V. 1). Das Evangelium gibt keine weiteren Informationen. Aber wenn wir diese wenigen Worte h\u00f6ren und sie mit ihrer Reaktion verbinden, beginnen wir einige wichtige Elemente im Herzen Mariens zu erkennen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395948\"><\/a><strong><em>a. Maria war kein \u201esich neutral verhaltender\u201c Gast<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie war aufmerksam und gegenw\u00e4rtig allem gegen\u00fcber, was um sie herum geschah. Bildlich, aber dennoch pr\u00e4gnant k\u00f6nnen wir sagen, dass <strong><em>Maria die Zeit und die Geschichte derjenigen angenommen hat<\/em><\/strong>, die sie als Gast zu ihrer Hochzeitsfeier eingeladen haben. Maria h\u00e4tte sich ruhig als jemand f\u00fchlen k\u00f6nnen, der sich nicht einmischen brauchte, auch wenn sie die traurigen Folgen des fehlenden Weins ahnte. Dennoch hat sie sich entschieden, nicht gleichg\u00fcltig zu bleiben.<br \/>\nDas ist ein erster Aspekt, \u00fcber den wir uns als J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger Jesu befragen sollten: Inwieweit f\u00fchlen wir uns von den historischen Ereignissen, die wir gerade erleben, und von den Orten, an denen wir leben, angesprochen? Welche Haltung nehmen wir ein, wenn wir uns ebenso auch entscheiden k\u00f6nnten, distanziert zu bleiben, weil einige Dinge \u201emich nichts angehen\u201c, \u201enicht in meiner Verantwortung liegen\u201c? Im Lichte dessen, was Maria getan hat, f\u00fchlen wir uns angesichts der uns umgebenden Herausforderungen zutiefst und pers\u00f6nlich angesprochen. In einer Kultur der Anonymit\u00e4t und Gleichg\u00fcltigkeit erkennen wir, dass auch wir Gefahr laufen, Entscheidungen lediglich so zu treffen, dass sie nicht \u201epolitisch inkorrekt\u201c sind!<br \/>\nDie existenzielle Haltung, <strong><em>die Zeit und die Geschichte anzunehmen<\/em><\/strong>, bringt bestimmte Anforderungen mit sich, die wir nur im Licht des Glaubens an Christus verstehen und annehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nIm erzieherisch-pastoralen Bereich ist diese Entscheidung Mariens f\u00fcr uns ein starker und zugleich sanfter Aufruf, nicht in jene Gleichg\u00fcltigkeit zu verfallen, die gewisse Dinge nicht nur rechtfertigt, sondern sie auch passiv und indirekt beg\u00fcnstigt. Wie oft begegnen wir sogar sogenannten \u201eKirchenleuten\u201c, die sich angesichts des Dramas der Fl\u00fcchtlinge, der Armen und der Schutzbed\u00fcrftigen in ihr gutes Leben zur\u00fcckziehen und diese Menschen nur als St\u00f6rung und Abfall betrachten?<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395949\"><\/a><strong><em>b. Die Herausforderungen und Schwierigkeiten m\u00fcssen erkannt und angegangen statt aufgeschoben werden<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 So hat es Maria in Kana getan. Wie oft passiert es uns, dass wir \u2013 angesichts unerwarteter schwieriger Situationen \u2013 uns von ihnen distanzieren und uns allzu leichtfertig rechtfertigen, statt ihnen mit der Kraft der Gelassenheit und apostolischen Leidenschaft zu begegnen! Die Gefahr ist, dass eine solche pastorale Tr\u00e4gheit ganz langsam zur \u201eKultur\u201c auch unter uns werden kann. Wir warten darauf \u2013 und fordern es nachdr\u00fccklich \u2013, dass andere ihren Teil beitragen, vielleicht geben wir ihnen die Schuld und glauben so, unser Gewissen bet\u00e4uben zu k\u00f6nnen, indem wir vorgeben zu glauben, dass wir nichts zu bieten haben oder nicht in Frage gestellt werden.<br \/>\nWenn der Arme an die T\u00fcr klopft, ist es uns nicht gestattet, so zu tun, als ob nichts w\u00e4re. F\u00fcr unseren Vater und Lehrer Don Bosco ging seine Antwort nicht von der Berechnung der Mittel aus, sondern von der Bereitschaft seines Herzens, das im Einklang mit den Jugendlichen seiner Zeit stand. Er war sofort von dem Wunsch bewegt, mit ihnen in Kontakt zu treten, so arm und bed\u00fcrftig sie auch waren. Wir m\u00fcssen sehr darauf achten, dass wir uns nicht von einer Vorstellung des geweihten und pastoralen Lebens leiten lassen, die stark von einer b\u00fcrgerlichen und selektiven Mentalit\u00e4t gepr\u00e4gt ist. Nicht wir w\u00e4hlen den Armen, sondern er wurde von der Vorsehung zu uns geschickt. Die armen jungen Menschen aufzunehmen und alles f\u00fcr sie M\u00f6gliche zu tun, ist ein Ruf, den wir ernst nehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395950\"><\/a><strong><em>c. Die Geschichte ist eine Schatzkiste, die Gottes Handeln offenbart<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein dritter Punkt, den wir dem Handeln Mariens entnehmen, ist das Bewusstsein, dass die Geschichte in den kleinen und dem\u00fctigen Momenten, wenn sie mit Gro\u00dfz\u00fcgigkeit gelebt werden, zur Schatzkiste wird, die Gottes Handeln offenbart. Eine einfache m\u00fctterliche Aufmerksamkeit, eine f\u00fcrsorgliche Aufforderung an die Diener bereiten das Terrain f\u00fcr die Stunde Jesu, f\u00fcr sein erstes Zeichen. Wie sehr \u00fcberrascht uns der Herr, wenn wir aufmerksam f\u00fcr die Details der menschlichen Existenz sind, besonders wenn wir mit den Armen und Bed\u00fcrftigen zusammen sind! Wie viele haben in ihrem Leben den Balsam des Erbarmens Gottes erlebt, durch aufmerksame Gesten von Erziehern und Erzieherinnen, die mit m\u00fctterlicher G\u00fcte ein L\u00e4cheln oder eine Ermutigung geschenkt haben, anstelle von verdammenden Blicken oder dem\u00fctigenden Worten!<br \/>\nDie ganze Erfahrung Don Boscos vermittelt uns, dass \u201eder Spielhof\u201c, sowohl physisch als auch metaphorisch, der Ort der Enth\u00fcllung der G\u00fcte Gottes ist. Die Liebensw\u00fcrdigkeit vermitteln wir, indem wir uns heiter zeigen, wenn wir unter den jungen Menschen und f\u00fcr sie da sind, so dass sie sich anerkannt, gesch\u00e4tzt und geliebt f\u00fchlen. Ein Miteinander entsteht in den Beziehungen zu unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, wenn sie uns um \u201ef\u00fcnf Minuten\u201c Aufmerksamkeit bitten. Pastorale und erzieherische Weisheit zeigt sich im Alltag durch Gesten, die mit einem offenen Herzen gelebt werden, das verf\u00fcgbar, aufmerksam und voll Zuwendung ist.<br \/>\nEs lohnt sich, hier eine mehr als je zuvor aktuelle \u00dcberlegung des Salesianers Dominic Veliath aus dem Kontext S\u00fcdasiens anzuf\u00fchren<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Er schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201eDas salesianische Charisma ist noch immer auf Pilgerfahrt. Jede Pilgerfahrt birgt ein gewisses Risiko; manchmal steht man vor der Herausforderung, sich auf einen Weg zu wagen, der noch unerforscht zu sein scheint. Dann ist jeder Salesianer, auch die in S\u00fcdasien, im Vertrauen auf die st\u00e4ndige Gegenwart des Geistes Gottes und verwurzelt im salesianischen Charisma und in der br\u00fcderlichen Gemeinschaft mit der gesamten salesianischen Kongregation dazu gerufen, seinen Weg fortzusetzen mit ein wenig von dem Vertrauen, das so scharfsinnig von dem spanischen Dichter Antonio Machado in seinem Gedicht \u201aCaminante no hay Camino\u2018 beschrieben wurde: \u201aWanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht beim Gehen\u2018.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a><br \/>\n<\/em><br \/>\nMaria, <strong><em>die Frau, die aufmerksam f\u00fcr das ist, was um sie herum geschieht<\/em><\/strong>, fordert uns auf, nicht auf Abstand zu bleiben, nicht gleichg\u00fcltig zu sein gegen\u00fcber den Bed\u00fcrfnissen derer, die zu begleiten der Herr uns bittet.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395951\"><\/a><strong><em>d. Einladung zur Reflexion<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Als Gemeinschaften und als Gruppen fragen wir uns, ob wir R\u00e4ume und Zeiten haben, in denen wir gemeinsam \u00fcber die uns umgebende Armut nachdenken.<br \/>\n&#8211; Wir fragen uns, ob unser Lebensstil wirklich ein authentisches Zeugnis f\u00fcr diejenigen ist, die uns kennen, f\u00fcr diejenigen, denen wir dienen, die manchmal wahrhaftig arm im Geiste und am Leibe sind.<br \/>\n&#8211; Wir fragen uns, ob die Armen nur Zahlen und ein Objekt der pastoralen Ideologie und Strategie sind, oder ob wir ihnen mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln dienen. Wie gro\u00dfz\u00fcgig sind wir mit unseren \u201ef\u00fcnf Broten und zwei Fischen\u201c?<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395952\"><\/a><strong>2. ZUH\u00d6REN \u2013 Im Glauben an Christus verwurzelt sein<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Maria, aufmerksam f\u00fcr das, was um sie herum geschieht, sagt zu den Dienern: <em>\u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c<\/em> (V. 5) Die Aufforderung ist deutlich und einfach: Aber wir wissen nur zu gut, dass sie auch sehr herausfordernd ist. Es geht nicht nur darum, die Ereignisse in ihrer Dringlichkeit und Notwendigkeit zu erkennen, sondern auch sie im Lichte des Glaubens an Christus zu deuten. Meistens gelingt uns die Interpretation der Ereignisse gut, auf eine professionelle und kompetente Art, mit allgemein gut entwickelten und pr\u00e4zisen Analysen, auf einer sozusagen \u201ehorizontalen\u201c Ebene. Aber f\u00fcr uns, die wir Jesus folgen, muss diese Ebene \u2013 die niemals fehlen darf \u2013 auf jeden Fall von der \u201evertikalen\u201c begleitet sein. Wie leicht passiert es, dass wir, um auf verschiedene Notf\u00e4lle zu reagieren, den Weg hektischer Aktivit\u00e4t zugunsten der Armen und Bed\u00fcrftigen einschlagen. Auf lange Sicht werden wir dann oft in einen Strudel des Aktivismus hineingezogen, der uns keine Zeit mehr l\u00e4sst, das Gesicht derer zu sehen, denen wir dienen wollen, und auch nicht das Gesicht Desjenigen, der uns berufen hat, ihnen in seinem Namen zu dienen!<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395953\"><\/a><strong><em>a. Die Ereignisse m\u00fcssen im Licht Christi gelesen und gelebt werden<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Maria fordert zu einer Reaktion auf, die der unerwarteten Schwierigkeit sicherlich entgegentritt, aber mit einem sehr klaren Wink: <em>\u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c<\/em> Der vorrangige Akzent liegt nicht auf dem, was getan werden muss, sondern auf Demjenigen, der sagt, was zu tun ist! Die Ereignisse m\u00fcssen im Licht Christi gedeutet und angegangen werden. Dies ist ein unverzichtbarer Hinweis und zugleich eine Quelle wahrer Energie f\u00fcr diejenigen, die glauben. Es gibt verschiedene Arten, auf Armut zu reagieren. Glaubende Menschen entscheiden sich f\u00fcr diese: vom Wort Jesu ausgehend zu handeln. F\u00fcr den an Christus Glaubenden gilt das, was so viele Heilige der N\u00e4chstenliebe mit ihrem Leben und ihrem Zeugnis vermittelt haben. Auch unser Vater Don Bosco hat es klar \u00fcbermittelt: Handeln im Namen Jesu.<br \/>\nF\u00fcr uns ist es von gro\u00dfer Bedeutung, wie sehr die ersten Salesianer die Erinnerung an Don Bosco bewahrt haben, insbesondere in ihren tiefsten spirituellen und mystischen Aspekten. In Artikel 10 der <em>Salesianischen Konstitutionen<\/em>, der zu Beginn des Abschnitts \u00fcber den <em>salesianischen Geist<\/em> steht, finden wir die Zusammenfassung dieses Rufs, den Don Bosco wahrhaftig lebte:<\/p>\n<p>Artikel 10:<br \/>\n<em>\u201eDon Bosco hat auf Eingebung Gottes hin einen eigenen Stil des Lebens und Handelns vorgelebt und uns \u00fcberliefert: den salesianischen Geist.<br \/>\nMitte und Inbegriff dieses Geistes ist die pastorale Liebe. Sie ist durch jene jugendliche Dynamik gekennzeichnet, die sich bei unserem Gr\u00fcnder und in den Anf\u00e4ngen unserer Gesellschaft so ausgepr\u00e4gt zeigte. Der apostolische Eifer l\u00e4\u00dft uns das Heil der Menschen suchen und Gott allein dienen.\u201c<br \/>\n<\/em><br \/>\n<a name=\"_Toc220395954\"><\/a><strong><em>b. Gottes Wille wird sichtbar in den Ereignissen, die wir erleben<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In dieser in Christus verwurzelten Dynamik beginnt eine Erfahrung, die uns nach und nach Gottes Plan enth\u00fcllt. Gottes Wille offenbart sich aus unserem Miteinander in den Ereignissen, die wir in Ihm und um seinetwillen erleben. Wenn wir aufrichtig sind und aus seiner Sicht heraus handeln, \u00fcberrascht uns der Herr des Lebens immer wieder auf \u00e4u\u00dferst unerwartete Weise. Glauben ist also keine Entscheidung, die Erfolge und Triumphe sicherstellt; glauben hei\u00dft, sich seinen H\u00e4nden anzuvertrauen, hei\u00dft, in der sicheren Gewissheit zu wachsen, die aus einem Herzen kommt, das von der g\u00f6ttlichen Vorsehung gef\u00fchrt wird. Wenn anstelle dieser radikalen Entscheidung logisches Kalk\u00fcl tritt, dann nimmt alles eine andere Richtung, deren Ziel wir nicht kennen. Maria bleibt die F\u00fchrerin in einem vollen, unbedingten Vertrauen. So ist sie gewesen, so wird sie weiterhin sein.<br \/>\nIn dem Evangeliumstext, den wir betrachten, finden wir n\u00e4mlich kein Wort des Zweifelns oder Misstrauens, oder auch nur der Resignation von Seiten der Diener: nur Gesten eines vollkommenen Vertrauens:<\/p>\n<p><em>Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!<br \/>\nEs standen dort sechs steinerne Wasserkr\u00fcge, wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach; jeder fasste ungef\u00e4hr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: F\u00fcllt die Kr\u00fcge mit Wasser! Und sie f\u00fcllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Sch\u00f6pft jetzt und bringt es dem, der f\u00fcr das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm. (V. 5-8)<br \/>\n<\/em><br \/>\nDiese Verse vermitteln, w\u00e4hrend die Hauptpersonen vollkommen schweigen, eine Verf\u00fcgbarkeit, eine Bereitschaft und eine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die uns auch ein wenig perplex zur\u00fccklassen kann. Doch nein! Es ist die Reaktion desjenigen, der sich entscheidet, auf das geh\u00f6rte Wort zu setzen. Es ist die Haltung desjenigen, der wirklich glaubt. Es ist die Entscheidung desjenigen, der nicht da ist, um Fragen oder, noch schlimmer, Bedingungen zu stellen. Es ist der treue Diener!<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395955\"><\/a><strong><em>c. Ein Prozess, der durch das Wort Gottes gen\u00e4hrt und erleuchtet wird<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Abschlie\u00dfend m\u00f6chten wir eine Tatsache hervorheben, die wir als gl\u00e4ubige Menschen nicht aus den Augen verlieren d\u00fcrfen: Es handelt sich um <strong><em>einen Prozess, der anh\u00e4lt, weil er stetig durch das Wort Gottes gen\u00e4hrt und erleuchtet wird<\/em><\/strong>. Alles im Lichte Gottes zu interpretieren und seinen Willen in den Ereignissen zu betrachten, die sich vor uns offenbaren, ist kein Selbstl\u00e4ufer. Es erfordert ein Herz, das mit der Kraft des Wortes im Einklang steht. Dies ist ein Bed\u00fcrfnis, das wir in einer Kultur wie der unseren \u2013 in der Wirtschaftlichkeit Vorrang vor Wirksamkeit hat und das Ergebnis als wichtiger angesehen wird als der Prozess \u2013 st\u00e4ndig zu untersch\u00e4tzen drohen, indem wir direkt zum Handeln \u00fcbergehen, mag es auch mit den besten Absichten sein. Als Folge davon wird der Bezugspunkt \u2013 das meditierte und betrachtete Wort \u2013 immer schw\u00e4cher und auf lange Sicht sogar als Zeitverschwendung angesehen.<br \/>\nWie oft h\u00f6ren wir, auch in unseren Ordensgemeinschaften, dass wir keine Zeit f\u00fcr die Betrachtung haben, weil wir sehr mit pastoralen Verpflichtungen besch\u00e4ftigt sind? Und je gr\u00f6\u00dfer die Verpflichtungen werden, umso mehr geben wir die Freundschaft mit dem Wort Gottes auf. Das Ergebnis ist leider eine pastorale Selbstbezogenheit, die sich im Namen der Erf\u00fcllung von pastoralen Aufgaben verst\u00e4rkt. In Entsprechung zu dem, was Papst Franziskus einmal als \u201espirituelle Weltlichkeit\u201c bezeichnete, gehen wir ein sehr \u00e4hnliches Risiko ein, die Sackgasse der \u201epastoralen Weltlichkeit\u201c. Das hei\u00dft, dass wir zwar die pastorale Arbeit mit gro\u00dfem Engagement verrichten, aber auf lange Sicht den Gott vergessen, der uns urspr\u00fcnglich gerufen hat, ihm zu dienen. Was f\u00fcr eine Trag\u00f6die, wenn wir zwar glauben, Gott in den Armen zu dienen, aber am Ende ihn selbst bedeutungslos machen. Letztendlich werden wir unsere eigenen pastoralen Projekte zu Idolen erheben!<br \/>\nIch m\u00f6chte hier Gedanken \u00fcber die Kraft und zentrale Bedeutung des Wortes Gottes von einer Heiligen der N\u00e4chstenliebe anbieten, der viele von uns begegnet sind: Mutter Teresa von Kalkutta. Sie schrieb an ihre Mitschwestern die folgenden Worte, die auch f\u00fcr uns heute gelten:<\/p>\n<p><em>\u201eIch mache mir Sorgen, weil einige von euch Jesus noch nicht wirklich begegnet sind \u2013 unter vier Augen \u2013 nur ihr und Jesus. Sicher, wir k\u00f6nnen Zeit in der Kapelle verbringen, aber habt ihr wirklich mit den Augen der Seele wahrgenommen, mit welcher Liebe er euch anschaut? Habt ihr wirklich Bekanntschaft mit dem lebendigen Jesus gemacht, nicht \u00fcber B\u00fccher, sondern weil ihr ihn in eurem Herzen aufgenommen habt? Habt ihr seine Worte der Liebe geh\u00f6rt? [\u2026] Gebt diesen vertrauten, t\u00e4glichen Kontakt mit Jesus als eine wirklich lebende Person nie auf. Er ist keine blo\u00dfe Idee! Wie k\u00f6nnen wir auch nur einen Tag verbringen, ohne zu h\u00f6ren, wie Jesus sagt: Ich liebe Dich! [\u2026] Das ist unm\u00f6glich! Unsere Seele braucht das genauso wie unser K\u00f6rper das Atmen. Sonst stirbt unser Gebet und die Meditation verkommt zu einer blo\u00dfen Reflexion. Jesus will, da\u00df jeder von uns auf ihn h\u00f6rt, auf ihn, der in der Stille des Herzens zu euch spricht. Seid wachsam gegen\u00fcber allem, was diesen pers\u00f6nlichen Kontakt mit dem lebendigen Jesus behindern k\u00f6nnte.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a><br \/>\n<\/em><br \/>\nDiese warmherzige Aufforderung der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta ist an alle gerichtet, die den Glauben zur Quelle ihrer Identit\u00e4t und ihres Handelns machen wollen. Glaubende Menschen zu sein, versetzt uns in den Mittelpunkt der Geschichte, damit wir als Hauptdarsteller die Geschichte annehmen und leben, und zwar im Lichte Christi. Nur so \u2013 ern\u00e4hrt und gen\u00e4hrt durch die Nahrung des Wortes Gottes \u2013 k\u00f6nnen wir staunend feststellen, wie der Wille Gottes klarer vor unseren Augen erscheint.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395956\"><\/a><strong><em>d. Einladung zur Reflexion<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Erkennen wir, wie leicht man dazu neigt, auf die Not der Armen zu reagieren und erzieherisch-pastorale Prozesse anzubieten, ohne vorherige menschliche und zugleich spirituelle Einsch\u00e4tzung der Situation?<br \/>\n&#8211; Erkennen wir als Gemeinschaft und als Gruppen, wie dringend es ist, den Mut zu haben, Zeit zum Nachdenken und Beten \u201ezu verlieren\u201c, bevor wir handeln? Der Wert von Angeboten liegt n\u00e4mlich in den Wurzeln, die den Baum n\u00e4hren, damit er dauerhaft gute Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<br \/>\n&#8211; Haben wir verinnerlicht, dass der Dienst an den Armen die Folge unserer Begegnung mit Christus ist, weil diese es sind, die uns zu Ihm bringen, um ihnen noch mehr zu dienen?<br \/>\n&#8211; Sind wir uns stets der Gefahr bewusst, dass die \u201epastorale Weltlichkeit\u201c im Endeffekt blo\u00df unser Ego n\u00e4hrt, mit der Folge, dass wir, anstatt den Armen zu dienen, uns letztendlich der Armen bedienen?<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395957\"><\/a><strong>3. W\u00c4HLEN \u2013 Den Ruf in Freiheit leben<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Bericht von dem \u201eZeichen\u201c zu Kana bietet weitere Punkte, die mehr Licht auf unsere gelebte Glaubenserfahrung werfen und uns als Leitfaden und Ansporn f\u00fcr unseren erzieherisch-pastoralen Weg dienen. Die Diener h\u00f6ren zu, nehmen auf und gehorchen, wie Maria es von ihnen verlangt hatte. Ihre Haltung und ihre Entscheidung wirken wie die Verwirklichung einer anderen Aussage Jesu, die Lukas berichtet: \u201eAls er das sagte, da erhob eine Frau aus der Menge ihre Stimme und rief ihm zu: Selig der Scho\u00df, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat! Er aber erwiderte: Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes h\u00f6ren und es befolgen.\u201c (Lk 11,27-28).<br \/>\nHier ist der Schl\u00fcssel zur Wende. Es ist wichtig und entscheidend, sich als Teil der Menschheitsgeschichte zu f\u00fchlen und die Zeichen der Zeit anzunehmen und zu \u201elesen\u201c; es ist jedoch unbedingt notwendig, im Glauben an Christus verwurzelt zu sein. Die Wahrheit dieser beiden Haltungen zeigt sich am deutlichsten in dem Moment, in dem man das Wort Gottes annimmt und lebt. So entsteht ein Weg des authentischen Glaubens, der von einem gesunden und soliden Wachstum gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395958\"><\/a><strong><em>a. Freies Zuh\u00f6ren gepaart mit vollkommenem Vertrauen<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Wendepunkt ist durch dieses freie Zuh\u00f6ren gekennzeichnet, das von vollkommenem Vertrauen gepr\u00e4gt ist. Die S\u00e4tze des Evangeliums haben eine sehr starke Wirkung und eine immer aktuelle Bedeutung.<\/p>\n<p><em>Jesus sagte zu den Dienern: F\u00fcllt die Kr\u00fcge mit Wasser! Und sie f\u00fcllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Sch\u00f6pft jetzt und bringt es dem, der f\u00fcr das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm. (Joh 2,7-8)<br \/>\n<\/em><br \/>\nDenn wenn einer Jesus vertraut, gibt es keinen Raum mehr f\u00fcr anderes! So wird die menschliche Verf\u00fcgbarkeit noch vollkommener und freudiger, bereiter und gro\u00dfz\u00fcgiger. Der Verfasser des Evangeliums nennt ein Detail, das wir als Erzieher und Seelsorger nicht \u00fcbersehen d\u00fcrfen: <em>\u201eUnd sie f\u00fcllten sie [= die Kr\u00fcge] bis zum Rand\u201c<\/em> (V. 7). Bis zum Rand, \u00fcber die ohnehin schon gro\u00dfe Menge an Litern in den Kr\u00fcgen hinaus. Es lohnt sich, gro\u00dfz\u00fcgig zu sein, immer, mit einer \u201e\u00fcberbordenden\u201c Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Wenn Jesus ruft, geht man so weiter, gehorsam \u2013 <em>ob-audire<\/em> (ge-horchen) \u2013 mit Freiheit und ohne Ma\u00df, immer und immer wieder, wie es im weiteren Verlauf des Evangeliums angedeutet wird: <em>\u201eEr sagte zu ihnen: Sch\u00f6pft jetzt und bringt es dem, der f\u00fcr das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm\u201d<\/em> (V. 8).<br \/>\nIch glaube, dass viele von uns in ihrem Leben, als Kinder oder Jugendliche, aber wohl auch als Erwachsene, die Freude hatten, Menschen zu begegnen, die uns an die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit dieser Diener erinnern. Menschen, die wir noch immer in unseren Herzen und Gedanken verwahren, nicht so sehr wegen ihrer Taten, sondern wegen ihrer freien und gro\u00dfz\u00fcgigen Haltung, die sie uns vermittelt haben. Sie haben uns sicherlich gepr\u00e4gt, denn ihr Herz war von der Gegenwart Jesu erf\u00fcllt, sie hatten ein erleuchtetes Herz, das vom Wort Gottes geleitet und von der Eucharistie gen\u00e4hrt wurde.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395959\"><\/a><strong><em>b. Jedes Handeln erh\u00e4lt Sinn (logos) nur in und aus Gottes Wort (Logos)<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In den Dienern erkennen wir, was heute von uns verlangt wird, wenn wir denen, denen zu dienen wir gerufen sind, wirklich eine Erfahrung ganzheitlichen Wachstums bieten wollen. Wir werden nur dann authentische Erzieher und Seelsorger sein, wenn jede unserer Handlungen ihren Sinn (Grund, Motiv, <em>logos<\/em>) durch und von Gottes Wort (<em>Logos<\/em>) bezieht. Nur in einem Leben, das von Worten und Taten gepr\u00e4gt ist, die sich von Gottes Wort inspirieren lassen, k\u00f6nnen wir die Mauer der Gleichg\u00fcltigkeit und Apathie \u00fcberwinden, die heute so weit verbreitet ist. Wenn wir sehen, dass der Wein der Hoffnung und der Freude fehlt, wenn wir uns angesichts so vieler realer Herausforderungen, denen wir t\u00e4glich begegnen, machtlos f\u00fchlen, besteht die Versuchung, uns zu sch\u00fctzen, indem wir auf Distanz gehen und nur das N\u00f6tigste tun.<br \/>\nEs gibt jedoch eine andere Option, die dem Evangelium entspricht und salesianisch ist: \u201eSich hingeben\u201c und auf sein Wort \u201evertrauen\u201c \u2013 so wie es uns die Diener bezeugen, wie es uns Don Bosco und viele bekannte Salesianer bezeugen, mit ihren konkreten Entscheidungen, denen immer eine genaue, systematische Aufmerksamkeit f\u00fcr die Quellen ihres Lebens vorausging. Aus diesem zutiefst heiligen Raum ist alles hervorgegangen. Sie waren J\u00fcnger und Diener, die ihr Leben f\u00fcr und mit den anderen zu einer Erfahrung gemacht haben, die ihre Beziehung zu Jesus verl\u00e4ngerte und mit der Kraft seines Wortes gelebt wurde. Es handelte sich dabei nicht um abstrakte Fr\u00f6mmigkeit oder emotionale Piet\u00e4t, sondern um den Ausdruck und die Synthese menschlicher und spiritueller Reife, intelligenter und weiser Weitsicht, menschlicher Empathie und mystischer Begeisterung. In ihrem <em>ob-audire<\/em> (ge-horchen), das sie mit einer starken, entschlossenen Pers\u00f6nlichkeit leben, sehen wir keine Anzeichen von Schw\u00e4che oder passiver Resignation. Wir k\u00f6nnen sagen, dass sie ihre Rolle als Protagonisten in einem Beziehungsrahmen gelebt haben, der von der Gnade der Einheit gepr\u00e4gt war, einem existenziellen, zutiefst menschlichen und zutiefst g\u00f6ttlichen Rahmen. Indem sie gehorcht haben, haben sie keineswegs auf ihre Pers\u00f6nlichkeit verzichtet, sondern sie vielmehr durch jene Gnade der Einheit gepr\u00e4gt. Ihr Vertrauen in das Wort Jesu, wie auch das Vertrauen der Diener, schenkt uns weiterhin neuen Wein, der ein neues Leben einleitet, f\u00fcr uns ebenso wie f\u00fcr unsere Jugendlichen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395960\"><\/a><strong><em>c. Gefahr eines Glaubens, der sich an die vorherrschende Kultur anpasst<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hier erkennen wir die Aufforderung, nicht der Gefahr eines Glaubens zu erliegen, der sich an die vorherrschende Kultur anpasst. Die prophetische Dimension unserer Sendung muss sich mit einem Kontext wie dem aktuellen auseinandersetzen, der \u201enach unten zieht\u201c, dem Unmittelbaren, dem N\u00fctzlichen und Vorteilhaften, dem, was hier und jetzt befriedigt, wenn nicht sogar dem Bequemsten. Die Worte Jesu an seine Diener konnten auch auf rein menschliche Weise \u201ebehandelt\u201c und \u201einterpretiert\u201c werden, mit einem durchaus plausiblen und \u201evern\u00fcnftigen\u201c Misstrauen. Wir k\u00f6nnen uns leicht vorstellen, dass das Ergebnis dann ganz anders gewesen w\u00e4re.<br \/>\nWie oft passiert es auch uns heute \u2013 angesichts dringender pastoraler Herausforderungen \u2013, dass menschliche \u00dcberlegungen Oberhand gewinnen. Eine rein horizontale Lesart, die an sich kunstvoll konstruiert ist, schw\u00e4cht letztendlich eine glaubensbasierte Lesart der Herausforderungen, denen zu begegnen wir gerufen sind, bis sie diese ausschlie\u00dft. Einerseits sind wir uns bewusst, dass Studien und Forschungen \u00fcber junge Menschen uns dazu auffordern, ihrer Suche nach Sinn zuzuh\u00f6ren, andererseits beschr\u00e4nken wir uns jedoch \u2013 angesichts dieses Bewusstseins, das eine prophetische Antwort verlangt \u2013 darauf, blo\u00df eine horizontale Antwort zu geben, die vielleicht nur ein Bed\u00fcrfnis befriedigt, anstatt die implizite Frage nach dem Sinn zu beantworten.<br \/>\nMan hat den Eindruck, dass wir manchmal unsere \u00c4ngste auf die jungen Menschen projizieren, weil es uns ungelegen kommt, uns diesen zu stellen und sie zu \u00fcberwinden, denn daf\u00fcr m\u00fcssten wir unsere Komfortzone verlassen. Wenn wir uns auf der rein menschlichen und rationalen Ebene oder der Ebene der vorherrschenden Kultur bewegen, f\u00fchlen wir uns oberfl\u00e4chlich gerechtfertigt, w\u00e4hrend unsere Jugendlichen Rufer in der W\u00fcste bleiben.<br \/>\nWenn wir von den Anf\u00e4ngen in Valdocco ab 1847 im Pinardi-Haus lesen, so sehen wir, dass Don Bosco seinen jungen Menschen starke und solide Erfahrungen bot. Er war auf der Suche nach armen Jugendlichen ohne Obdach, um ihnen das Allern\u00f6tigste zu geben: Essen, Unterkunft und Erziehung. Aber von Anfang an war sich Don Bosco dessen bewusst, dass man auch Angebote machen musste, die wir heute \u201eganzheitlich\u201c nennen. Pietro Braido schrieb dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eAus ganz bescheidenen Anf\u00e4ngen entwickelte sich die erste Institution Don Boscos langsam, erstarkte aber zunehmend und immer deutlicher, genau wie das Senfkorn im Evangelium. Aber das ist zur\u00fcckzuf\u00fchren auf die innere Kraft dieses so unerm\u00fcdlichen Arbeiters, auf seinen menschlich wie religi\u00f6s festen Glauben, auf sein ausgepr\u00e4gtes Sendungsbewusstsein und seine starke Ausstrahlung, die schlie\u00dflich dahin f\u00fchrten, dass ein stark idealisiertes Bild von ihm entstand. Das war auch sp\u00e4ter so.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a><br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich machte Don Bosco mehr als nur Propaganda. Um seine Jungen aufzufangen, sie aufzubauen und religi\u00f6s-moralisch und damit auch als Menschen stark zu machen, und hier besonders die Arbeiterjugend, seine \u201aarmen kleinen Handwerker\u2018, verstand er es, auch starke Mittel wie die geistlichen Exerzitien einzusetzen. Damit hatte er bereits 1847 einen ersten Versuch f\u00fcr die Oratoriumsbesucher gestartet. [&#8230;] Mit gr\u00f6\u00dferer Gewissheit und von Don Bosco selbst bezeugt ist ein \u00e4hnlicher Versuch im Jahr 1848. Die etwa 50 Teilnehmer blieben die ganze Zeit, also auch \u00fcber Nacht, in den R\u00e4umen des Oratoriums. Das war deshalb m\u00f6glich, weil das gesamte Pinardi-Haus zur Verf\u00fcgung stand\u201c.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><strong>[9]<\/strong><\/a><br \/>\n<\/em><br \/>\nDamit unsere Antwort voller Vertrauen in das Wort Jesu ist, m\u00fcssen wir diese Einladung mit gro\u00dfer Bereitschaft annehmen, sowohl gegen\u00fcber Demjenigen, der uns ruft, als auch als Antwort auf diejenigen, die uns erwarten. Unsere Unentschlossenheit, unser Z\u00f6gern d\u00fcrfen nicht das letzte Wort haben.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395961\"><\/a><strong><em>d. Einladung zur Reflexion<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Setzen wir uns daf\u00fcr ein, dass unser Glaubensleben die Form einer Beziehung annimmt, die von Freiheit und vertrauensvoller Hingabe gepr\u00e4gt ist.<br \/>\n&#8211; Pr\u00fcfen wir gewissenhaft unsere Motivation: Ist sie im Wort Gottes (<em>Logos<\/em>) verwurzelt und wird sie von diesem gen\u00e4hrt? Ist sie frei von selbstbezogenen Motiven?<br \/>\n&#8211; Lasst uns unsere intellektuellen F\u00e4higkeiten stets im Lichte der Weisheit Gottes entwickeln. M\u00f6ge unser Verstand die prophetische Stimme der Frohen Botschaft nicht tr\u00fcben oder schw\u00e4chen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395962\"><\/a><strong>4. HANDELN \u2013 Mit vollkommener Gro\u00dfz\u00fcgigkeit dienen<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Hochzeit zu Kana war ein \u201eFest\u201c, das durch die vertrauensvolle und gro\u00dfz\u00fcgige Antwort der Diener auf Mariens Aufforderung, das zu tun, was Jesus ihnen sagt, bereichert wurde. Wenn das Dienen von einer gro\u00dfz\u00fcgigen Selbsthingabe gepr\u00e4gt ist, einer im Glauben verwurzelten Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, resultiert daraus ein Geschenk f\u00fcr alle. Das k\u00f6nnen wir bei verschiedenen erzieherisch-pastoralen Prozessen feststellen, die von Menschen gef\u00fchrt werden, die sich der Sendung widmen, von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die sich als lebendiger Teil des Charismas und des salesianischen Pastoralprojekts f\u00fchlen. Hingabe und Zugeh\u00f6rigkeit, die eine wahre und wirkliche Annahme der Berufung bedeuten, ihre Verwirklichung und nicht nur blo\u00dfes Anh\u00e4ngsel sind. Letztendlich sind es diese grundlegenden Entscheidungen, die jedem Weg eines ganzheitlichen Wachstums junger Menschen Leben einhauchen. Es sind Optionen, die das Ergebnis positiv beeinflussen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395963\"><\/a><strong><em>a. Frei dienen, weil wir in Christus verwurzelt sind<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es gibt keine echtere und wahrhaftigere Freiheit als jene, die aus der Beziehung mit Ihm hervorgeht. Die Freude eines frei dienenden Menschen kommt aus einem Herzen, das bereits den Mittelpunkt der eigenen Identit\u00e4t gefunden hat. Der dienende Mensch, der sich aus der Quelle, die Christus ist, n\u00e4hrt, hat keine anderen Absichten oder Motive. Er lebt seinen Dienst gut, ohne von der Suche nach pers\u00f6nlicher Befriedigung von au\u00dfen abh\u00e4ngig zu sein. Sein Herz ist bereits voll mit Demjenigen, der ihn gerufen und gesandt hat, und das reicht ihm v\u00f6llig aus.<br \/>\nSeine Hingabe ist also klar und vermittelt deshalb nach au\u00dfen hin dieses Gef\u00fchl innerer Freiheit. Daher kommt die wahrhaftige Freude, die jeder authentisch den Jugendlichen dienende Mensch in sich tr\u00e4gt. Wir sind \u00dcberbringer des guten Weins, wir sind \u201eZeichen der Liebe Gottes zu den jungen Menschen, besonders zu den \u00c4rmsten\u201c (K 2), nicht weil wir diese Liebe selbst erzeugt haben, sondern weil wir glauben, dass sie uns gro\u00dfz\u00fcgig geschenkt wurde. Von uns wird einfach nur gefordert, dass wir sie nicht als pers\u00f6nliches Eigentum festhalten, sondern sie gro\u00dfz\u00fcgig verteilen. Die Freude, die wir verbreiten, wenn wir in Christus verwurzelt sind, ist eine Freude, die uns im \u00dcberfluss geschenkt wird, aber mit dem Versprechen, dass diese Freude vollkommen wird, wenn wir sie teilen. Die Zusage Jesu beim letzten Abendmahl unterst\u00fctzt uns weiterhin bei diesem Dienst:<\/p>\n<p><em>\u201eWie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.\u201c (Joh 15,9-11)<br \/>\n<\/em><br \/>\nIn den vergangenen Monaten des <em>Heiligen Jahres 2025<\/em> haben viele von uns das Jubil\u00e4um der Jugend, Ende Juli bis Anfang August, selbst erlebt oder aus der N\u00e4he verfolgt. Es ist hier angebracht, an die Worte zu erinnern, die Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben <em>Novo millennio ineunte<\/em> zum Abschluss des <em>Heiligen Jahres 2000<\/em> niederschrieb, wo wir einen Kommentar zum Jubil\u00e4um der Jugend dieses Jahres 2000 finden. Diese Worte stehen geradezu im Zeichen der Freude. Sie scheinen f\u00fcr uns heute geschrieben zu sein, die wir uns um Jugendliche k\u00fcmmern, die um die Jahrtausendwende geboren wurden:<\/p>\n<p><em>\u201eIst Christus etwa nicht das Geheimnis der wahren Freiheit und der tiefen Freude des Herzens? Ist Christus nicht der erhabenste Freund und zugleich der Mentor jeder echten Freundschaft? Wenn Christus den Jugendlichen mit seinem wahren Gesicht vorgestellt wird, empfinden sie ihn als eine \u00fcberzeugende Antwort und sind imstande, seine Botschaft anzunehmen, auch wenn sie anspruchsvoll und vom Kreuz gezeichnet ist. Deshalb habe ich mich von ihrer Begeisterung ergreifen lassen und nicht gez\u00f6gert, um eine radikale Glaubens- und Lebensentscheidung zu bitten, indem ich sie auf eine wunderbare Aufgabe hinwies: beim Anbruch dieses neuen Jahrtausends zu \u201aW\u00e4chtern des Morgens\u2018 zu werden (vgl. Jes 21,11-12).\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><strong>[10]<\/strong><\/a> (NMI, Nr. 9)<br \/>\n<\/em><br \/>\nJa, die jungen Menschen suchen noch immer nach denen, die den Mut und die \u00dcberzeugung des Glaubens an Christus haben. Es fehlen nicht die suchenden jungen Menschen. Wir brauchen Menschen, erwachsen im Glauben, bereit, das Antlitz Jesu darzustellen, als Dienende und als Pilgernde. Wir brauchen Erzieher und Seelsorger, die bereit sind, die Frohe Botschaft zu h\u00f6ren und zu leben.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395964\"><\/a><strong><em>b. Wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Gottes Plan f\u00fcr die jungen Menschen<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Indem wir \u00fcberzeugt und freudig dienen, werden wir, Erzieher und Seelsorger, zu Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an Gottes Plan f\u00fcr die jungen Menschen. Wie Maria haben auch wir die Entscheidung getroffen, uns nicht von dem, was um uns herum geschieht, fernzuhalten. Wir haben uns entschieden, Teil der Geschichte der jungen Menschen zu sein. Denn wir sind davon \u00fcberzeugt, dass diese jungen Menschen heute mehr als je zuvor in ihrem Herzen die Frage tragen: \u201eWo wohnt der Herr?\u201c. Sie suchen ihn, vielleicht auch ohne es zu wissen. Ihnen fehlen die Worte, um es auszudr\u00fccken, aber sie haben jenen tiefgehenden Durst, der das Herz nicht in Frieden l\u00e4sst. Wenn auch die angemessene Sprache fehlt, so fehlt ganz sicher nicht das unruhige Herz.<br \/>\nWie gro\u00df ist unsere Verantwortung, von uns, die wir Jesus begegnet sind, die wir h\u00e4ufig bei Jesus verweilen, jeden Tag! Aber nur wenn wir diese Begegnung treu und best\u00e4ndig leben, wird es uns gelingen, die stumme Frage der jungen Menschen zu verstehen. In dieser Logik einer \u201eStille, die lautstark anfragt\u201c, vermitteln authentische Erzieher und Seelsorger durch ihr Zeugnis und ihre Treue jenen Funken, der allein die Herzen entz\u00fcnden kann. Uns ist das \u201eTalent\u201c aus der Frohen Botschaft \u00fcbergeben worden. Wehe uns, wenn wir es vernachl\u00e4ssigen oder \u2013 noch schlimmer \u2013 es vergraben.<br \/>\nIn ihrem kurzen, aber intensiven Leben hat die Franz\u00f6sin Simone Weil (1909\u20131943) \u2013 Philosophin, politische Aktivistin und Mystikerin, eine Frau, die verzweifelt auf der Suche war \u2013 die franz\u00f6sische Philosophie des 20. Jahrhunderts tief gepr\u00e4gt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens stand sie im Austausch mit dem Dominikanerpater Joseph-Marie Perrin. \u00dcber diese Erfahrung schrieb sie in ihrem Tagebuch:<\/p>\n<p><em>\u201eNicht an der Art, wie ein Mensch von Gott spricht, sondern an der Art, wie er \u00fcber irdische Dinge redet, kann man am besten erkennen, ob seine Seele im Feuer der Liebe Gottes gewohnt hat.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><strong>[11]<\/strong><\/a><br \/>\n<\/em><br \/>\nEs ist eine lapidare Aussage, die bestens zu unseren erzieherisch-pastoralen Kontexten passt. Meistens bestehen unsere Begegnungen mit jungen Menschen und all denen, die der Herr uns begegnen l\u00e4sst, aus einem einfachen menschlichen Kontakt, gro\u00dfz\u00fcgiger Hilfsbereitschaft bei unmittelbaren Bed\u00fcrfnissen und Themen. Und doch wird dieser Raum klarer Menschlichkeit zum Ort der Offenbarung der Liebe Gottes: In diesen Momenten gelangen wir auf \u201eheiligen Boden\u201c, den man nicht zertrampeln darf. In den Spielh\u00f6fen der Welt sind wir nicht nur physisch gegenw\u00e4rtig, sondern bringen auch das mit, was unser Herz enth\u00e4lt. Auch wenn wir \u00fcber \u201eirdische Dinge\u201c sprechen, teilen wir mit, ohne es zu wissen, \u201ewen\u201c oder \u201ewas\u201c wir in unserem Herzen aufgenommen und beherbergt haben. In diesen einfachen Momenten erleichtert unsere Pr\u00e4senz, die ein gesundes Herz mit sich bringt, auf \u00fcberraschende Weise die Offenbarung von Gottes Plan f\u00fcr jeden jungen Menschen, dem wir begegnen. Gl\u00fccklich sind wir, wenn wir uns dessen stets bewusst sind. Selig sind die jungen Menschen, die diesen dienenden und glaubenden Menschen begegnen, die gro\u00dfz\u00fcgig und von wahrhafter Freude erf\u00fcllt sind!<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395965\"><\/a><strong><em>c. Der Mut des Glaubens<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schlie\u00dflich brauchen wir uns weder zu \u00e4ngstigen noch zu sch\u00e4men: F\u00f6rdern wir auf pers\u00f6nlicher und gemeinschaftlicher Ebene den Mut zu glauben. Dabei geht es nicht um eine Haltung, die die Welt lediglich provozieren will, schon gar nicht um Fundamentalismus ohne Verstand. Es handelt sich vielmehr um eine Option, die uns in Christus verwurzelt und so auf die Welt zugeht. Es geht nicht darum, sich zu widersetzen, sondern R\u00e4ume der Geschwisterlichkeit zu erm\u00f6glichen, die Kultur des Dialogs zu f\u00f6rdern und Beziehungen zu leben, die von Mitgef\u00fchl und Empathie gepr\u00e4gt sind.<br \/>\nIn einem Abschnitt der Enzyklika <em>Lumen fidei<\/em> geht Papst Franziskus auf das Potenzial eines Glaubens ein, der nicht darauf abzielt, zu erobern, sondern zum Gemeinwohl beizutragen. Als Tr\u00e4ger eines Charismas, das erzieht und evangelisiert, erleuchtet uns die Reflexion des Papstes und spornt uns an, weiterzumachen.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Glaube entfernt nicht von der Welt und steht dem konkreten Einsatz unserer Zeitgenossen nicht unbeteiligt gegen\u00fcber. Ohne eine verl\u00e4ssliche Liebe k\u00f6nnte nichts die Menschen wirklich geeint halten. Die Einheit zwischen ihnen w\u00e4re nur denkbar als eine Einheit, die auf N\u00fctzlichkeit, auf die Zusammenlegung der Interessen oder auf Angst gegr\u00fcndet ist, aber nicht auf das Gut des Miteinanders und auf die Freude, die die blo\u00dfe Gegenwart des anderen hervorrufen kann.\u201c (Nr. 51)<br \/>\n<\/em><br \/>\nDer Papst erinnert dann daran, dass diese Haltung aufgrund ihrer sozialen Auswirkungen zu einem unsch\u00e4tzbaren Geschenk wird. Dieser Aufruf ist f\u00fcr uns, die Gruppen der Don-Bosco-Familie, von entscheidender Bedeutung, denn er warnt uns vor der Gefahr, \u201eden Glauben\u201c als \u201ePrivatbesitz\u201c zu betrachten, den wir im Vergleich zu anderen haben. Das ist nicht der Sinn des Rufs. Erinnern wir uns an die Hochzeit von Kana: Der Wein ist f\u00fcr alle da, auch f\u00fcr diejenigen, die nicht gut kalkuliert haben, auch f\u00fcr die, die auf Kosten anderer beim Fest dabei sind, sowie f\u00fcr die vor\u00fcberziehenden Bettler. Der Glaube an Christus er\u00f6ffnet wie neuer Wein das Fest des Bundes. Mit den Worten von Papst Franziskus:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Glaube macht die Strukturen der menschlichen Beziehungen einsichtig, weil er deren Urgrund und letzte Bestimmung in Gott, in seiner Liebe erfasst. Sein Licht f\u00f6rdert die F\u00e4higkeit, solche Strukturen aufzubauen. So wird er zu einem Dienst am Gemeinwohl. Ja, der Glaube ist ein Gut f\u00fcr alle, er ist ein Gemeingut; sein Licht erleuchtet nicht nur das Innere der Kirche, noch dient er allein der Errichtung einer ewigen Stadt im Jenseits; er hilft uns, unsere Gesellschaften so aufzubauen, dass sie einer Zukunft voll Hoffnung entgegengehen.\u201c (Nr. 51)<br \/>\n<\/em><br \/>\nDer Mut zu glauben ist eine Best\u00e4tigung, dass wir den Ruf, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Gottes Plan f\u00fcr die jungen Menschen zu sein, ernst nehmen wollen. Don Bosco hat diesen Ruf mit au\u00dfergew\u00f6hnlichem Bewusstsein gelebt und ihn zu einem System, einem Projekt, einer famili\u00e4ren Erfahrung gemacht. Sein Mut veranlasste ihn zu sagen (und zu leben): \u201eIn allem, was zum Vorteil der gef\u00e4hrdeten Jugend ist oder dazu dient, Menschen f\u00fcr Gott zu gewinnen, gehe ich bis zur Verwegenheit\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><br \/>\nWir leben den Glaubensmut, um eine von Hoffnung gepr\u00e4gte Zukunft zu f\u00f6rdern. Einen mutigen Glauben, der seine Wurzeln im Herzen des Erziehers, des Seelsorgers hat, der niemals aufh\u00f6rt zu lieben, zu hoffen und seine Herde zu umsorgen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395966\"><\/a><strong><em>d. Einladung zur Reflexion<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Haben wir keine Angst, uns selbst innerlich und ehrlich zu fragen, ob wir wirklich den jungen Menschen dienen oder ob wir uns blo\u00df ihrer f\u00fcr unsere eigenen Ziele und pers\u00f6nlichen Motive bedienen.<br \/>\n&#8211; Als Gemeinschaft, die dazu berufen ist, mit dem Herzen des guten Hirten zu erziehen, bem\u00fchen wir uns, Gelegenheiten zu finden, die in uns das Bewusstsein st\u00e4rken, dass unsere Anwesenheit und unser Beitrag dazu dienen sollen, die Entdeckung von Gottes Plan f\u00fcr jeden jungen Menschen zu f\u00f6rdern.<br \/>\n&#8211; Denken wir an die Aussage von Simone Weil: Verweilt meine Seele im Feuer der Liebe Gottes? Falls ich nicht in dieser Glut der Liebe Gottes bleibe, spielt es kaum eine Rolle, an welchem anderen Ort ich mich entscheide zu leben!<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395967\"><\/a><strong>5. 150 Jahre Salesianische Mitarbeiter\/-innen Don Boscos: Der prophetische Traum Don Boscos geht weiter<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ich lade Euch ein, das 150-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Gr\u00fcndung der Salesianischen Mitarbeiter-\/innen Don Boscos (SMDB) als eine Erfahrung zu betrachten, die das Wort Mariens an die Diener fortsetzt: \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c<br \/>\nDie bisherigen \u00dcberlegungen finden ihre Umsetzung in dem Projekt, das Don Bosco seit Beginn seiner Sendung in Valdocco entwickelt hat.<\/p>\n<p>i. Das Herz Don Boscos war ein Herz, das <em>offen war, die Zeichen der Zeit anzunehmen<\/em>, mit ihren Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>ii. Von Anfang an war es ein Weg, der <em>im Glauben an Christus verwurzelt war<\/em>, und diese pers\u00f6nliche Erfahrung hatte ihren Ausgangspunkt einzig und allein in Christus.<\/p>\n<p>iii. Das Angebot, das sich langsam entwickelte, zielte darauf ab, den jungen Menschen und seinen ersten Mitarbeitenden die M\u00f6glichkeit zu bieten, <em>ihr eigenes Lebensprojekt frei zu entdecken und zu leben<\/em>.<\/p>\n<p>iv. In einem gesunden und heiligen Umfeld, in dem Vernunft (Vern\u00fcnftigkeit) und Glaube (Religion) sich gegenseitig in einem Kontext der Liebensw\u00fcrdigkeit n\u00e4hrten, hatte dieser Weg das alleinige Ziel, <em>den Jugendlichen in v\u00f6lliger Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu dienen<\/em> und sie bedingungslos zu lieben.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten hatten wir verschiedene Gelegenheiten und Momente der Reflexion, die uns helfen, die Erfahrung der SMDB im Lichte des salesianischen Charismas zu betrachten. Ich beziehe mich auf drei Quellen, die in diesem Jahr ebenso weitere Momente des Studiums und der Reflexion wie auch der Suche nach neuen und kreativen pastoralen Angeboten n\u00e4hren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Don Pietro Braido<\/strong> widmet den SMDB mehrere Seiten.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Hier m\u00f6chte ich nur einige Ideen f\u00fcr einen \u00dcberblick ansprechen, der uns eine Erinnerung bietet, die \u00fcber die unmittelbare historische und zeitliche Gegenwart hinausgeht. Wenn wir uns wirklich an die Entscheidungen Don Boscos erinnern, stellen wir fest, dass das Thema des JAHRESLEITGEDANKENS 2026 ganz im Einklang mit seinem Handeln steht, da er stets aufmerksam und gehorsam gegen\u00fcber der F\u00fchrung durch den Geist Gottes war.<br \/>\nDon Boscos Idee war es, eine echte organisierte missionarische Kraft zu schaffen, ein \u201epotenziell unbegrenztes Heer von Menschen, M\u00e4nnern und Frauen\u201c. Das Revolution\u00e4re daran war, dass diese Mitglieder die salesianische Sendung teilen w\u00fcrden, obwohl sie in der Welt bleiben, ohne die Verpflichtung zu den religi\u00f6sen Gel\u00fcbden (Armut, Keuschheit, Gehorsam) und ohne das f\u00fcr Ordensleute typische Leben in Gemeinschaft. Sie waren dazu berufen, in ihrem Alltag einen Glauben zu leben, der \u201eevangelisiert und zivilisiert\u201c.<br \/>\nDon Bosco konnte von den Anf\u00e4ngen des Oratoriums an immer auf die Mitarbeit von Priestern und Laien z\u00e4hlen. Die wahre Neuheit bestand darin, dieser Zusammenarbeit eine offizielle, strukturierte Form zu geben: eine kirchliche <em>Vereinigung oder Union<\/em>. Diese Einrichtung sollte formell an die Salesianische Gesellschaft \u201eangeschlossen\u201c werden, wodurch eine anerkannte spirituelle und rechtliche Verbindung geschaffen wurde.<br \/>\nDie Idee kam nicht pl\u00f6tzlich auf. Schon in den Entw\u00fcrfen der Salesianischen Konstitutionen aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte Don Bosco ein Kapitel \u00fcber die \u201eExternen Mitglieder\u201c vorgesehen. Obwohl dieser Vorschlag zun\u00e4chst von den vatikanischen Beh\u00f6rden abgelehnt worden war, gab Don Bosco nicht auf. Er wollte ein Netzwerk spontaner und informeller Hilfe in eine anerkannte geistliche Familie mit einer klaren Identit\u00e4t und einer aktiven Rolle in der salesianischen Sendung verwandeln.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der \u201aEinf\u00fchrung\u2018 von 1854 zum \u201aSatzungsentwurf f\u00fcr das Jungen-Oratorium des hl. Franz von Sales\u2018 gab Don Bosco seiner Hoffnung Ausdruck, diese Satzung k\u00f6nne als \u201aNorm f\u00fcr die Handhabung dieses Teils des heiligen Dienstes dienen, und als Leitfaden f\u00fcr die Priester und Weltleute, die sich dort in betr\u00e4chtlicher Zahl abm\u00fchen\u2018. Tats\u00e4chlich war die Mitarbeiterschar, an die er gern erinnerte, recht umfangreich.\u201c (Braido, S. 243f.)<br \/>\n<\/em><br \/>\nDie urspr\u00fcngliche Vision Don Boscos fordert uns noch immer heraus, denn sie l\u00e4dt uns ein, heute denselben apostolischen Geist zu erneuern, den er als Grundlage und Fundament ertr\u00e4umte. F\u00fcr Don Bosco war die Figur eines oder einer SMDB wie eine vielseitige Pers\u00f6nlichkeit mit einer ganz bestimmten Identit\u00e4t und Sendung.<br \/>\nIhre Identit\u00e4t war die eines Salesianers, einer Salesianerin in der Welt: ein Christ (Laie, Priester, Mann oder Frau), der den salesianischen Geist in seinen Lebensumst\u00e4nden, in der Familie und in der Gesellschaft lebt. Er oder sie ist nicht ein Ordensmann oder eine Ordensfrau, aber man teilt mit den salesianischen Ordensleuten das gleiche Herz und dieselbe Leidenschaft f\u00fcr das Heil der jungen Menschen.<br \/>\nDie Sendung der SMDB hat einen zweifachen Zweck: die pers\u00f6nliche Heiligung (\u201eselbst Gutes tun\u201c: das hei\u00dft, dazu berufen zu sein, ein vorbildliches christliches Leben zu f\u00fchren, mit einem einfachen und tugendhaften Lebensstil, fast so, als w\u00e4re man \u201ein der Kongregation\u201c). Und dann das Heil der anderen, das apostolische Handeln, mit dem Ziel eines aktiven Engagements f\u00fcr den N\u00e4chsten mit einem besonderen Fokus auf die \u201egef\u00e4hrdete Jugend\u201c.<br \/>\nDon Bosco entschied mit gro\u00dfem Pragmatismus, dass, wer diese Dinge nicht direkt (\u201eselbst\u201c) tun konnte, dennoch einen Beitrag leisten konnte, indem er diejenigen unterst\u00fctzte, die sie vollbrachten (\u201edurch andere\u201c). Dieser Grundsatz machte die Erfahrung f\u00fcr alle zug\u00e4nglich, unabh\u00e4ngig von Alter, Gesundheitszustand oder finanziellen Mitteln.<\/p>\n<p><strong>Don Egidio Vigan\u00f2<\/strong> schrieb in seinem Brief <em>Die Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><strong>[14]<\/strong><\/a><\/em>, anl\u00e4sslich der feierlichen Verk\u00fcndigung der damals neuen Regel f\u00fcr ein apostolisches Leben der Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter, im Jahr 1986, dass diese neue Regel nicht eine einfache Aktualisierung der Vorschriften sei, sondern ein Ereignis von historischer Bedeutung, das die nachkonziliare Erneuerung der gesamten Don-Bosco-Familie vollende. Don Vigan\u00f2 schreibt: W\u00e4hrend \u201eDon Bosco seine lange und schwierige Mission als Gr\u00fcnder erst dann als abgeschlossen betrachtete, als es ihm gelungen war, dieser Vereinigung eine tragf\u00e4hige Struktur und einen eigenen Charakter zu verleihen\u201c, steht dieser Erneuerungsprozess in Kontinuit\u00e4t mit den bisherigen Erfahrungen, die \u201ein gewisser Weise und im Keim bereits zu Beginn seines Projekts zugunsten der Oratorien vorhanden waren\u201c.<br \/>\nEr f\u00fcgt auch hinzu, dass das salesianische Charisma eine \u201eanpassungsf\u00e4hige Lebendigkeit\u201c in sich habe, die es ihm erlaubt, sich an die Zeit anzupassen, ohne das eigene Wesen zu verlieren. Don Bosco ging von der grundlegenden Erkenntnis aus, dass die Sendung zur Jugend eine wichtige Aufgabe ist und dass es dringend erforderlich ist, dauerhaft Mitarbeitende zu haben. Erst nach mehr als drei\u00dfig Jahren der Entscheidungsfindung, von 1841 bis 1876, gelang es ihm, seinem Projekt endg\u00fcltige Gestalt zu geben und es von einer di\u00f6zesanen Gr\u00f6\u00dfe zu einer universellen Berufung zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Don Pascual Ch\u00e1vez<\/strong> schlie\u00dflich kommentiert in einem Beitrag \u00fcber <em>Die SMDB in der Vorstellung Don Boscos<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><strong>[15]<\/strong><\/a><\/em> die Regel der SMDB \u201eApostolisches Lebensprojekt: Weg der Treue zum Charisma Don Boscos\u201c. Dabei unterstreicht er die urspr\u00fcngliche Intuition Don Boscos und erinnert an den ber\u00fchmten Satz: \u201eIch brauche immer alle!\u201c In diesem Ausdruck finden wir Don Boscos Vision vollst\u00e4ndig zusammengefasst, die sich nicht darauf beschr\u00e4nkt, die SMDB als einfache Helfer zu betrachten, sondern sie als wesentliche Protagonisten eines umfangreichen Netzwerks der Zusammenarbeit zu sehen, das tats\u00e4chlich die weltweite Verbreitung des salesianischen Werks erm\u00f6glicht hat.<br \/>\nDon Ch\u00e1vez schreibt, dass sich die Identit\u00e4t der SMDB nach Don Bosco in drei grundlegenden Dimensionen zeigt: Erstens ist er oder sie ein katholischer Christ; er oder sie hat zweitens eine weltliche Berufung; drittens ist er oder sie ein Salesianer in der Welt, womit er an den Vortrag Don Boscos aus dem Jahr 1885 erinnert. Bei dieser Gelegenheit sagte Don Bosco:<\/p>\n<p><em>\u201eWas bedeutet es SMDB zu sein? SMDB zu sein bedeutet, gemeinsam mit anderen ein Werk zu unterst\u00fctzen, das unter der Schirmherrschaft des Heiligen Franz von Sales gegr\u00fcndet wurde und dessen Ziel es ist, der Heiligen Kirche in ihren dringendsten N\u00f6ten zu helfen. Es bedeutet, sich f\u00fcr die F\u00f6rderung eines vom Heiligen Vater so sehr empfohlenen Werks einzusetzen, weil es junge Menschen zur Tugend und zum Weg der Heiligkeit erzieht, weil es vor allem darauf abzielt, die Jugend zu unterrichten, die heute zur Zielscheibe der B\u00f6sen geworden ist, weil es in der Welt, in den Kollegien, in den Heimen, in den Sonntagsoratorien, in den Familien, ich sage, die Liebe zur Religion, die guten Sitten, das Gebet, den Empfang der Sakramente und so weiter f\u00f6rdert.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><strong>[16]<\/strong><\/a><br \/>\n<\/em><br \/>\nIm Lichte dieser Vision Don Boscos weist das Apostolische Lebensprojekt (ALP) den Weg, um ein authentisches Zeugnis f\u00fcr Gottes Plan zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung junger Menschen zu werden. Dieser Weg wird wirklich, wenn sich die SMDB einsetzen, um<\/p>\n<p>a. die Identit\u00e4t der Vereinigung durch <em>dynamische Treue zum urspr\u00fcnglichen Charisma<\/em> zu gew\u00e4hrleisten. Das Studium und die Reflexion \u00fcber das Charisma sind eine Quelle, die das Verst\u00e4ndnis und das Erleben der Berufung kontinuierlich n\u00e4hrt;<\/p>\n<p>b. <em>die Einheit der Mitglieder in ihrer Verschiedenheit zu st\u00e4rken<\/em>. Der Reichtum der Herkunft und die Verschiedenartigkeit der Gaben, die jedes Mitglied hat, sowie die pers\u00f6nliche Situation eines jeden und einer jeden sind eine Gelegenheit, um R\u00e4ume der Ann\u00e4herung, des Austauschs und des Erschlie\u00dfens neuer Handlungsfelder zu schaffen;<\/p>\n<p>c. schlie\u00dflich die missionarische Lebendigkeit jedes einzelnen und jeder einzelnen SMDB zu f\u00f6rdern. Der Ruf, uns wie Don Bosco zu f\u00fchlen, bedeutet, sich von einem Herzen leiten zu lassen, das bereit ist, \u201ehinauszugehen\u201c, einem Herzen, das sich gesandt f\u00fchlt, einem missionarischen Herzen. Eine solche \u00dcberzeugung \u00fcberwindet die Gefahr einer Verschlossenheit, die dazu f\u00fchrt, das Feuer der Berufung zu verlieren.<\/p>\n<p>Neben diesen Vorschl\u00e4gen von Don Pascual Ch\u00e1vez lohnt es sich, seine Aufforderung zu bekr\u00e4ftigen, damit wir die Frische, die Don Bosco vermittelte, nicht verlieren. Heute liegt es an uns, daf\u00fcr zu sorgen, dass sie nicht geschw\u00e4cht wird und abhandenkommt. Don Boscos Projekt zeigt auch heute noch seinen Wert, insofern als jeder und jede SMDB in erster Linie danach strebt, sich f\u00fcr das Gemeinwohl im politischen, sozialen und humanit\u00e4ren Bereich einzusetzen. In diesem Sinne wird zweitens die bevorzugte Aufmerksamkeit f\u00fcr die Armen und Ausgegrenzten zur treibenden Kraft des pastoralen Handelns. Drittens wird das Engagement f\u00fcr eine glaubende Gemeinschaft bekr\u00e4ftigt, indem die Lebendigkeit der Kirche durch einen authentischen, aufrichtigen und uneigenn\u00fctzigen Geist des Dienens unterst\u00fctzt wird. Schlie\u00dflich ergeht die Aufforderung, sich st\u00e4ndig weiterzubilden, damit das Zeugnis insgesamt und \u00fcberall von jener Laienspiritualit\u00e4t gen\u00e4hrt wird, die zum Leben nach dem Evangelium formt, einem Leben, das die Frohe Botschaft verk\u00fcndet und in der Gesellschaft wie Sauerteig wirkt.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395968\"><\/a><strong>6. Einige pastorale Vorschl\u00e4ge<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In diesem letzten Teil mache ich einige pastorale Vorschl\u00e4ge, die innerhalb der verschiedenen Gruppen der Don-Bosco-Familie studiert und diskutiert werden k\u00f6nnen. Es sind Vorschl\u00e4ge, die sich aus den schon dargelegten \u00dcberlegungen ergeben und eng mit dem Bibelwort verbunden sind, das uns bei diesem JAHRESLEITGEDANKEN 2026 begleitet hat. Mein Wunsch f\u00fcr mich und jedes einzelne Mitglied der Don-Bosco-Familie ist es, dass wir uns stets die Kraft und das Licht von Gottes Wort vor Augen halten. Aus dieser Energie heraus bitten wir den Geist Gottes, uns Mut und Entschlossenheit zu schenken, um die Botschaft Jesu im Glauben zu leben und durch dieses Leben den jungen Menschen den \u201eWein der Hoffnung\u201d zu bringen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395969\"><\/a><strong><em>1. \u201eWas er euch sagt, das tut!\u201c: hin zu einer P\u00e4dagogik des pers\u00f6nlichen Zuh\u00f6rens<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Worte Mariens an die Diener in Kana bieten sich als eine echte Erziehungsmethode an. Maria l\u00e4dt zu einem pers\u00f6nlichen Zuh\u00f6ren ein, das von einem gleichg\u00fcltigen Individualismus zu verantwortungsbewusster, solidarischer Autonomie f\u00fchrt, vom sterilen \u00e4u\u00dferlichen Konformismus zur Bekehrung des Herzens.<br \/>\n&#8211; Erziehen wir die jungen Menschen zum pers\u00f6nlichen H\u00f6ren auf Gottes Wort und damit hin zu einem bewussten, erwachsenen Glauben.<br \/>\n&#8211; F\u00f6rdern wir die Unterscheidung auf pers\u00f6nlicher und gemeinschaftlicher Ebene, in Gruppen und Versammlungen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395970\"><\/a><strong><em>2. Maria in Kana: Lehrmeisterin einer authentischen Freiheit<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Maria zwingt die Diener nicht, sondern richtet sie auf Ihn aus, der ihr Leben ver\u00e4ndern kann. Das ist das Vorbild eines jeden authentischen Erziehers zum Glauben: nicht aufdr\u00e4ngen, sondern vorschlagen; nicht zwingen, sondern begleiten; nicht bevormunden, sondern bef\u00e4higen.<br \/>\n&#8211; Wachsen wir als Erzieher und Erzieherinnen, die den jungen Menschen dabei helfen, sich die richtigen Fragen zu stellen; vermeiden wir die Gefahr, vorgefertigte Antworten zu geben.<br \/>\n&#8211; Werden wir uns bewusst, dass Autorit\u00e4t aus einem konsequenten und authentischen Zeugnis entsteht, nicht aus einem unterdr\u00fcckerischen Erziehungsstil.<br \/>\n&#8211; Akzeptieren wir, dass Erziehung zur Freiheit auch bedeutet, das Risiko eines \u201eNein\u201d, einer negativen Antwort, einer Ablehnung in Kauf zu nehmen. Auf jeden Fall ist den Entscheidungen der jungen Menschen auf ihrem Weg des schrittweisen Wachsens stets mit Respekt zu begegnen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395971\"><\/a><strong><em>3. Die Kunst, die Zeichen der Zeit mit den jungen Menschen zu deuten<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eine bodenst\u00e4ndige Pastoral wei\u00df die Realit\u00e4t der jungen Menschen ohne Vorurteile und ohne Verkl\u00e4rung der Vergangenheit zu deuten. Die jungen Menschen leben in einer komplexen Welt, die voll neuer Herausforderungen ist: digitale Revolution, unsichere Zukunft, Krise der traditionellen Institutionen, neue Formen existenzieller Armut.<br \/>\n&#8211; H\u00f6ren wir einf\u00fchlsam zu: Versuchen wir, die jugendliche Welt von innen heraus zu verstehen, bevor wir urteilen.<br \/>\n&#8211; Interpretieren wir weise: Sehen wir in den kulturellen Ver\u00e4nderungen nicht nur Bedrohungen, sondern auch Gelegenheiten f\u00fcr die Verk\u00fcndigung.<br \/>\n&#8211; F\u00f6rdern wir das Gespr\u00e4ch im Geist: Wir leben \u201eSynodalit\u00e4t\u201c ganz offensichtlich, wenn wir junge Menschen selbst in das gegenseitige Zuh\u00f6ren, in die Analyse ihrer Realit\u00e4t und in die Formulierung neuer Vorschl\u00e4ge einbeziehen.<br \/>\n&#8211; Mit einem Blick des Glaubens erkennen wir Gottes Handeln auch in Situationen, die anscheinend weit entfernt vom Evangelium sind.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395972\"><\/a><strong><em>4. W\u00e4hlen: christliche Freiheit als Berufungsantwort<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einer der heikelsten Punkte der heutigen salesianischen Jugendpastoral ist die Beziehung zwischen Glauben und Freiheit. Nur \u201efreiwilliges Zuh\u00f6ren\u201c erlaubt es, die befreiende Kraft des Evangeliums zu erfahren.<br \/>\n&#8211; Bieten wir den jungen Menschen R\u00e4ume und Erlebnisse eines mutigen, nicht \u00e4ngstlichen Christentums, ein Angebot eines einfachen und glaubw\u00fcrdigen christlichen Lebens.<br \/>\n&#8211; Leiten wir zum Handeln an: Jedes Handeln und jedes konkrete Angebot soll vom Wort Gottes her gelebt und geleitet werden, damit es Zeichen einer ganzheitlichen Spiritualit\u00e4t wird. Dienen erscheint dann als nat\u00fcrlicher Ausdruck eines reifen Glaubens und einer echten Freiheit.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395973\"><\/a><strong><em>5. 150 Jahre Salesianische Mitarbeiter\/-innen Don Boscos: ein Vorbild f\u00fcr heute<\/em><\/strong><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Gedenken an 150 Jahre SMDB bietet der salesianischen Sendung eine einzigartige Gelegenheit: Don Boscos Traum einer \u201egro\u00dfen Bewegung von Menschen\u201c, die sich f\u00fcr das Wohl der Jugend einsetzen, lebendig werden zu lassen.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Jugendliche als Protagonisten<\/em>: Die jungen Menschen sind nicht nur Empf\u00e4nger pastoralen Handelns, sondern aktive Subjekte. Wie die ersten SMDB haben auch die jungen Menschen Don Boscos Traum von Anfang an geteilt. Dasselbe gilt f\u00fcr die jungen Menschen von heute: Sie sind gerufen, Protagonisten der Evangelisierung zu sein, in einer deutlicheren Weise als ihre Altersgenossen.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Erziehungsb\u00fcndnisse<\/em>: Die salesianische Sendung darf nicht das Werk einzelner sein, sondern erfordert Netzwerke zwischen Familien, christlichen Gemeinschaften, Schulen, Vereinen und der Arbeitswelt. Die SMDB von gestern und heute stellen diesen Geist pastoraler Verbundenheit dar.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Missionarische Dimension<\/em>: Das salesianische Charisma ist in seinem Wesen missionarisch. Pastorale Entscheidungen d\u00fcrfen sich nicht auf die Bewahrung des Vorhandenen beschr\u00e4nken, sondern m\u00fcssen sich \u00f6ffnen hin zu den R\u00e4ndern, zu den neuen Formen der Armut und zu den am weitesten entfernten Jugendlichen.<\/p>\n<p>&#8211; <em>Fruchtbares Laientum<\/em>: Die SMDB bezeugen die Sch\u00f6nheit der Berufung der Laien in der Kirche. Das bedeutet, die spezifische Rolle der Laien in der Glaubenserziehung wertzusch\u00e4tzen und ernst zu nehmen, indem ihre Kompetenz und ihre Autonomie geachtet und gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc220395974\"><\/a><strong>Schluss<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mit dem JAHRESLEITGEDANKEN 2026 wird der Don-Bosco-Familie ein ebenso anspruchsvolles wie faszinierendes Programm \u00fcbergeben. In einer Zeit, in der junge Menschen oft nur als problematisch oder zerbrechlich beschrieben werden, betrachtet das salesianische Angebot sie mit den Augen des Glaubens: Wenn sie auf glaubw\u00fcrdige Angebote und ma\u00dfgebliche Zeugen treffen, zeigen sich junge Menschen als aufrichtige Tr\u00e4ger spezifischer Gaben, die wirklich f\u00e4hig sind, authentisch zuzuh\u00f6ren, und auch bereit, gro\u00dfz\u00fcgige Entscheidungen zu treffen.<br \/>\nWie Maria in Kana sind wir als Erzieher und Erzieherinnen im Glauben gerufen, Christus vor den jungen Menschen zu bezeugen, nicht als ein \u201eObjekt\u201c, sondern als eine befreiende Beziehung. Wir sind gerufen, das christliche Leben darzustellen nicht als Regeln, die es zu befolgen gilt, sondern als F\u00fclle des Lebens, die uns kostenlos geschenkt wird. <em>\u201eWas er euch sagt, das tut\u201c<\/em> ist keine Aufforderung zu blindem Gehorsam, sondern zu einer verantwortungsvollen Freiheit, die von denen vermittelt wird, die der Liebe bereits begegnet sind. Sie haben diese erfahren und wollen sie teilen, weil in ihr das wahre Leben ist.<br \/>\nIch m\u00f6chte mit einer \u00dcberlegung von Romano Guardini schlie\u00dfen. Er stellt fest: Unser Glaube ist ein \u201e\u2018angefochtener Glaube\u2018, der sich immerfort seines Grundes vergewissern und oft die sch\u00f6ne Mannigfaltigkeit wegschmelzen mu\u00df, um des Wesentlichen teilhaft zu bleiben.\u201c Das bedeutet, dass wir, wenn Zweifel oder Entmutigung aufkommen, die uns bei unserer Sendung oft heimsuchen, erkennen, dass der wahre Glaube ein Glaube ist, \u201eder sich immer wieder gegen die Bezweiflung aufrichtet, [\u2026] eine Struktur, wie sie Kardinal Newman charakterisiert hat, als er sagte, glauben hei\u00dfe, \u201aZweifel tragen zu k\u00f6nnen\u2018.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><br \/>\nDen neuen Wein von der Hochzeit zu Kana, der die von den Glaubenden verk\u00fcndete Erneuerung symbolisiert, bringen wir mit Freude und Hoffnung auch und vor allem inmitten von Herausforderungen und Schwierigkeiten, Zweifeln und Unsicherheiten. Sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft sind die jungen Menschen, die wir begleiten, Tr\u00e4ger eines Durstes nach authentischem Leben. Sie versuchen, <em>Glaubende<\/em> zu treffen, die eine <em>glaubw\u00fcrdige<\/em> christliche Botschaft vermitteln und denen sie deshalb glauben. Das ist die Herausforderung, die der JAHRESLEITGEDANKE 2026 uns allen aus der Don-Bosco-Familie, die die neuen Generationen im Herzen tragen, anvertraut.<br \/>\nDon Boscos Traum lebt weiter, wenn ein junger Mensch in den Erziehern und Seelsorgern, denen er begegnet, keine Einschr\u00e4nkung seiner Freiheit sieht, sondern den Weg, ganz er selbst zu werden, ein Glaubender, der seinen Glauben im Dienst an seinen Mitmenschen lebt. Das ist die \u201eFrohe Botschaft\u201c, die die salesianische Sendung zu verk\u00fcnden berufen ist: den Mut des Glaubens und die Freude des Teilens.<\/p>\n<p>Diesen JAHRESLEITGEDANKEN biete ich euch mit Freude und Ergriffenheit an und verpflichte mich, ihn als erster zu leben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Papst Franziskus, <em>Enzyklika \u201eLumen fidei\u201c<\/em> (2013).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Papst Franziskus, Generalaudienz, 8. Juni 2016: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2016\/documents\/papa-francesco_20160608_udienza-generale.html\">https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2016\/documents\/papa-francesco_20160608_udienza-generale.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Joseph Ratzinger \u2013 Papst Benedikt XVI., <em>Jesus von Nazareth<\/em>. Erster Teil: <em>Von der Taufe im Jordan bis zur Verkl\u00e4rung<\/em>, Freiburg: Herder 2007, S. 294.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Dominic VELIATH, \u201eEncounter of the Salesian Charism. South Asian Context\u201c, in: <em>Journal of Salesian Studies<\/em>, Juli\u2013Dezember 2015, Bd.\u00a016, Nr.\u00a02, S. 189\u2013207; Vgl. <a href=\"https:\/\/www.salesian.online\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/JSS_16_N_2_Encounter_of_the_Salesian_Charism_with_the_Southern_Asian_Context-Dominic_Veliath1.pdf\">https:\/\/www.salesian.online\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/JSS_16_N_2_Encounter_of_the_Salesian_Charism_with_the_Southern_Asian_Context-Dominic_Veliath1.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd., S. 207<em>.<\/em> Der englische Originaltext lautet: \u201eThe Salesian charism is still on a pilgrimage. Every pilgrimage involves a certain amount of risk; at times one is challenged to venture along what may seem as yet an uncharted course. It is in this setting that every Salesian, including the Salesian in the South Asian context, confident in the abiding presence of the Spirit of God, rooted in the Salesian charism and in fraternal communion with the Salesian congregation at large, is called to continue his journey with a little of that trust which has so insightfully been described by the poet Antonio Machado in his poem <em>Caminante no hay Camino<\/em>: \u201aWayfarer! There is no way. The way is made by walking\u2018.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Aus einem Brief, den Mutter Teresa an alle aus der Familie der Missionare der N\u00e4chstenliebe am 25. M\u00e4rz 1993, w\u00e4hrend der Karwoche, schrieb; zitiert in: Raniero Cantalamessa, <em>Dritte Homilie: Adventsmeditation 2003<\/em>, 19. Dezember 2003; auf Deutsch ver\u00f6ffentlicht am 22. Dezember 2003: <strong>\u201eKennt ihr den lebendigen Christus?\u201c [A.\u00a0d.\u00a0\u00dc.: Auf Deutsch unter <\/strong><a href=\"https:\/\/www.corpuschristimovement.com\/german\/meditationen\/Cantalamessa1.html\">https:\/\/www.corpuschristimovement.com\/german\/meditationen\/Cantalamessa1.html<\/a><strong>. Da diese Predigt nur den Anfang des Zitats enth\u00e4lt, wurde auf einen anderen Text (\u201eTestament von Mutter Teresa\u201c) zur\u00fcckgegriffen, der das Zitat vollst\u00e4ndig wiedergibt: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.horeb.org\/fileadmin\/eigene_dateien\/Neue_Seite\/Downloads\/PDF\/PDFs\/Testament-mutter-teresa.pdf\">https:\/\/www.horeb.org\/fileadmin\/eigene_dateien\/Neue_Seite\/Downloads\/PDF\/PDFs\/Testament-mutter-teresa.pdf<\/a><strong>.<\/strong><strong>]<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Pietro BRAIDO, <em>Don Bosco. Ein Priester f\u00fcr die Jugend. Eine wissenschaftliche Biografie<\/em>, M\u00fcnchen: Don Bosco 2016, Bd. 1, S. 280 (aus Kap. 7: \u201eDon Bosco, der Erzieher [1846-1850]).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ebd., S. 288.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Papst Johannes Paul II., <em>Apostolisches Schreiben \u201eNovo Millennio Ineunte\u201c<\/em>, 6. Januar 2001.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Simone Weil, <em>Quaderno<\/em> IV, S. 182-183 (der italienischen Ausgabe). [A.\u00a0d.\u00a0\u00dc.: eigene \u00dcbersetzung].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Brief an Herrn Carlo Vespignani, 11. April 1877, in: Francesco MOTTO (Hrsg.), Giovanni BOSCO, <em>Epistolario,<\/em> Bd. V (1876\u20131877), Rom: LAS 2012, S. 344. [A.\u00a0d.\u00a0\u00dc.: zitiert auch in <em>K<\/em> 19].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Pietro BRAIDO, <em>Don Bosco. Ein Priester f\u00fcr die Jugend. Eine wissenschaftliche Biografie<\/em> (M\u00fcnchen: Don Bosco 2016), Bd. 2. Ich empfehle die Lekt\u00fcre des 22. Kapitels: Die Salesianischen Mitarbeiter \u2013 ein Projekt katholischer Solidarit\u00e4t in der Sendung f\u00fcr die Jugend (1873\u20131877), S. 242-282.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Egidio Vigan\u00f2, <em>L\u2019Associazione dei Cooperatori Salesiani<\/em> [= Die Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter], Brief, ver\u00f6ffentlicht in: Amtsblatt Nr. 318, 1986.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. Pascual Ch\u00e1vez, <em>Il Cooperatore nella mente di don Bosco<\/em> [Kommentar zu: \u201cIl Progetto di Vita Apostolica: via di fedelt\u00e0 al carisma di Don Bosco\u201d]: <a href=\"https:\/\/www.donboscoland.it\/it\/page\/il-cooperatore-nella-mente-di-don-bosco\">https:\/\/www.donboscoland.it\/it\/page\/il-cooperatore-nella-mente-di-don-bosco<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Bollettino Salesiano, Juli 1885, Jahr IX. Nr. 7 siehe: <a href=\"https:\/\/sdl.sdb.org:9343\/greenstone3\/library\/collection\/bolletin\/document\/HASHf4b23f9c8aeedeefebb44e;jsessionid=5747EC043839057DDD329A721E7B8FAA\">https:\/\/sdl.sdb.org:9343\/greenstone3\/library\/collection\/bolletin\/document\/HASHf4b23f9c8aeedeefebb44e;jsessionid=5747EC043839057DDD329A721E7B8FAA<\/a> [A.\u00a0d.\u00a0\u00dc.: eigene \u00dcbersetzung].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Romano Guardini, <em>Sorge um den Menschen<\/em>, Bd. 1, W\u00fcrzburg: Werkbund-Verlag 1962, S. 120.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubende Menschen, befreit zu dienen Kommentar zum Jahresleitgedanken 2026 Einleitung &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;a. 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